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Meerbusch: Wenn die Schuldenfalle droht

Meerbusch : Wenn die Schuldenfalle droht

3049 Meerbuscher sind überschuldet. Doch nur etwa jeder Zwölfte nimmt die Hilfe der Schuldnerberatung in Anspruch. Erste Ziele der Experten vom SKM sind Sicherung von Arbeitsstelle und Wohnung.

gilt zwar als "Stadt der Millionäre", doch auch in vermeintlich besseren Wohngegenden ist Verschuldung ein gravierendes Problem. Laut Creditreform sind 3049 erwachsene Meerbuscher überschuldet. Das heißt, rund 6,8 Prozent der Bürger haben sich so viel Geld (im Vergleich zu ihrem Einkommen) geliehen, dass sie sich aus eigener Kraft auch in Zukunft nicht mehr aus der Schuldenfalle werden befreien können. Uwe Simons, Schuldnerberater des SKM, gab dem Sozialausschuss jetzt einen Überblick. Den höchsten Anteil an überschuldeten Menschen gibt es demnach in Büderich (1341, 7,45 Prozent der Bevölkerung), in Lank-Latum sind es 141 (sieben Prozent), in Osterath 657 (6,6).

Über Schulden zu reden, gilt bei dieser Gruppe meist als Tabu. Statistisch findet nur jeder Zwölfte den Weg zur Schuldnerberatung. "Es kostet Überwindung über Geld und letztlich auch eigenes Versagen zu sprechen", so Simons. Im vergangenen Jahr hat der SKM 238 Bürger beraten. 55 Meerbuscher beantragten ein Insolvenzverfahren.

Als Hauptgründe für Überschuldung nennt Simons Langzeitarbeitslosigkeit, Beschäftigung im Niedriglohnsektor, den Verlust der Übersicht bei Krediten – und gescheiterte Selbstständigkeit. Er wehrt sich gegen das Vorurteil, fast nur Menschen mit geringer Bildung würden in der Schuldenfalle landen. Bei den Betroffenen in Meerbusch hätten 30 Prozent zumindest Realschulabschluss oder Abitur: "Fehlende Finanzkompetenz ist nie allein Ursache. In der Regel kommt eine Kombination von Faktoren zusammen", sagt Simons.

Erste Ziele der Schuldnerberatung seien die Existenzsicherung, der Erhalt des Arbeitsplatzes und der Stopp der weiteren Schuldenaufnahme. Finanzlöcher dürften nicht einfach durch neue Schulden gestopft werden: Die Betroffenen müssten die Übersicht behalten und lernen, dass Kosten für Miete und Strom Priorität haben. Es sei durchaus möglich, diverse andere Zahlungen zunächst einzustellen. Meist gehe es auch "nur" um fünf bis zehn Gläubiger.

Der SKM engagiert sich auch in der Präventionsarbeit. An der Hauptschule Osterath startet gerade ein Wahlkursus "Knete, Krisen, Kompetenzen", an dem sich 18 Schüler der 9. und 10. Klassen beteiligen. In 36 Schulstunden geht es unter anderem um "versteckte Kosten", etwa in Handyverträgen, die man erst sieht, wenn man auch das Kleingedruckte liest – oder wenn die erste Rechnung kommt.

(RP)