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Meerbusch: Weiter Streit ums Nachtlicht

Meerbusch : Weiter Streit ums Nachtlicht

Am Antrag der UWG, das Nachtlicht in Meerbusch wieder durchgehend leuchten zu lassen, entzündete sich eine emotional geführte Diskussion im Rat. Der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt.

Energiesparen kontra Sicherheitsgefühl: Die UWG will die Bürger der Stadt "nicht länger im Dunkeln stehen lassen". Sie forderte in einem Rats-Antrag die "sofortige Aufhebung der Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung". Doch kaum ein Thema wird so emotional diskutiert, wie das an Wochentagen zwischen 1.30 und vier Uhr in den Wohnstraßen abgeschaltete Nachtlicht.

Während die UWG mit einer durchgehenden Beleuchtung Brandstiftern und Vandalen ihre Untaten erschweren will, wiegelt CDU-Fraktions-Chef Werner Damblon ab. Schließlich würden Einbrüche überwiegend bei Licht begangen. Und die Brandstifter seinen nur an Wochenenden unterwegs, also dann, wenn das Licht ohnehin durchgehend die Straßen erleuchte.

Es gebe keine objektiven Zusammenhang zwischen der Zahl der Straftaten und dem abgeschalteten Nachtlicht. "Nur einzelne Bürger" würden ein durchgehendes Nachtlicht wünschen. Deshalb sei die bisherige Praxis, die Laternen stundenweise abzuschalten und damit Geld zu sparen, sinnvoll.

"Man kann das Thema nicht objektiv und rational diskutieren", brachte es SPD-Ratsherr Jürgen Eimer auf den Punkt. Man sollte die "Ängste der Bürger ernst nehmen." Anders als seine Genossin Ilse Niederdellmann stimmte er dem Antrag zu. "Auch strenge CDU-Wähler und -Mitglieder sehen das so", fügt er an die Adresse der Christdemokraten hinzu. Er ermunterte diese, "über ihren eigenen Schatten zu springen".

Doch das kann und will der erste Bürger der Stadt Dieter Spindler (CDU) nicht. Er ist auch bei der Podiumsdiskussion der Rheinischen Post zum Thema Sicherheit keine Millimeter von seiner Position abgerückt, was ihm den Beifall von Gesine Wellhausen (FDP) einbrachte. Was Eimer als Grund für die dauerhafte Beleuchtung in der Stadt gilt, nämlich dass Menschen auch 15 Jahre nach einem Einbruch noch Angst haben, werten die CDU-Sprecher als "verjährt".

Jürgen Peters, Fraktions-Chef der Grünen, lehnte den Antrag auch ab. Allerdings nicht, weil er die Angst der Menschen nicht ernst nehmen will, sondern weil die UWG in ihrer Antragsbegründung eher Ängste schüre, als versuche, sie zu vermeiden.

"Die Begründung ist schwachsinnig", fand er deutliche Worte. Es sei "festzustellen, dass ohne Beleuchtung eine ernsthafte Gefährdung von Leben, Gesundheit oder sonstigen Sachgütern besteht, die sie nicht beherrschen können", heißt es in der UWG-Begründung. Carsten Herlitz, CDU-Parteichef warf der UWG vor, mit den Ängsten zu spielen. Die UWG rede Meerbusch schlecht, polemisierte er. Leo Jürgens (CDU) verstieg sich in seiner Argumentation für die Nachtabschaltung sogar so weit, die Atomkatstrophe in Japan als Argument fürs Stromsparen heranzuziehen.

"Wir sind nicht pleite"

"Wie ,grün' die CDU" geworden sei, wunderte sich daraufhin Wolfgang Müller vom Zentrum. Er findet allerdings, dass "wir nicht pleite sind", und deshalb könne der Stadt das Sicherheitsgefühl der Bürger durchaus 50 000 Euro wert sein. Der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt. Dafür stimmten Daniela Glasmacher (UWG), Eimer, Hans-Günter Focken und Müller.

(RP)