Meerbusch: Wenn Erwachsene Laufen lernen

Meerbusch : Wenn Erwachsene Laufen lernen

In Strümp treffen sich seit Anfang des Jahres motivierte Hobby-Läufer zum gemeinsamen Training. Der Schwächste bestimmt das Tempo der Gruppe. Nach 15 Wochen soll jeder Teilnehmer 30 Minuten am Stück laufen können

Es ist ein kalter und verregneter Samstag, den die meisten wohl am liebsten auf der Couch unter ihrer Lieblingsdecke verbringen würden. Es gibt eigentlich kaum einen Grund, das Haus zu verlassen und noch weniger Gründe, sich sportlich zu betätigen. Doch in Strümp trotzt seit Jahresbeginn die "el chico lauflerngruppe" regelmäßig dieser Einstellung — so auch heute.

"Selbst wenn das Wetter mal nicht so schön ist, überlegt man eigentlich nicht lange", sagt die 46-Jährige Petra Hartmann-Bresgen, die der Gruppe seit dem ersten Treffen am 7. Januar angehört. "Hier wird die Qual zur Freude." Durchschnittlich 25 motivierte Jogger und Joggerinnen machen unter Anleitung von Lauftrainer Wolfgang Eirmbter ein bis zwei Mal pro Woche die Felder und Straßen Strümps unsicher.

Unter dem Motto "Laufen lernen" gründete sich die Gruppe mit dem Ziel, jeden Teilnehmer innerhalb von 15 Wochen Stück für Stück an einen durchgehenden 30-Minuten-Lauf heranzuführen. Obwohl der jüngste Teilnehmer erst 14 Jahre alt und der Älteste bereits 76 ist, harmoniert die Gruppe hervorragend. "Wir richten uns immer nach dem Schwächsten", erklärt Wolfgang Eirmbter. "Es wird Rücksicht auf jeden genommen. Das funktioniert auch sehr gut, da wir eine sehr disziplinierte Truppe sind."

Für Thomas Funke war gerade der disziplinierte Zusammenhalt eines der Hauptargumente, warum er regelmäßig an den Trainingseinheiten teilnimmt. "Früher war ich eher ein Schönwetter-Sportler, der alle zwei bis drei Wochen mal joggen gegangen ist", gesteht der 44-Jährige. "Die Verbindlichkeit, die diese Gruppe mit sich bringt und die damit auch einhergehenden sozialen Kontakte, sind eine super Motivation, ständig am Ball zu bleiben." Thomas Funke spürt dank der intensiven Einheiten bereits einen deutlichen Trainingsfortschritt - und steht damit nicht allein da. "Während der ersten Einheiten haben meine Oberschenkel ziemlich gebrannt", erzählt Petra Hartmann-Bresgen. "Mittlerweile merkt man aber die deutliche Entwicklung. Die Seitenstiche lassen nach, und darüber hinaus kann ich nun auch viel besser einschlafen."

Teilnehmerin Pamela Edwards erläutert einen weiteren positiven Aspekt der "Lauflerngruppe": "Es ist ein perfekter Ausgleich zu einer stressigen Arbeitswoche", so die 39-Jährige. "Ich habe fünf Jahre lang keinen Sport gemacht und hier nun endlich etwas Passendes gefunden. Es nimmt nicht viel Zeit in Anspruch, aber dennoch spürt man, dass man viel mehr Energie für den Tag hat."

Für die alleinerziehende Mutter bietet sich zudem der Vorteil, dass ihre Tochter während des halbstündigen Laufs im Vereinsheim des SSV Strümp betreut wird. "So kann ich zweimal pro Woche Sport treiben und weiß meine Tochter gleichzeitig in guten Händen." Wolfgang Eirmbter sorgt als Trainer nicht nur für die nötige Disziplin in der Gruppe, sondern lässt sich auch immer wieder neue Routen einfallen, um die Teilnehmer bei Laune zu halten. So kann man auf die Läufer unter anderem bei der "Kleinen Friedhofsrunde" oder gar bei der "Wildschweinrunde" antreffen. Für Eirmbter geht es allerdings nicht um die zurückgelegten Kilometer seiner Teilnehmer. "Wichtig ist das Verhältnis zwischen den Lauf- und Gehphasen", sagt der erfahrene Marathonläufer. "Das steigern wir in den nächsten Wochen kontinuierlich, sodass am Ende alle problemlos 30 Minuten joggen können."

Wenn es Mitte April dann soweit sein soll, ist bereits geplant, eine weitere Laufgruppe zu gründen, die bis zu 60 Minuten zurücklegt. Dieser möchten sich auch Petra Hartmann-Bresgen, Thomas Funke und Pamela Edwards anschließen.

(RP)
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