Meerbusch: Zugunglück gilt als größter Einsatz für die Wehr

Meerbusch: Zugunglück gilt als größter Einsatz für die Wehr

Normalerweise rückt die Feuerwehr zu rund 500 Einsätzen im Jahr aus. Im vergangenen Jahr aber gab es häufiger Alarm: Insgesamt wurden die Wehrleute 539 Mal gerufen. Dabei waren es meistens technische Hilfeleistungen, bei denen sie aktiv werden mussten.

Unfälle, Brände, Sturm, Wasserrohrbrüche oder einfach mal ein Fehlalarm: Die Gründe, warum in Meerbusch die 112 gewählt wird, sind unterschiedlich. Im vergangenen Jahr wurde die Feuerwehr häufiger als sonst alarmiert. Ein herausragender Einsatz wurde am 5. Dezember bewältigt: das Zugunglück von Osterath mit mehr als 40 Verletzten.

Während ein normales Jahr, in dem kein Unwetter - wie der Pfingststurm Ela - die Zahlen nach oben schnellen lässt, die Meerbuscher Wehr knapp 500 Mal fordert, mussten im vergangenen Jahr 539 Einsätze absolviert werden.

In den Vorjahren waren es jeweils 493 Einsätze in 2016 (+ 9 Prozent) und 464 Einsätze in 2015 (+16 Prozent). Dass die Einsatz-Zahlen in dem Jahr steigen würden, zeichnete sich bereits Mitte des Jahres ab, als die Einsatzzahlen bei 270, also ziemlich genau bei der Hälfte lagen.

Die Hälfte aller Feuerwehreinsätze in Meerbusch fällt laut Statistik in den Bereich der Technischen Hilfeleistung. Dazu zählen Einsätze nach Verkehrsunfällen mit oder ohne verletzte Personen, Sturm- oder Wassereinsätze bei denen zum Beispiel Keller vollgelaufen sind, Einsätze mit Tieren oder Ölspuren im öffentlichen Verkehrsraum, die schnell beseitigt werden müssen. Aber auch dann, wenn Personen in ihren Wohnungen eingeschlossen sind, dringende medizinische Hilfe benötigen und nicht mehr eigenständig die Türe öffnen können, rückt die Feuerwehr aus und ermöglicht mit Spezialwerkzeug den raschen Zugang für den Rettungsdienst. Weiterhin fallen jegliche Einsätze mit gefährlichen Stoffen und Gütern im biologischen oder chemischen Umfeld in diesen Bereich.

Zwei sehr ähnliche Verkehrsunfälle ereigneten sich an fast gleicher Stelle im Jahr 2017 kurz vor der Ortseinfahrt in Bösinghoven. Jeweils im August und Dezember prallte ein Kleinwagen gegen einen Baum. In beiden Fällen wurden der Fahrer bzw. die Fahrerin in Folge des Unfalls schwer verletzt und mussten von der Feuerwehr aus dem Fahrzeug mit hydraulischem Rettungsgerät gerettet werden.

Am 5. Dezember ereignete sich abends ein besonderer Einsatz im Bereich der technischen Hilfe, als auf der Bahnstrecke zwischen Neuss und Osterath ein Personenzug auf einen Güterzug auffuhr. "Dieser Einsatz entwickelte sich schnell zu einem der größten Einsätze, den die Freiwillige Feuerwehr Meerbusch je zu bewältigen hatte", so Sprecher Frank Mohr in seiner Jahresbilanz. Nie zuvor habe die Wehr innerhalb kurzer Zeit 173 betroffene und verletzte Personen aus einem realen Einsatzereignis heraus betreut, versorgt und behandelt, niemals zuvor seien rund 400 Einsatzkräfte aus unterschiedlichen Hilfsorganisationen und Städten auf Meerbuscher Stadtgebiet tätig gewesen, und niemals zuvor war das regionale, überregionale, nationale und internationale Medieninteresse so groß wie bei diesem Einsatz.

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Die klassischen Brandeinsätze liegen bei 20 Prozent aller Einsätze und sind, im Vergleich zu den Vorjahren, etwas rückläufig. Überwiegend handelt es sich dabei aber um Brände, bei denen die Feuerwehr mit relativ wenig Wasser, in der Regel einem Feuerlöscher oder einem Strahlrohr, den Brand unter Kontrolle bekommt. Immer häufiger können die Wehrleute auch beobachten, dass Heimrauchmelder bereits in der Entstehungsphase eines Brandes korrekt auslösen, die Bewohner rechtzeitig gewarnt werden und dann selber erfolgreich erste Löschversuch einleiten. Die alarmierte Feuerwehr kontrolliert dann nur den betroffenen Bereich, muss aber oft nicht mehr löschen, weil die Flammen schon erstickt wurden.

Zu den größeren Brandeinsätzen zählten im Januar ein Zimmerbrand an der Bösinghovener Straße und ein Kellerbrand an der Düsseldorfer Straße in Büderich, bei dem vier Personen über die Drehleiter von den Balkonen gerettet werden mussten, weil der Fluchtweg durch das Treppenhaus durch den dichten Qualm versperrt war. Ende Mai brannte eine Wohnung an der Krefelder Straße in Osterath komplett aus. Personen waren dabei nicht zu Schaden gekommen, die Feuerwehr verhinderte, dass sich der Brand weiter ausbreitete. Im Juni beschädigte ein Brand im Dachgeschoss ein Einfamilienhaus in Ilverich. Ein Feuerwehrmann verletzte sich bei den Löscharbeiten an der Hand. In Lank brannte Ende August an der Uerdinger Straße ein Anbau an einem Wohnhaus im Vollbrand, bei dem eine Person verletzt wurde. Die Feuerwehr musste mittels einer Rettungssäge eine Öffnung in ein Garagentor schneiden, bevor sie Zugang zum Brandherd erhielt.

Bei 29 Prozent aller Einsätze im vergangenen Jahr handelte es sich um Fehlalarme. "Vielfach stellte sich die Situation bei Eintreffen der Feuerwehr nicht als so kritisch heraus wie sie beim Absetzen des Notrufs 112 erschien", so der Feuerwehr-Sprecher.

Ein weiterer Blick auf die statistischen Zahlen zeigt, dass die 17 hauptamtlichen Kräfte der Feuerwehr Meerbusch an den meisten Einsätzen beteiligt sind (325 Alarmierungen). Dies liegt zum einen daran, dass sie werktags viele kleinere Einsätze ohne Hilfe der Freiwilligen abarbeiten können und zum anderen, weil sie mit der Drehleiter ein Fahrzeug besetzen, dass zu vielen Einsätzen automatisch mit ausrückt.

136 Einsätze musste der Löschzug Büderich im Jahr 2017 abarbeiten. Der Löschzug Lank wurde 130 Mal alarmiert, der Löschzug Osterath rückte zu 126 Einsätzen aus. Zu 58 Einsätzen wurde der Löschzug Strümp gerufen. Die Löschgruppe Langst-Kierst war 29 mal im Einsatz, die Kollegen aus Nierst 25 und aus Bösinghoven 21 mal. Mit 84 Einsätzen sind die Dienstage und Mittwoche die einsatzreichsten Wochentage. Verteilt auf die Uhrzeit wurde die Feuerwehr zwischen 15 und 18 Uhr am häufigsten in Anspruch genommen.

(RP)
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