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Meerbusch: Werkschau: "Die Natur der Kunst" im Atelier Klär-Werk

Meerbusch : Werkschau: "Die Natur der Kunst" im Atelier Klär-Werk

Die Künstlerin Ulrike Holthöfer zeigt am Wochenende ihre Arbeiten im Bezug zur Natur.

Mit dem Ausstellungstitel "Die Natur der Kunst" drückt Ulrike Holthöfer das Bedürfnis aus, "sich immer wieder mit dem Schönen der Natur, mit besonderen Orten, Plätzen oder Objekten und auch Materialien auseinanderzusetzen, die eine neue Wahrnehmung eröffnen".

Kein Wunder also, dass ihr gesamtes künstlerisches Werk von der Natur und ihren Prozessen geprägt ist. Damit wird es zur Hommage auch an das Umfeld, in dem die Querdenkerin lebt und arbeitet. Am Wochenende kann aus nächster Nähe beurteilt werden, wie sehr Aquarelle, einzigartige Drucke, Objekte und Skulpturen von dieser Ideologie geprägt sind. Denn Ulrike Holthöfer lädt in die urbane Praxis und damit ins Atelier Klär-Werk Lörick ein. Hier, auf dem Gelände an der Stadtgrenze zu Düsseldorf, an einer mit Linden bepflanzten Stichstraße, möchte die "Hüterin der Natur" zeigen, "was sich hinter meiner Kunst verbirgt".

Und das ist eine ganze Menge: Auf zwei Etagen präsentieren sich in unterschiedlichen Techniken erstellte Arbeiten und von einer enormen Aussagen-Flut bestimmte Projekte. Leichte Aquarelle zum Beispiel, geprägt von fremdkulturellen oder heimischen Einflüssen, nutzen eine abgestimmte Farbsprache, um als eine Art Tagebuch an Reiseziele zu erinnern. Darunter sind auch Niederrhein-Motive. "Ich möchte Menschen aus der Region ansprechen. Schließlich gibt es hier viele Dinge zu entdecken", erklärt die 53-Jährige.

Die Titel ihrer Arbeiten hält sie gern im Hintergrund: "Jeder soll sich eine eigene Geschichte dazu ausdenken. Die Assoziationen sind unterschiedlich, und so gelingt es, andere Betrachtungsweisen zu eröffnen. Das ist ein spannender Prozess." Ganz eigenständige Gedanken können sich die Atelier-Besucher unter anderem über die Fragmente eines Janus-Kopfes machen. Aus "eigenhändig abgegrabenem" Ton, dick modelliert, hat das Material der Belastung nicht standgehalten und ist zersprungen. Jetzt stecken die Teile gemeinsam mit Skizzen des ursprünglichen Kopfes – zwei Gesichter als Symbol der Zwiespältigkeit – in einem großen Glasbehälter: "Ich kann mich nicht davon trennen", sagt Ulrike Holthöfer.

Zwiespältig betrachtet die Künstlerin auch noch immer die Baumaßnahmen, die auf dem Areal des Klärwerks Lörick vorgenommen wurden. Seit 1989 fühlt sie sich diesem Gelände verbunden und hat versucht, einer Neuanlegung der Regenrückhaltebecken mit kreativ-künstlerischem Esprit entgegenzutreten. Das dafür erstellte "Denk-Modell" zeigt einen fiktiven Bebauungsplan und ist ebenfalls im Atelier zu sehen. Dort können die Besucher auch das "Rollbild" bestaunen, auf kräftiger, gerollter Windfang-Folie aufgebrachte Spezialfarben. Spezielle, selbst gemischte Druckfarben kommen ebenfalls für die bis zu 210 mal 105 Zentimeter großen Drucke – alles Unikate – in unterschiedlicher Farbgebung zum Einsatz.

Aber Ulrike Holthöfer zeigt nicht nur diese Endprodukte: Sie bleibt konsequent und damit ihrer Strategie der Wiederverwertung treu, zeigt auch den Druckstock, herausgefallene Holzelemente mit angewalzten Spezialfarben. Damit werden aus bereits verwendeten Materialien eigenständige Kunstwerke. Und Wegwerfmaterialien bekommen eine neue Bedeutung. Ein ausrangierter Blumenkasten dient als Halter für ein Objekt aus Nägeln und Schläuchen, die bunten eingedrehten Müllsäcke werden zur Deko-Kunst und der "Drahtglastisch" mit Beinen aus Tonmatten ist ein wahrer Hingucker.

Ein wenig versteckt dagegen kuscheln sich in einer der Atelierecken Tannen aneinander. Sie durften das beim vorweihnachtlichen Einkauf in einer Röhre übergestreifte Kleid behalten. Es ist konserviert, mit einer speziellen Wachsschicht überzogen. Ebenfalls in unmittelbarer Nähe zueinander bilden Temperabilder, Skulpturen, Holzschnitte, Reliefbilder und Fantasiegebilde aus wiederverwerteten und experimentellen Materialien ein Gesamtkunstwerk. Es trägt unwiderruflich die Handschrift von Ulrike Holthöfer, belegt die komplexe Ausbildung der Rinke-Meisterschülerin.

Verständlich, dass die Resonanz der Kunst-Szenerie beachtlich und eine Reihe der Arbeiten in der Pinakothek München, in diversen Privatsammlungen oder Museen zu sehen ist. Die Ausnahme-Künstlerin selbst beurteilt ihr Werk so: "Ein Teil meiner Arbeiten reflektiert unsere Lebensbedingungen, hinterfragt Vorhandenes oder erforscht neue Möglichkeiten."

(RP)