Radverkehrskonzept für Meerbusch: Zu wenig Platz für Radler in Osterath

Radverkehrskonzept für Meerbusch: Zu wenig Platz für Radler in Osterath

Cornel Rady fährt am liebsten mit dem Fahrrad durch seinen Ortsteil. Dabei ärgert er sich jedoch über Ampelschaltungen und die Verkehrsführung. Er findet: Für Radfahrer wird im Straßenverkehr zu wenig getan. Das sehen andere RP-Leser auch so.

Kurze Wege legt Cornel Rady am liebsten auf zwei Rädern zurück. Sein Fahrrad hat er dafür professionell ausgestattet: sogar mit Rückspiegel. Doch an vielen Stellen müssen Radfahrer in Osterath gegenüber Autofahrern zurückstecken, findet Rady. Ein Graus sind dem Radfahrer aus Bovert zum Beispiel Anforderungsampeln, sogenannte Bettelampeln. Rady ärgert sich darüber, dass er absteigen, den Radweg frei machen und den Signalknopf drücken muss, um Grün zu bekommen, obwohl der parallele Pkw-Verkehr bei Grün ungehindert rollt. Er bekommt aber zunächst kein Grün, sondern muss abwarten, bis der Querverkehr Grün hatte und eine neue Phase ihm den Weg frei macht. So ergeht es ihm beispielsweise, wenn er die Meerbuscher Straße überqueren will, um zum Discounter zu gelangen.

Mit diesem Ärger steht Rady nicht alleine da. Auch die Xantener Straße im Zentrum und am Ortsausgang von Strümp (Richtung Büderich) können Fußgänger und Radfahrer nur überqueren, wenn sie rechtzeitig den Knopf gedrückt haben. Sonst müssen sie die lange Grün-Phase der Autofahrer auf der Durchfahrtsstraße abwarten.

Drei Meter, 75 Zentimeter: Diesen Platz müssen sich Autofahrer und Fahrradfahrer beim Einfahren in den Kreisverkehr im neuen Ostaragebiet teilen. Das bedeutet: Einer muss warten. Foto: Tanja Karrasch

Dass es auch besser geht, beweist die Ampel am Ortsausgang Strümp Richtung Lank. Dort ist eine Automatik für Radfahrer und Fußgänger eingebaut. Ohne Anforderung erhält der Radfahrer auch kein Grün, wenn er die Strümper Straße Richtung Ostaragelände queren will, nicht einmal wenn lediglich der Linksabbiegerverkehr Grün hat.

Der passionierte Radfahrer aus Bovert hat zudem Probleme mit der Verkehrsführung im neuen Ostaragebiet, obwohl diese der gültigen Straßenverkehrsordnung entspricht. Wenn er dort in einen Kreisverkehr einbiegen will, fühlt er sich von den Autos, aber besonders von Bussen und Lastwagen gefährlich bedrängt. Diese müssen hinter dem Radfahrer bleiben, wenn dieser über die Straße in den Kreisverkehr geführt wird, aber kann man da sicher sein? Besonders PKW versuchen zu drängeln. "Bei größeren Autos kann das lebensgefährlich sein", sagt Rady.

An dieser Stelle am Winklerweg endet der Schutzstreifen, die Straße ist eng. Rady fürchtet, abgedrängt zu werden. Foto: Tanja Karrasch

Der Schutzstreifen für die Fahrradfahrer endet bereits kurz vor der Einfahrt in den Kreisverkehr. 3,75 Meter breit ist die Straße dort - eigentlich müssen Autofahrer 1,50 Meter Abstand zu Radfahrern halten. Das heißt: Fahren Auto- und Fahrradfahrer gleichzeitig auf den Kreisverkehr zu, muss einer warten.

Das neue Radverkehrskonzept der Stadt trifft keine Aussage über diesen Bereich, weil er gesetzeskonform angelegt wurde. Allerdings räumen die Gutachter grundsätzlich die Möglichkeit ein, einen ausreichend breiten Fußweg mit der Beschilderung "Radfahrer frei" zusätzlich zu dem Schutzstreifen auf der Straße zu versehen. So könnten weniger geübte Radfahrer eine Alternative erhalten, mit der sie sich sicherer fühlen. Doch auch jetzt schon sind viele Radfahrer zu sehen, die lieber auf dem Gehweg fahren, um den Kreisverkehr zu umgehen.

RP-Leser Jürgen-Raimund Beckord hat Anregungen für eine andere gefährliche Kreuzung: "Die Situation an der Xantener-/Schloss-/Osterather Straße ist nicht nur für Radfahrer sehr unübersichtlich. Kann man nicht den ganzen Bereich ohne Ampeln mit einem großen Kreisverkehr lösen? Der Platz ist vorhanden, die Radfahrer könnten mit einer gut markierten Furth geführt werden, und auch die Schüler wären weniger Gefahren ausgesetzt. Sogar dem Apfelparadies bzw. dem Verkehr dahin wäre geholfen, wenn die Ausfahrt nur noch in eine Richtung möglich wäre und man nur um den Kreis herumfahren muss, um die Richtung zu wechseln." RP-Leser Volker Krips bezieht sich auf den Leserbrief von Dieter Simon. Er sieht als besonders problematisch das Verhalten der Radfahrer auf dem Rheindeich in Langst-Kierst. Dort komme es minütlich zu den beschriebenen Vorkommnissen, wobei das Abdrängen der Fußgänger auf die Grünflächen am Deichhang besonders unfallträchtig sei. Sein Vorschlag: eine Kennzeichnungspflicht für Fahrräder einführen.

(kir/tak)