Mettmann: 33 Testfragen vor der Einbürgerung

Mettmann : 33 Testfragen vor der Einbürgerung

Politik, Geschichte und das Leben in Deutschland sind Thema. Dazu müssen Ausländer einen Sprachtest bestehen.

Sie hat es geschafft, da ist sich Abigail Figueroa sicher, als sie in den Aufenthaltsraum der Volkshochschule zurückkommt — auch wenn sie das offizielle Ergebnis erst in einigen Wochen in den Händen halten wird. "Was wählt der Bundesrat? Wie sieht die Flagge von Nordrhein-Westfalen aus?" Auf mehr als 300 solcher Fragen musste sich Abigail Figueroa vorbereiten, um den Einbürgerungstest zu bestehen. 33 Fragen zu Politik, Geschichte und dem Leben in Deutschland werden dann im Test tatsächlich gestellt — ähnlich der Führerscheinprüfung.

"Ich habe in den vergangenen Monaten etwa eine Stunde am Tag gelernt", erzählt sie. Ausländer, die den Einbürgerungstest und einen Sprachtest bestehen, haben die ersten Hürden überwunden, um später die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen zu können. Das wird bei Figueroa allerdings noch eine Weile dauern, denn dafür muss sie noch einige Jahre in Deutschland leben. "Ich bin erst vor einem Jahr und drei Monaten aus Nicaragua nach Deutschland gekommen", erzählt sie. Ihr jetziger Mann habe in ihrem Heimatland gearbeitet.

Die beiden verliebten sich — und blieben zunächst in Mittelamerika. "Dann ist mein Mann allerdings krank geworden und brauchte eine Transplantation. Die Lebensverhältnisse und eben auch die Krankenhäuser sind mit Deutschland nicht vergleichbar. Deswegen sind wir nach Deutschland gegangen", erzählt sie. Sie kannte Deutschland nur von einem Besuch in Berlin.

"Ich bin Psychologin und habe für eine Hilfsorganisation gearbeitet, die sich um Frauen kümmert, die Opfer von sexueller Gewalt geworden sind. In Berlin habe ich mich mit deutschen Kolleginnen zum Austausch getroffen", sagt sie. Damals wusste sie noch nicht, dass Deutschland ihre neue Heimat werden würde. Nun lebt sie mit ihrem Mann und ihrem 16-jährigen Sohn in Hilden. Bei der Beschäftigung mit den Test-Fragen sei ihr erst wirklich aufgefallen, wie viele Rechte die deutschen Bürger haben. "Besonders die Situation der Frauen ist in Nicaragua viel schlechter."

Auch Yanetsy Capote ist der Liebe wegen nach Deutschland gekommen. Ihr Mann André Daße ist mitgekommen zum Einbürgerungstest und stolz darauf, wie viel seine Frau in den vergangenen zwei Jahren geleistet hat. "Den Sprachtest hat sie mit der Note 'Sehr gut' bestanden und auch viel für den Einbürgerungstest geübt." Seit sechs Jahren sind die beiden verheiratet.

"Ich bin so oft wie möglich nach Kuba geflogen, eine Ehe auf 14-Tage-Basis ist eben nicht das Wahre.". Mittlerweile ist Yanetsy Capote in Deutschland zu Hause, die beide haben einen kleinen Sohn. Der wächst nun mit zwei Sprachen auf. "Ich spreche Spanisch mit ihm, mein Mann Deutsch", erklärt die Kubanerin.

Die Sprache lernen — das musste der türkischstämmige Gökhan Gül nicht mehr. Er ist in Deutschland geboren und aufgewachsen und will nun auch die Staatsangehörigkeit annehmen. Für ihn hieß es in den vergangenen Wochen, dreifach zu büffeln: "Für die Schule, den Führerschein und den Einbürgerungstest."

Er hat keinen VHS-Integrationskursus besucht, sondern mit Hilfe des Internets gelernt. Seine ältere Schwester, Belgin Yildiz, hat ihn dabei unterstützt. Sie hat bereits einen deutschen Pass. "Allerdings habe ich den bekommen, bevor es den Test gab." Deswegen sei es für sie auch interessant gewesen, den Stoff, den sie in der Schule gelernt hat, mit ihrem Bruder noch mal zu wiederholen.

(arm)