Mettmann: 700 Lehrstellen sind noch unbesetzt

Mettmann : 700 Lehrstellen sind noch unbesetzt

Am 1. August beginnt das Ausbildungsjahr. Ende Juni waren noch gut 1200 Schulabgänger im Kreis Mettmann auf der Suche. In diesem Jahr wurden 200 Ausbildungsplätze weniger gemeldet als im Vorjahr.

Es ist jedes Jahr das gleiche: Es gibt wieder deutlich mehr Bewerber als Lehrstellen, auch im Kreis Mettmann. Mehr als 1200 Schulabgänger sind offiziell noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. 700 Ausbildungsplätze sind noch zu haben. Damit kommen rein rechnerisch fast zwei Bewerber auf einen Ausbildungsplatz: "Leider haben die Betriebe bisher 200 Ausbildungsstellen weniger gemeldet als letztes Jahr. Damit befindet sich die Zahl zurzeit sogar unter dem Niveau der Krisenjahre 2008/2009", bedauert Ute Ackerschott, Leiterin der Agentur für Arbeit Mettmann.

Gewerkschaftssekretär Thomas Ziegler von der DGB-Region Düsseldorf-Bergisch Land kritisiert deshalb die Arbeitgeber: "In Zeiten von Fachkräftemangel müsste bei den Unternehmen eigentlich eine hohe Ausbildungsbereitschaft vorhanden sein", sagt Ziegler. "Damit Schulabgänger eine realistische Chance auf einen Ausbildungsplatz haben, müssten 1,3 Ausbildungsplätze auf einen Lehrstellensuchenden kommen."

Tatsächlich, so seine Beobachtung, hätten "viele Ausbildungsbetriebe überzogene Ansprüche. Junge Leute werden schnell als nicht ausbildungsfähig abgetan", glaubt er. "Früher hat es ein guter Realschulabschluss doch auch getan, heute wird ein Abitur oder am besten gleich ein abgeschlossenes Studium erwartet."

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Ute Ackerschott mag das so nicht bestätigen. "Den Arbeitgebern ist der reine Schulabschluss nicht das Wichtigste. Interesse, Engagement, Ausstrahlung und natürlich die Tugenden können so manches wettmachen."

Offene Ausbildungsstellen gibt es noch im Handel und Verkauf, in Hotellerie und Gastronomie, in der Energie- und Betriebstechnik oder Informatik. Außerdem bei den Gewerken des Baugewerbes oder im medizinischen Bereich. "Dem gegenüber ist in den Berufen der Fertigung und Produktion generell die Nachfrage der Jugendlichen größer als das Angebot der Unternehmen", sagt die Agenturchefin. Hier sollten sich Jugendliche beraten lassen und auf Berufe ausweichen, die wenig bekannt sind, wie zum Beispiel der des Oberflächenbeschichters.

Wenn es mit der Wunschausbildung überhaupt nicht klappt und auch keine Alternative in Sicht ist, empfiehlt Ute Ackerschott "Praktika, um mögliche Arbeitsgebiete kennenzulernen." Ein neuer Trend sei es, sich sozial oder für die Umwelt zu engagieren: "Dieses Engagement wird von Arbeitgebern wohlwollend in Lebensläufen beachtet. Gründe, sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) zu entscheiden, gibt es viele", glaubt Ackerschott.

Einsatzstellen sind in den unterschiedlichsten Bereichen möglich: in Krankenhäusern, Altenpflegeeinrichtungen, Kindertagesstätten, Kultur, Sport, Garten- und Landschaftsbau, Begegnungsstätten, im Zivil- und Katastrophenschutz, Tier-, Natur- und Umweltschutz und in der Kirche. Innerhalb dieser Bereiche kann jeder seine Tätigkeitsschwerpunkte selber wählen. Wer sich also mit dem sozial-betreuerischen oder pflegerischen Bereich mit Kindern, Jugendlichen, Migranten, Kranken, Menschen mit Behinderung und Senioren nicht anfreunden kann, kann sich auch in der Hauswirtschaft, in Büro und Verwaltung oder Handwerk aktiv zeigen.

Die Schüler des doppelten Abiturjahrganges nehmen den anderen Schulabgängern offenbar nicht die Lehrstellen weg: "Wir haben in diesem Jahr fast genauso viele Jugendliche bei uns gemeldet wie im letzten Jahr. Wir gehen davon aus, dass sich die Abiturienten hauptsächlich zum Studium orientieren."

(RP)
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