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Meerbusch: Weiter Wirbel um Hugo Recken

Meerbusch : Weiter Wirbel um Hugo Recken

Der Ältestenrat der Stadt fordert, dass die Diskussion um die Tätigkeit des ehemaligen Osterather Bürgermeisters im Dritten Reich "versachlicht" wird. Das Gremium hat Stadtarchivar Michael Regenbrecht eingeschaltet.

Die Diskussion über die Rolle des ehemaligen Osterather Bürgermeisters Hugo Recken während der NS-Zeit soll "versachlicht werden". Das ist der Wille des Ältestenrates. "Alles, was an Quellen und Zeitzeugenaussagen zur Person Reckens noch verfügbar ist, muss gründlich gesichtet werden", sagt Bürgermeister Dieter Spindler. Erst danach sei es möglich, ein qualifiziertes und differenziertes Urteil abzugeben. Auch die eingehenden Zeitzeugenaussagen müssten überprüft werden. Auslöser der Beratung im Ältestenrat sind Aussagen des Historikers Lothar Klouten, die die UWG dazu bewegt hatten, eine Umbenennung der Hugo-Recken-Straße in Osterath zu fordern.

Alte Dokumente sind bestellt

Stadtarchivar Michael Regenbrecht, so der Wunsch des Ältestenrates, soll nun wissenschaftlich belegte Erkenntnisse über Recken zusammentragen. Auch soll Reckens Entnazifizierungsakte nochmals eingesehen werden. Ein Teil der alten Dokumente wird nach Angaben des Landesarchivs konserviert und ist deshalb derzeit nicht greifbar, aber bereits vorbestellt.

Regenbrecht prüft die Vorwürfe gegen Recken eingehend. Dabei hat er die NS-Dokumentationsstelle Krefeld und die NS-Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf zu Rate gezogen. "Recken war weder örtlicher Chef der Gestapo, noch ihr Mitarbeiter", sagt Ingrid Schupeta, die im Auftrag der Dokumentationsstelle Untersuchungen über die Gestapo geführt hat. Die Polizeibehörde in Osterath sei Hilfsorgan und Weisungsempfänger der Staatspolizeileitstelle Düsseldorf gewesen. Demzufolge habe Recken "niemanden deportieren lassen können".

Inzwischen haben sich bei Regenbrecht mehrere Zeitzeugen gemeldet. Sie erinnern sich vor allem an das öffentliche Engagement Reckens als Katholik in der Gemeinde St. Nikolaus. So habe Recken Probleme mit der Düsseldorfer Gauleitung bekommen, weil seine Tochter die katholische Marienschule in Krefeld besuchte. Recken aber beharrte darauf. Über Wochen, so ein Zeuge, habe Recken am schwarzen Brett des Rathauses einen wütenden Artikel des NS-Hetzblatts "Stürmer" aushängen müssen, der ihn als Teilnehmer der Fronleichnamsprozession zeigte. Berichtet wurde zudem von der deutsch-jüdischen Familie Langenbach aus Osterath, die Hugo Recken vor dem Zugriff der NS-Schergen warnte und in ihrem Versteck heimlich mit Lebensmittelkarten versorgen ließ.

Weitere Vorwürfe Kloutens halten laut Regenbrecht einer wissenschaftlichen Prüfung nicht stand. Beispiele stellt er auf Wunsch des Ältestenrates zusammen. Regenbrechts Eindruck: "Die bisher vorliegenden Ergebnisse weisen ihn nicht als Widerstandskämpfer aus. Er war als Bürgermeister durchaus konform, er war aber auch ein Mensch mit christlichen Prinzipien, nach denen er handelte."

(RP)