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Mettmann: Abgeordneter ohne Büro

Mettmann : Abgeordneter ohne Büro

Interview Seit drei Wochen sitzt der Mettmanner Dirk Wedel für die FDP im Landtag. Politische Ziele hat der 38-Jährige schon, einen eigenen Arbeitsplatz in Düsseldorf hingegen noch nicht.

Am 13. Mai wurden Sie für die FDP in den Landtag gewählt. Wie sind Sie dort gestartet?

Dirk Wedel Der Umzug ist leider noch nicht abgeschlossen. Ich habe noch kein eigenes Büro und bin auf Improvisation angewiesen. Das ist bei solchen Wechseln üblich; auch meine Fraktionskollegen sind betroffen.

Wie machen Sie denn derzeit Ihre Arbeit — sitzen Sie am Katzentisch im Büro eines befreundeten Abgeordneten?

Wedel Das könnte ich theoretisch, aber ich mache das Meiste in Mettmann. Also fahre ich ständig in den Landtag, hole die Post ab und bearbeite das dann in Mettmann. Teilweise fahre ich nach Düsseldorf, nur weil ich ein einzelnes Formular abgeben muss.

Das klingt sehr lästig.

Wedel Die politische Arbeit hat natürlich schon angefangen, aber wegen des ganzen Organisations-Aufwandes noch nicht so, wie ich mir das wünschen würde. Optimal ist das nicht, aber ich sehe es noch sehr entspannt.

Politische Ziele haben Sie bereits. Was wollen Sie für Mettmann im Landtag erreichen?

Wedel Viele Themen des Landes betreffen in irgendeiner Weise auch den Kreis Mettmann. Wichtig ist aber in erster Linie die Verkehrsinfrastruktur, also die Entlastung der Innenstadt in Mettmann. Da ist allerdings auch der Kreis gefragt, der sich einbringen muss, damit ein Bodengutachten eingeholt werden kann. Der Baubeginn muss endlich erfolgen.

Ist das das einzige Verkehrsthema?

Wedel Auch im Fall der L 239n muss dringend etwas passieren. Die Straße muss ausgebaut werden. Es ist eine ganz wichtige Verbindung von Mettmann aus, auch zur A 44. Teilweise ist dort aber die Verkehrssicherheit überhaupt nicht gewährleistet. Und es ist nicht zumutbar, dass auf einer Landstraße Tempo 30 gilt. Wir brauchen den Ausbau dringend.

Der Koalitionsvertrag von Rot-Grün ist gerade veröffentlicht worden.

Wedel Ja, mit der Auswertung beschäftige ich mich derzeit. Und ich kann nicht nachvollziehen, dass der SPD-Kollege Manfred Krick den Abschnitt zu CO-Pipeline im Vertrag als Erfolg wertet. Die SPD ist doch angetreten, um die Pipeline zu verhindern — und davon sind sie weit entfernt. Das ist schon politische Kunst, das für sich umzudeuten.

Stichwort Finanzen.

Wedel Die im Koalitionsvertrag festgeschriebene Abundanzumlag wird eine Reihe der Städte im Kreis Mettmann und den Kreis selbst sehr hart treffen. Städte, die gut gewirtschaftet haben, erhalten keine Schlüsselzuweisungen und sollen dann auch noch solidarisch für andere Städte zur Kasse gebeten werden. Ich halte es für ein Unding, dass die, die gut gewirtschaftet haben, bestraft werden.

Wenn Sie in vier, fünf Jahren Bilanz Ihrer Landtagsarbeit ziehen — was soll dann auf der Erledigt-Liste stehen?

Wedel Da wir in der Opposition sind, ist es nicht möglich, Dinge 1:1 umzusetzen. Da mache ich mir nichts vor. In der Landespolitik ist es oft so, dass Vorschläge, die von der falschen Seite kommen, einfach abgelehnt werden. Wir werden aber die Finger in die Wunden legen und auf Veränderungsbedarf aufmerksam machen. Ich hoffe, dass es mir gelingt zu zeigen, wie es besser gehen könnte.

Corinna Kuhs führte das Interview

(RP)