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Erkrath: 130 öffnen ihre privaten Gärten

Erkrath : 130 öffnen ihre privaten Gärten

Gartenbesitzer im Rheinland machen mit beim Tag der offenen Gartenpforte. Im Kreis Mettmann geben 17 Privatleute Einblick in ihr Reich mit Blumen, Bäumen, Beeten, Sträuchern und vielen kleinen Geheimnissen.

Bewundernd schreiten Hermann und Marie-Luise Weyersberg die Beete ab, in denen üppige Pfingstrosen blühen, Salate ihre Köpfe aus der Erde strecken und große Mohnblumen ihre Kelche geöffnet haben. "Wir sehen hier viele Pflanzen, die wir selbst auch haben. Der Mohn ist bei uns allerdings noch längst nicht so weit", sagt Marie-Luise Weyersberg. Sie nutzt gemeinsam mit ihrem Mann jedes Jahr die Gelegenheit, am Tag der offenen Gartenpforte nicht nur den Blick über den Zaun zu wagen, sondern durch fremde Blumenrabatten zu schlendern und Anregungen für das eigene Grundstück zu sammeln.

Pfingstrosen noch von Großmutter

Den Garten von Pfarrer Günter Ernst besuchen sie besonders gerne. "Er hat das so schön nach altem Muster gestaltet, mit diesem Rondell in der Mitte. Das zeigt, dass er ein großer Liebhaber ist und sich viel Mühe macht", sagt Hermann Weyersberg. Ihn reizt die Vielfalt besonders, die sich in dem idyllischen Garten zu entdecken lässt. Eingerahmt von einer stattlichen Hainbuchen-Hecke und unterteilt von gepflegten Kieswegen, kultiviert Günter Ernst Nutz- und Zierpflanzen. "Es sind hier die typischen Blumen versammelt, die früher in ländlichen Gärten standen. Die Pfingstrosen sind beispielsweise noch von meiner Großmutter. Sie sind mehr als 50 Jahre alt, standen zwischenzeitlich bei meinen Eltern im Garten und wachsen nun bei mir", erzählt der katholische Pfarrer.

Als er vor 13 Jahren in das historische Fachwerkhaus im Schatten der Kirchenmauern einzog, blickte er aus den Fenstern in einen dichten Fichtenwald. "Mit einem Geweih über der Tür hätte es auch ein Forsthaus sein können", berichtet Günter Ernst lächelnd. Er ließ das botanische Erbe seines Vorvorgängers der Säge zum Opfer fallen und legte zusammen mit einem Landschaftsgärtner von Buchsbaum eingefasste Beete, Wege und das Rondell im Zentrum an. "Etwas Ähnliches muss es hier auch schon einmal gegeben haben, denn als der Boden abgetragen war, kamen darunter schräge Ziegelsteine zum Vorschein, mit denen einst Beete eingefasst waren."

Den leidenschaftlichen Gärtner fasziniert besonders der Kontrast zwischen dem wuchernden Grün der Pflanzen und den klaren Linien, die Hecken und Wege vorgeben. Fast seine gesamte knapp bemessene Freizeit verbringt er bei seinen Blumen. "Wenn ich hier vor mich hinhacke, kann ich entspannen."

Die Gelegenheit, den Garten Eden vom Liegestuhl aus zu genießen, gönnt er sich nur selten. Eher lässt er sich seine Leidenschaft auf der Zunge zergehen. Brennnesseln, Giersch, Pastinake, Rote Beete, Erbsen und Erdbeeren wandern bei ihm frisch vom Beet auf den Teller. "Alles in Bio-Qualität", sagt Günter Ernst. Seine Haushälterin verarbeitet Äpfel, Pflaumen und Renekloden zu Kuchen und Kompott.

(RP)