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Alltag mit Kind in Quarantäne

Corona im Kreis Mettmann : Alltag mit Kind in Quarantäne

Corona-Verdacht – 14 Tage sind lang für eine Familie mit Kindern. Viel Zeit zum Malen, Lesen und Keller aufräumen.

Und irgendwann werden selbst die Kinder hellhörig. „Wenn meine Tochter gehustet hat, dann hat sie gleich gerufen, ,Mama, ich hab’ mich nur verschluckt’“, erzählt Heike Meerskamp (Name von der Redaktion geändert). Die Mitte 30-Jährige und ihre Tochter im Grundschulalter gehören zu den Menschen, die in der Stadt Erkrath wegen des Verdachts auf eine Infektion mit dem Corona-Virus unter Quarantäne stehen.

Ihr Name ist geändert, ihre persönlichen Angaben ebenfalls, um negative Folgen für sie und ihre Familie auszuschließen. Ihre 14-tägige „Absonderung“, so heißt es im Beamtendeutsch, wird Freitagnacht, 24 Uhr, beendet sein. Denn weder sie, noch ihr Ehemann oder ihre Kinder haben in den vergangenen zwei Wochen Symptome gezeigt. Sobald das Ordnungsamt der Stadt Erkrath grünes Licht gibt, darf sie die Wohnung daher wieder verlassen, in der sie sich 14 Tage lang aufgehalten hat. Glück gehabt.

Vor zwei Wochen sah die Lage noch ganz anders aus. Heike Meerskamp hatte ihre Freundin besucht und sie bei der Verabschiedung umarmt. Diese Freundin rief sie noch am selben Abend an: Sie war positiv getestet worden, hatte sich mit dem Corona-Virus angesteckt. Auch Heike Meerskamp griff daraufhin zum Hörer, um sich Rat und Hilfe zu holen. „Das war eine spannende Nacht“, sagt sie.

Bange Zeit verbrachte sie in der Warteschleife der Ärztlichen Notrufnummer 116 117, um nach gut einer Stunde des Ausharrens endlich ihren Fall schildern zu können. Gegen 0.30 Uhr rief sie dann ein Arzt zurück, „der mir gesagt hat, wie ich mich zu verhalten habe“. Am nächsten Tag nahm sie, wie vom Arzt geraten, Kontakt zum Gesundheitsamt des Kreises Mettmann auf. „Die waren da alle sehr sehr freundlich“, berichtet die Erkratherin. Und weil sie keine Symptome zeigte, wurde sie unter Quarantäne gestellt. Die Wohnräume und der Garten waren für 14 Tage ihr Refugium.

Willkommene freie Zeit? „Nein, es ist schon etwas anderes, wenn man 14 Tage Urlaub hat oder zwei Wochen wirklich zu Hause bleiben muss“, sagt sie. „Corona, das war immer so weit weg. Und dann hab’ ich gedacht, ups, jetzt bist du mit im Boot“, das war ihr erster Gedanke. Dann folgte die Sorge um ihre Kinder. „Ich dachte, hoffentlich stecken sie sich nicht an.“

Den Kindern haben sie und ihr Mann erklärt, dass die Quarantäne „erst mal eine Vorsichtsmaßnahme ist“. Doch auch die Kinder wurden nachdenklich, fragten, „was ist, wenn wir das kriegen?“ Ihr Fall wurde amtlich. Eine Ordnungsverfügung landete in ihrem Briefkasten, in der das Ordnungsamt der Stadt Erkrath genau erläuterte, worin ihre Pflichten bestehen. Heike Meerskamp meldete sich bei ihrem Arbeitgeber krank. Der Arbeitgeber des nicht als Verdachtsfall geltenden Ehemannes stellte ihn für eine Woche frei, und auch die Kinder blieben zu Hause, lernten den Schulstoff aus ihren Büchern.

„Das Gesundheitsamt ruft seither täglich an, fragt nach möglichen Symptomen und ob wir was brauchen“, erzählt sie. Und obwohl sie vorher keine Hamsterkäufe gemacht hat – „ich halte das auch jetzt noch nicht für nötig, wir sind ja nicht mehr im Mittelalter, da braucht man ja nur auf die Online-Seite des Supermarktes zu gehen und was zu bestellen“ – war die Familie mit den eigenen Vorräten gut versorgt. Auch deshalb, weil der Ehemann nicht unter Quarantäne stand und nötige Einkäufe noch erledigen konnte.

Täglich musste Heike Meerskamp ein medizinisches Tagebuch führen, Fieber messen und eintragen, ob sie Kopf- oder Halsschmerzen hat. Gottlob blieben die aus. Statt dessen gab es öfter mal Langeweile, vor allem bei den Kindern. „Man macht Dinge, zu denen man sonst nie kommt, wie Keller aufräumen oder Papiere sortieren.“ Doch das reicht nicht als Tagesbeschäftigung: „Die Kinder sind nicht ausgelastet. Sie sind abends länger wach, weil sie nicht müde sind. Man kann ja seine Kinder nicht 13 Stunden vor den Fernseher setzen.“ Also hat die Familie gebastelt, Legosteine zusammen gebaut, Gesellschaftsspiele gespielt oder gemeinsam gebacken.

Über die Witzchen zu Corona, die derzeit via Whatsapp ihre Runden machen, kann Heike Meerskamp immer noch lachen. „Panik ist der falsche Weg“, sagt sie. Doch größere Ansammlungen von Menschenmengen werden sie und ihre Familie erst einmal meiden. Ihrer an Corona erkrankten Freundin „geht es von Tag zu Tag besser, sie musste nicht ins Krankenhaus“ erzählt sie. Nun freut sich die Familie auf das Ende der Quarantäne: „Ich glaube, das Erste, was wir machen, ist erst mal einen ausgiebigen Spaziergang. Einfach raus.“

(arue)