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Meerbusch: Woran Meerbuschs Einzelhandel leidet

Meerbusch : Woran Meerbuschs Einzelhandel leidet

"Auslaufmodell Einzelhandel?" hieß eine Diskussionsveranstaltung von Stadt, IHK und Einzelhandelsverband. Rund 60 Geschäftsleute erklärten, wo sie der Schuh drückt. Wieder ein Thema: die Olivenbaumposse in Lank

Die Diskussion war kaum eröffnet, da fiel auch schon das Stichwort: Olivenbäume auf dem Lanker Markt. Simona Liebner, seit September Inhaberin von "Fräulein" am Alten Markt, fragte nach, was da schiefgelaufen sei. Im Sommer hatte ein Unternehmer auf eigene Kosten Oliven- und andere Bäume auf dem Alten Markt aufgestellt; Ladenbesitzer und Besucher waren glücklich — aber die Stadt hatte den Abbau der Kübel verfügt.

Es habe da ein "Kommunikationsproblem" gegeben, erklärte Stadtsprecher Michael Gorgs. Grundsätzlich hätten die Kübel gegen die Gestaltungssatzung verstoßen. Und angemeldet war die gut gemeinte Aktion auch nicht. Die Folge: Der Unternehmer baute die Kübelpflanzen wieder ab; der Alte Markt sieht seither wieder trostloser aus.

"Wir müssen mehr miteinander reden", lautete denn auch das Credo von Wirtschaftsförderin Heike Reiß. André Haack von der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein gab den Tipp: "Das Stadtmarketing sollte vielleicht als geborenes Mitglied im Vorstand der Werbegemeinschaften sitzen." So sei eine enge Verzahnung garantiert.

Peter Achten, Vorsitzender des Einzelhandelsverbands NRW, hatte den Abend in der Mediothek mit einem Impulsreferat eröffnet. "Von der Kaufkraft her ist Meerbusch eine Insel der Glückseligen", sagte er. Im Schnitt habe jeder Meerbuscher 26 Prozent mehr Geld für den Konsum zur Verfügung als der Durchschnittsdeutsche.

Allerdings: Das Geld werde nur zu einem sehr geringen Teil in Meerbuscher Geschäften ausgegeben. "Das liegt an der Nähe zu sehr leistungsstarken Städten. Dort decken die Meerbuscher ihren langfristigen Bedarf", so Achten.

Und: Auch Meerbusch sei von einem tiefgreifenden Wandel im Einzelhandel betroffen. Der Umsatzanteil der nichtfilialisierten Fachhändler im Einzelhandel hat sich laut Achten innerhalb von 15 Jahren halbiert, während sich der der Discounter im selben Zeitraum nahezu verdoppelte. Sie setzen mittlerweile mehr um als die Fachhändler. "Außerdem ist der Flächenbedarf im Einzelhandel deutlich gestiegen." Problem: Die Mieten sind im selben Zeitraum nicht entsprechend gesunken.

Dass die Hauseigentümer ein Problem sind, schilderte die Betreiberin des Post-Shops in Lank. Ihr Mietvertrag läuft aus, sie würde gern in die leerstehende Schlecker-Filiale ziehen, sagte Bärbel Grube. "Das Ladenlokal gehört einem Immobilienfonds. Der verlangt aber 4500 Euro Miete und lässt nicht mit sich handeln. Dann wird der Laden ewig leer stehen." Wirtschaftsförderin Heike Reiß erklärte, sie werde das Unternehmen anschreiben.

"Aber grundsätzlich sind der Stadt da die Hände gebunden." Werner Jung, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Büderich, sagte: "Da, wo Ladenlokale leer stehen, sind aus meiner Sicht grundsätzlich die Mieten zu hoch." Er kritisierte aber auch die Einzelhändler: "Kunden in meinem Friseursalon beschweren sich über die Öffnungszeiten der Meerbuscher Geschäfte. Mittwochnachmittags zu schließen, ist heute nicht mehr zeitgemäß." Nora Timmerbeil vom Rheinischen Einzelhandels- und Dienstleistungsverband riet zur Absprache mit den direkten Nachbarn: "Kommunizieren Sie verlässliche Öffnungszeiten nach außen."

Und das Sorgenkind Osterath? Jorg Kroes, Vorsitzender der Werbegemeinschaft, erklärte: "Von den sechs Leerständen ist einer Geschichte, ein weiterer wird bis Jahresende vorbei sein." Und die IHK kündigte an, im Frühjahr eine Kundenbefragung in Osterath zu starten.

(RP/rl)