Erkrath: 525 Jahre St. Sebastianus Schützen

Erkrath : 525 Jahre St. Sebastianus Schützen

Den Festvortrag im Pfarrsaal Kreuzstraße hält Prälat Erich Läufer, Ehrendomherr an der hohen Domkirche zu Köln.Der Referent stellt fest: "Die Kirche befindet sich in einem Umbruch, wie sie ihn seit mehr als 2000 Jahren nicht erlebt hat"

Auf 525 Jahre kann die Schützenbruderschaft St. Sebastianus zurückblicken. Im Jubeljahr feiert man deshalb besonders gerne – auch das Christkönigsfest, das die wahre Königsherrschaft Christi betont. Dazu lud der Vorstand um Dr. Thomas Kirchhoff nach einer Heiligen Messe in der katholischen Kirche St. Johannes der Täufer Prälat Erich Läufer ein. Der Ehrendomherr an der hohen Domkirche zu Köln ist ehemaliger Chefredakteur der Kirchenzeitung.

Im Pfarrsaal Kreuzstraße referierte er zum Thema "Zeigt draußen, was Ihr drinnen glaubt – Warum wir wieder über den Glauben reden müssen". "Die Kirche befindet sich in einem Umbruch, wie sie ihn seit mehr als 2000 Jahren nicht erlebt hat", stimmte Läufer die Vertreter der Bruderschaft ein. Dafür gebe es plausible Gründe. Die wachsende Globalisierung führe einerseits zu einer Orientierungslosigkeit und Unsicherheit bisher ungekannten Ausmaßes, andererseits zur Etablierung kulturfremder Religionen in Deutschland. "Es gibt kaum noch eine mittelständische Stadt ohne Moschee", sagte Läufer mit skeptischem Blick auf die Ausbreitung des Islam, "während wir Katholiken eine Kirche nach der anderen schließen müssen."

Den Ernst der Lage belegte er mit Zahlen: Fanden nach Kriegsende noch 60 Prozent der Deutschen regelmäßig den Weg in die Kirche, seien es heute nur noch 16 Prozent. Doch welche Lösungsmöglichkeiten kommen in Betracht? "Die katholische Kirche braucht wieder ein vorzeigbares Gesicht", formulierte Läufer. Den vier häufigsten Kritikpunkten an der Institution – die Einstellung zur Sexualität, die strengen Regeln des Zölibats, die Rolle der Frauen und der römische Zentralismus – erteilte Läufer eine Absage. "Wir müssen uns wieder auf das konzentrieren, was uns wirklich bewegt." Der persönliche Glaube und die Sünde zählten dem Prälat nach dazu. Zum Schluss listete er vier Punkte auf, die ihn an die katholische Kirche fesseln: "Sie ist verantwortlich für meinen Glauben, sie bietet Gemeinschaft und das Sakrament der Eucharistie und sie ist eine Kirche der Heiligen."

Biotope des Glaubens

In den schweren Zeiten sei es unabdingbar, dass die Kirche wieder missionarische Funktionen aufnimmt. Die Rolle von "kleinen Biotopen des Glaubens" – so auch die der Bruderschaft St. Sebastianus – sei dabei nicht zu unterschätzen. Das Christkönigsfest rege im Zusammenhang damit zum Nachdenken über die eigene Persönlichkeit an. "Was kann ich mit dem, was mir zur Verfügung steht, tun?", regte Läufer als Fragestellung an. Führe diese Überlegung zu positiven Ergebnissen, könne aus dem Umbruch ein Aufbruch werden.

(RP)
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