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Meerbusch: WBM in der Swap-Falle

Meerbusch : WBM in der Swap-Falle

Die Wirtschaftsbetriebe Meerbusch haben für das vergangene Jahr Rückstellungen für drohende Verluste aus spekulativen Finanzgeschäften in Höhe von mehr als 400 000 Euro gebildet.

Zinswetten, Swap-Geschäfte, Derivathandel — das sind Signalwörter der weltweiten Finanzkrise. Manche Städte wie Neuss oder Hückelhoven und auch kommunale Gesellschaften haben sich an den Folgen schwer verhoben. Sie mussten auf Kosten ihrer Bürger und Steuerzahler für zum Teil erhebliche Verluste geradestehen. Einige klagten auch gegen große Geldinstitute wie Deutsche Bank und Westdeutsche Landesbank wegen unzureichender Beratung auf Schadensersatz.

Dass auch die Wirtschaftsbetriebe Meerbusch (WBM) sich auf das unsichere Terrain der Finanzmärkte begeben haben, erfuhren die Mitglieder des Stadtrats hinter verschlossenen Türen im nicht öffentlichen Teil der Sitzung in Strümp.

Ob diese Informationen aus dem Geschäftsbericht 2010 allerdings in den Fokus des Interesses geraten sind, darf angesichts des insgesamt guten Geschäftsergebnisses bezweifelt werden. 1,29 Millionen Euro des Gewinns fließen in den Stadtsäckel, 860 000 Euro gehen an den 40-prozentigen Mitgesellschafter Rhenag.

Unter anderem haben die WBM 407 000 Euro in die Rücklage für "drohende Verluste aus Swap-Geschäften" gebucht. Die WBM haben im Jahr 2004 gleichsam eine Wette auf die Entwicklung des Zinses am Kapitalmarkt abgeschlossen. Geschäftsführer Albert Lopez erklärt im Gespräch den Hintergrund. "Wir müssen jetzt für unsere Kredite einen höheren Zins zahlen, als auf dem Markt nötig wäre", erklärte er. Der Vertrag laufe bis 2018. Sollte sich der Zins in den kommenden Jahren nach oben entwickeln, reduziere sich der Verlust für die WBM. Details wollte Lopez nicht verraten.

Für den Handel mit Öl-Derivaten hat der Aufsichtsrat mit Bürgermeister Dieter Spindler als Vorsitzendem der Geschäftsführung grünes Licht erteilt. Im Prinzip handelt es sich dabei um eine Wette auf die Entwicklung des Ölpreises. "Dieses Geschäft stellt allerdings kein Risiko dar, sondern soll im Gegenteil Risiken, die sich aus der Ölpreisentwicklung ergeben, auffangen", heißt es im Lagebericht.

Bislang seien die WBM auf dem Sektor noch nicht tätig geworden. Aktuell sei der Ölpreis auf einem hohen Niveau, so dass die Geschäftsführung noch keine Öl-Kontrakte gekauft habe, heißt es weiter.

Swaps und Derivate zählen zu den komplizierten bis hoch komplizierten Produkten der Finanzmärkte, berichtet Heiner Cloesges, Experte beim Bund der Steuerzahler. Mancher Berater habe selbst nicht verstanden, was er da verkaufe. Vor allem in kleineren Städten und kommunalen Gesellschaften sei oft nicht der nötige Sachverstand für solche Aktivitäten vorhanden.

Deshalb sollten sie sich im Vorfeld gut beraten lassen und für den Fall, dass das Kind bereits in den Brunnen gefallen sei, prüfen, ob sie auf Schadensersatz klagen könnten, empfiehlt Cloesges. Grundsätzlich rate der Bund der Steuerzahler eher, die "Finger von solchen Geschäften zu lassen".

(RP)