Protestler machten ihrem Ärger Luft : Dauer-Protest gegen den Konverter

Zur Info-Veranstaltung von Amprion in Neuss waren auch viele Meerbuscher Konverter-Gegner angereist. Sie alle machten ihrem Ärger vor allem über die schleppende Entscheidung immer wieder Luft.

Spannung lag am Donnerstagabend in der Luft. Diese ging aber nicht von Leitungen, sondern von den Zuhörern aus, die der Einladung des Übertragungsnetzbetreibers Amprion zum Dialog über den Konverter gefolgt sind. Als Vertreter für Amprion waren Joëlle Bouillon, Projektsprecherin, und Thorsten Mikschaitis, technischer Projektleiter, anwesend. Für die Bundesnetzagentur war Sven Serong vor Ort.

Schon vor Beginn der Ausführungen seitens Amprions tauschten sich die Gegner des Konverters untereinander aus. An den Wänden des Saals im Thomas-Morus-Haus Neuss waren Plakate angelehnt, die eine klare Aussage vertraten: „Wir wollen keinen Konverter“.

Unglaube und Ärger spiegelten sich während der Vorträge auf den Gesichtern der Zuhörer wider, das ein oder andere spöttische Lachen und Kopfschütteln war ebenfalls zu vernehmen. In der Fragerunde entlud sich die Spannung teilweise. Kritik und Zweifel an der Herangehensweise und Planung der Politik wurden mit Applaus bedacht. Bei Zwischenrufen und Kommentaren aus dem Zuschauerraum musste Moderator Frank Fligge immer mal wieder zur Ordnung rufen. Eine Zuschauerin bezeichnete die ganze Veranstaltung als „Augenwischerei“, während die Entscheidungen schon längst getroffen seien. Dem darauf folgenden Applaus war zu entnehmen, dass die Mehrheit der Anwesenden diese Meinung ebenfalls vertrat. Enttäuscht zeigten sich die Anwesenden über den Umstand, dass noch kein konkreter Entscheidungsträger über den letztendlichen Konverter-Standort genannt wurde.

Protest aus Osterath Das Anliegen der Meerbuscher Konverter-Gegner ist klar: „Keine großindustrielle Anlage in der Nähe von Wohngebieten.“ Der Konverter solle an einen Platz, der von Wohngebieten entfernt ist, so Kirsten Danes, Sprecherin der Initiative. Für die Mitglieder sei es nach wie vor unbegreiflich, dass dieses Thema „immer noch zur Diskussion stehe“. Seit sechs Jahren spricht sich die Gruppe gegen den Konverter aus. Der Konverter ist Teil einer Überarbeitung des Stromnetzes, das die erneuerbaren Energien aus dem Norden (Windparks Emden) und Süden (Solaranlagen Philippsburg) mit den konventionellen Kraftwerken verbindet.

Der aktuelle Stand Das Genehmigungsverfahren für den Konverter ist in zwei Schritte unterteilt. Derzeit befindet sich Amprion bei Schritt 1, genauer gesagt wurden alle benötigten Unterlagen, die die Planung betreffen, bei der Bundesfachplanung vorgelegt. Sie werden jetzt geprüft. Seitens Amprion wurden bis dahin nur Standortbereiche analysiert. Da es bei Vorlage der Unterlagen aber auf Details ankommt, wurden spezifische Standorte festgelegt. Diese Standorte wurden aufgrund von Gutachten und ihrer Eignung für den geplanten Bau ausgewählt. Lange Zeit galt Kaarst als bester Standort. Die dortige Zielausweisung der Kiesförderung stand dem Konverter allerdings entgegen. Als neuer, möglicher Standort ist nun Osterath angegeben worden.

Die Bedenken Fragen nach Lärmbelästigung, möglichen Gesundheitsrisiken durch magnetische oder elektrische Felder werden schon lange diskutiert und kamen auch am Donnerstagabend auf. Ebenso wurde die Notwendigkeit des Konverters hinterfragt. Technische Fragen konnten beantwortet werden. Bestimmte Grenzwerte, die im Gesetz festgelegt sind, was Lärm und elektrische/magnetische Felder betrifft, müssen von Amprion eingehalten werden. Bisherige Berechnungen zeigen, dass die Werte außerhalb der Anlage unbedenklich wären. Es gäbe im Gesetz allerdings keine Vorgabe zu einem Mindestabstand von Wohnbebauungen. Ein Punkt, der Anwohner fragen lässt, was das Schutzgut Mensch noch bedeutet. Familien seien extra ins Grüne gezogen und würden nun eine industrielle Anlage in direkter Umgebung gebaut bekommen. Fragen über und Kritik an der Politik ernteten bei den Gästen den größten Applaus.

Wie geht es weiter? Nach Paragraph 8 des Netzausbaubeschleunigungsgesetzes hat Amprion alle nötigen Unterlagen bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Diese werden nun auf Vollständigkeit geprüft, was laut Serong noch einige Wochen dauern kann. Im Anschluss daran soll es die Möglichkeit für Behörden und die Öffentlichkeit geben, die Unterlagen einzusehen. Gleichzeitig können Einwände erhoben und per Brief, Fax oder E-Mail an die Bundesnetzagentur kommuniziert werden, die die Einwände mit in ihre Planung einbeziehen. Nach allen Prüfungen wird eine Entscheidung über den Trassenkorridor gefällt. Die Entscheidung über den letztendlichen Konverter-Standort trifft entweder die Bezirksregierung oder die Bundesfachplanung. Die Prognose von Serong ist, dass die Offenlegung der Unterlagen im ersten oder zweiten Quartal 2019 stattfindet und eine Entscheidung der Bundesfachplanung nicht vor der zweiten Hälfte des kommenden Jahres vorliegen wird.

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