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Wie eine Yogalehrerin aus Meerbusch den Lockdown erlebt

Corona-Alltag in Meerbusch : „Für mich ist das kein Lockdown light“

Dani Siggel musste ihr Studio Soulmateyoga ein zweites Mal schließen, dabei hatte sie sich vom ersten Lockdown im Frühjahr gerade wieder erholt. Oft fühlt sie sich erschöpft. Yoga hilft ihr dabei, sich wieder zu entspannen.

Vom ersten Lockdown habe ich mich bis heute nicht richtig erholt. Und jetzt ein zweiter Lockdown „light“. Doch „light“ ist er für mich nicht, weil ich mir aus geschäftlicher Sicht die Frage stellen muss: Schaffe ich das nochmal oder ist es danach vorbei?

Im März war es die Chance, ein paar Dinge in Angriff zu nehmen, die ich immer vor mir hergeschoben habe. Zum Beispiel einen Youtube-Kanal — dafür hatte ich endlich die nötige Zeit. Ins Blaue und ohne aufwendige Technik drehte ich ein paar Yogavideos für Zuhause. Das klappte gut. Aber ich merkte, dass Licht und Ton verbesserungswürdig waren. Ich habe mich viel mit dem Thema beschäftigt, mir Tutorials angeguckt und Infos eingeholt, wie man günstig mit kleinem Equipment aus Kamera, Stativ, Leuchten und Apps bessere Videos drehen kann. Jetzt kann ich Filme schneiden, nachvertonen und habe ein kleines Filmstudio zuhause.

Trotzdem ersetzt es den Präsenzunterricht nicht, was mir meine Yogis nach dem ersten Lockdown bestätigt haben, als sie zurück ins Studio auf die Matte kamen. Ich habe zu Beginn des ersten Lockdowns nicht gemerkt, dass ich Kunden verliere. Doch eine signifikante Anzahl kam nicht wieder, aus Angst vor der Krankheit oder wegen finanzieller Probleme. Auch im Sommer wurde es nicht besser. Nach so einer schweren Phase ein geschäftlicher Einschnitt. Im September war ich nach dem Sommerloch wieder zuversichtlich: Viele Interessierte kamen zu Probestunden und blieben. Ich habe mich gefreut, dass es wieder aufwärts ging. Und dann kommt ein zweiter Lockdown. Natürlich steht das Filmstudio, mittlerweile gibt es auch eine Online-Mediathek, in der wir aufgezeichnete Live-Streams unserer Yogaklassen hochladen.

Trotzdem merke ich, dass ich müde bin. Oft sitze ich erschöpft am Schreibtisch und weiß nicht, wieso. Aber so geht es nicht nur mir, auch die Yogis sind erschöpft von den wiederkehrenden negativen Nachrichten. Einige haben mir gesagt, dass sie Angst vor Vereinsamung haben. Wieder andere haben Angst, ihre Freiheit zu verlieren. Jede Angst hat ihre Berechtigung. Angst als Warnsignal ist völlig in Ordnung. Aber als Dauerzustand ist das nicht gesund. Du wachst mit den Corona-Nachrichten auf und schläfst damit ein. Daher empfehle ich meinen Yogis ein bis zwei medienfreie Tage pro Woche einzulegen. Keine Zeitung, kein Radio, kein TV, keine sozialen Medien und auch mal das Handy ausschalten. Eine Runde im Wald oder am Rhein spazieren gehen, ein Buch lesen oder Musik hören hilft, um den Geist runterzufahren.

Und natürlich hilft in dieser Zeit Yoga. Man ist nur mit sich selbst beschäftigt und denkt an nichts anderes. Es geht um Entspannung und Anspannung, aber auch darum, den eigenen Körper auszurichten. Und wenn der Körper frei und beweglich ist, ist es auch der Geist.