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An(gedacht) von Christoph Biskupek

An(ge)dacht : Kein Lehrer, der nicht auch noch Schüler sein kann

Alle, die daran gewöhnt sind, Aufträge zu vergeben und Erzieher zu sein, sollen sich auch darin üben, Schüler zu sein.

Baltasar Gracián, ein spanischer Jesuit und Schriftsteller des 17. Jahrhunderts, hat gesagt: „Es gibt keinen Lehrer, der nicht auch noch Schüler sein kann.“ Das erinnert auch an die Bibel, in der den Menschen zugerufen wird: „Höre, Israel!“ Dieses Zuhören auf die Weisungen Gottes steckt auch in der Mahnung Jesu: „Ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen, denn nur einer ist euer Lehrer, Gott!“

Alle, die daran gewöhnt sind, Aufträge zu vergeben und Erzieher zu sein, sollen sich auch darin üben, Schüler zu sein. In einer dialogfähigen Gesellschaft werden Lehrer- und Schülersein, Unterweisen und Lernen, Geben und Nehmen in wechselnder Rollenverteilung wahrgenommen. Das gilt für Mütter und Väter genauso wie für Chefs und Lehrerinnen, für Bischöfe und Pfarrer.

Sie können eigentlich erst dann gute Vorgesetzte sein, wenn Sie es auch verstehen, zu hören und zu folgen. Denn nur wer über die zum Lernen erforderliche Bescheidenheit verfügt, kann die zu Lehren erforderliche moralische Autorität beanspruchen. Vorgesetzte, die von ihren Mitarbeitern lernen können, gewinnen menschlich und geistig hinzu.

Das hat günstige Rückwirkungen auf die ganze Arbeit und das Zusammenleben. Ein biblisch begründeter Spruch, in dem viel Weisheit steckt: „Es gibt keinen Lehrer, der nicht auch noch Schüler sein kann.“