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Meerbusch: Was tun mit dem Nazi-Fresko?

Meerbusch : Was tun mit dem Nazi-Fresko?

Ein zehn Quadratmeter großes Fresko aus der NS-Zeit ist unter dem Putz einer Wand des Verwaltungsbaus am Schütz-Platz noch vorhanden. Das stellten Restauratoren fest. Nun wird über eine teilweise Freilegung diskutiert.

Büderich hat eine großflächige Nazi-Altlast. Das ist — überspitzt formuliert — das Ergebnis einer Untersuchung von Restauratoren des Amtes für Denkmalpflege im Verwaltungsbau am Dr.-Franz-Schütz-Platz. Behutsam haben die Experten an einer Stelle drei Farbschichten von der linken Wand des Foyers entfernt.

Unter dem Nachkriegs-Anstrich stießen die Restauratoren auf verhältnismäßig gut erhaltene Teile eines zehn Quadratmeter großen Propaganda-Wandbilds aus der NS-Zeit. Es zeigt eine reich illustrierte Karte von Büderich mit diversen Anspielungen auf das Dritte Reich — etwa eine wehende Hakenkreuzfahne vor der heutigen Mauritiusschule oder ein Hitlerjunge mit Fanfare vor dem Verwaltungsgebäude, das damals der HJ als Quartier diente. "Farbpigemente und Putz des Gemäldes sind stabil. Die jüngeren Anstriche lassen sich relativ gut vom Fresko trennen", so die Restauratoren.

Dass die "Nazi-Kunst" noch vorhanden ist, hatte die ehrenamtliche Denkmalbeauftragte Dr. Rosemarie Vogelsang bereits in den Meerbuscher Geschichtsheften vermutet.

Kleinen Abschnitt freilegen?

Nun wird sich der Kulturausschuss am Dienstag kommender (17 Uhr, Dr.-Franz-Schütz-Platz) Gedenken über den Umgang mit dem übertünchten braunen Erbe machen. Der Sitzungssaal liegt in der Etage über der Fresko-Wand.

Die Verwaltung hat schon Stellung bezogen — sie empfiehlt, "aus konservatorischen Gründen" auf eine komplette Freilegung zu verzichten. Das scheint bislang auch Mehrheitsmeinung der Parteien zu sein. Möglich wäre aus Sicht der Verwaltung zumindest "die Freilegung eines kleineren Ausschnitts", um so die Existenz des Freskos zu dokumentieren. Vorschläge, welche Stelle(n) durch einen Restaurator sichtbar gemacht werden könnten, macht die Verwaltung nicht.

2008 hatte die Politik das Verwaltungsgebäude angesichts seiner HJ-Vergangenheit bereits zum Mahnmal erklärt. Der Beschluss blieb bis heute allerdings folgenlos. Der Fresko-Fund könnte die Mahnmal-Diskussion neu anfachen.

Denkmalbeauftragte Dr. Vogelsang hat vorgeschlagen, das Fresko "mit entsprechenden Erläuterungen für den Geschichtsunterricht in Oberklassen zu nutzen". Schüler könnten den Wandbild-Besuch etwa mit einem Abstecher zum Mahnmal im Alten Büdericher Kirchturm ergänzen, wo die Namen der Weltkriegs-Gefallenen verewigt sind — darunter auch frühere Büdericher HJ-Angehörige.

Dass es durchaus möglich ist, NS-Wandbilder in "historisch belasteten" Bauten freizulegen und als Mahnung zu zeigen — ohne zum Wallfahrtsort von Neonazis zu werden — beweist übrigens seit einigen Jahren die Stadt Wuppertal im dortigen Polizeipräsidium.

(RP)