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Meerbusch: Warum Ameisen Wege lieben

Meerbusch : Warum Ameisen Wege lieben

Das Klima unter den Steinen auf dem Radweg ist für die Insekten ideal. Ein Ameisenexperte vermutet, dass an der falschen Stelle Geld gespart wurde

Ameisen lieben feucht-warmes Klima. "Unter Steinen, die auch nachts Hitze abgeben fühlen sie sich besonders wohl", sagt Roger Bähr. Der Vorsitzender der Deutschen Ameisenschutzwarte, Landesverband NRW, kennt sich mit den Insekten gut aus und kann sich gut vorstellen, warum sich offenbar ganze Völker auf dem Radweg direkt auf dem Meerbuscher Rheindeich so ausgesprochen wohl fühlen. "Der Radweg liegt ja mitten in der Natur, rechts und links ist ja sonst nichts", sagt Bähr.

Wie unsere Zeitung exklusiv berichtete, haben ganze Ameisenvölker an vielen Stellen auf dem rund 2,2 Kilometer langen Radweg unter den Steinen Sand abgetragen. An beiden Seiten sind so auf einem etwa 30 Zentimeter langen Abschnitt die Steine locker. In den Sandhaufen siedelt sich Gras oder Unkraut an. Die ersten Radfahrer beschweren sich bereits über Unebenheiten auf dem erst 2002 neu errichteten Belag.

"Ich vermute mal, dass dort an der falschen Stelle Geld gespart wurde", sagt Bähr. Heute würde man beim Radwegebau Split verwenden. Da seien selbst die kleinsten Körner größer als die Fugen. Folge: Die Ameisen könnten den Split nicht mehr aus den Fugen heraustragen und so etwas könnte nicht passieren.

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Hat die Stadt eine Chance, die Ameisenvölker vom Radweg zu vertreiben? "Nein", sagt Roger Bähr. Für Bürger, deren Terrassenfliesen auf ähnliche Art und Weise durch Ameisen gelockert werden, hat er allerdings einen Tipp parat.

Einfach einen Blumentopf wässern, Zeitungspapier hineinstopfen, etwas Marmelade und Zucker hinein und dann 24 Stunden umgekehrt auf eine Fuge stellen. In kürzester Zeit ziehe das Volk in den Topf ein und könne dann schnell woanders hingebracht werden. "Aber selbst mit dieser Methode hat man höchstens ein Jahr Ruhe", sagt Bähr.

Vertreter von Radfahrverbänden halten eh nicht viel von gepflasterten Radwegen. Die meisten seien auch ohne Ameisen nach kurzer Zeit in einem schlechten Zustand. Besser wäre für Radfahrer und auch für Roller-Skater eine durchgehende Asphaltschicht.

Die Stadt Meerbusch wird den Radweg weiter beobachten. Sollten die Schäden in den nächsten Jahren immer größer werden, ist eine Sanierung unumgänglich. Wolfgang Trapp von der Abteilung Straßenbau rechnet mit einer sechsstelligen Summe, die dann auf die Stadt zukäme.

(RP/ac/ila/anch)