Erkrath: An der Jury vorbei gekommen

Erkrath : An der Jury vorbei gekommen

Wer seine Werke in der Erkrather Kunstausstellung LoKart zeigen möchte, muss Bilder, Fotografien oder Skulpturen bewerten lassen. Werke am "Rande des Dilettantismus" werden gnadenlos aussortiert.

Ist geschickt in Form gebrachte Wellpappe eigentlich Kunst? Was möchte uns ein fünf Meter breites Foto einer Reisterrasse auf Bali eigentlich sagen? Über Kunst lässt sich stundenlang streiten, reden und diskutieren. In der Erkrather Stadthalle haben 38 Erkrather Künstler ihre 180 Werke aufgebaut. Knapp zwei Stunden hatte eine fünfköpfige Jury am Dienstagabend Zeit, daraus etwa 20 Künstler auszuwählen.

Ihre Bilder, Fotografien und Skulpturen werden vom 18. bis zum 21. November auf der großen Kunstausstellung LoKart gezeigt. "Ich habe hier in der Stadthalle schon Werke gesehen, die waren am Rande des Dilettantismus", sagt Herbert Siemandel-Feldmann. Der Künstler und Galerist ist ein alter Hase und seit 30 Jahren nicht nur Pädagoge, sondern mittlerweile Experte für Kunst. "Ich weiß, was sich auch verkaufen lässt, ich habe die Nase am Wind", sagt Siemandel-Feldmann.

"Was gar nicht geht, wenn ein Künstler sich Obst aus fremden Gärten klaut", sagt Siemandel-Feldmann. Gemeint ist damit das Kopieren mehr oder weniger bekannter Kunstwerke. Öfter sieht er bei der Jurierung Bilder, wo er dem Künstler am liebsten zurufen möchte, dass hier und da noch ein Pinselstrich fehlt. Und selbst ohne den letzten Strich, was sollen uns verschiedene schwarze Farben auf einem dunklen Hintergrund sagen?

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Erklärungen der Künstler selbst — etwa mit einem beigelegten Zettel haben bei der Jury absolut keine Wirkung und sind überflüssig. "Wenn da ein Blatt dabei liegt, lese ich das gar nicht", sagt Ute Küppersbusch, Vorsitzende des Bergischen Künstlerbundes und Mitglied der Jury. Ein Bild oder ein Foto müsse sich selbst erklären, für sich selbst wirken.

Die Jury spricht sich aber nicht untereinander ab. Alle fünf gehen einzeln und die Werke ab und bilden sich ein Urteil. Jeder hat eine Stimme, mit 3:2 schafft man es in die Ausstellung. "Es gibt Werke, da steht es 5:0 für den Künstler, aber genau so gut können wir uns alle einig sein, dass ein Werk überhaupt nichts taugt", sagt Siemandel-Feldmann.

Ab und an gibt die Jury den Künstlern auch versteckte Hinweise. Wenn zum Beispiel nur ein Bild einer ganzen Reihe mit in die Ausstellung genommen wird, heißt das nichts anderes, als das der Künstler noch ein wenig an sich arbeiten sollte. "Aber das verstehen viele nicht", sagt Ute Küppersbusch. Sich selbst im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild machen können nun die Besucher der LoKart. Und die geschickt in Form gebrachte Wellpappe von Hyacinta Hovestadt ist natürlich mit dabei. Und auch Volker Rapp darf sein Bild von der balinesischen Reisterrasse mitbringen. Das ist eben Kunst!

(RP/rl)
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