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Meerbusch: Vorwurf: Halter quält seine Hunde

Meerbusch : Vorwurf: Halter quält seine Hunde

Tagelang soll ein Hundebesitzer seine Tiere ohne Wasser und Futter im Zwinger gelassen haben. Nachdem der Meerbuscher Tierschutzverein auf den Fall aufmerksam machte, schritt jetzt das Veterinäramt ein

Am Freitagnachmittag fuhr die Leiterin des Kreisveterinäramtes zu einem rund 200 Quadratmeter großen Brachgelände an der Stadtgrenze zwischen Büderich und Neuss — und hinterließ an einem Hundezwinger einen Zettel: "Bitte melden Sie sich dringend bei mir." Denn am Donnerstag hatte sich der Meerbuscher Tierschutzverein an Annette Kern gewandt. Er wirft dem Hundehalter vor, die Tiere über Tage unversorgt im Zwinger gelassen zu haben.

In diesem Verschlag werden die Hunde gehalten. Vor vier Jahren musste die Polizei anrücken, weil dort Bussarde eingesperrt waren. Foto: Thomas Nachtigal

"Durch einen Trick wurde festgestellt, dass der Besitzer sich seit jetzt über drei Tagen nicht um seine Hunde gekümmert hat", sagt Thomas Nachtigal. Das war der Stand am Freitag. Die Tierschützer präparierten die einzige Eingangstür zu den Zwingern, um festzustellen, ob sie geöffnet wurde." Weitere zwei Tage vergingen nun, bis sich der Hundehalter am Sonntag bei der Leiterin des Veterinäramts meldete. Ende dieser Woche soll es nun einen Ortstermin geben. Denn: "Es gibt noch Klärungsbedarf mit dem Hundehalter", sagt Harald Vieten, Pressesprecher des Rhein-Kreises Neuss.

Bei seinen drei Tieren handelt es sich um Kangals — eine türkische Hundezüchtung. Der Kangal stammt möglicherweise von Herdenschutzhunden der Nomaden ab, die zwischen 10 000 vor Christus bis ins 14. Jahrhundert von Zentralasien nach Anatolien zogen. Es wird vermutet, dass es ihn in seiner heutigen Form seit dem 12. Jahrhundert gibt und er seitdem zum Schutz der Schafherden insbesondere in der Region um Sivas und in Ostanatolien eingesetzt wird. "Die Hunde haben statt Spielzeug Plastikmüll, sie stehen im Matsch und haben keinen Freilauf", sagt Nachtigal. "Dadurch zeigen sie schon Verhaltensauffälligkeiten, die bei Hunden von dem Kaliber alles andere als lustig werden können." Kangals haben eine Widerristhöhe von bis zu 76 Zentimetern.

"Der ältere Rüde ist verletzt, die Verletzung wird nicht behandelt", betont Nachtigal, der gemeinsam mit einer Tierärztin die Hunde in Augenschein nahm. Mitglieder des Tierschutzvereins haben den Hunden Wasser und Futter gegeben. "Die Hunde waren so ausgehungert, dass es einen Kampf um das Fressen gab und ein starker Rüde eine unterlegene Hündin gar nicht ans Futter ließ", berichtet Nachtigal. "Mit viel Geduld hat es am Ende doch geklappt. Wie schwer es ist, drei Hunde über einen Zaun hinweg zu füttern, kann sich jeder vorstellen."

Nach Angaben des Kreisveterinäramts wurden weder bei einem Besuch der Hunde am Freitag noch am Samstagabend Verhaltensauffälligkeiten bei den Tieren festgestellt. "Dem Hundehalter werden wohl einige Dinge ans Herz gelegt, die er einhalten muss", sagt Vieten.

Der Ort der Zwinger ist dem Kreisveterinäramt nicht unbekannt. Vor gut vier Jahren sollen dortgesetzeswidrig Greifvögel auf dem Gelände eingesperrt gewesen sein. Nach einer Beschwerde beim Kreisveterinäramt bat dessen Leiterin die Polizei um Amtshilfe. In einer gemeinsamen Aktion wurden zwei Bussarde befreit. Die beiden geschlechtsreifen Vögel seien durch die Gefangenschaft in einem viel zu kleinen Käfig erheblich verletzt worden, berichtete damals Norbert Wolf, Leiter der Auffangstation für Wildtiere in Grevenbroich. Die Bussarde hatten im Draht die Krallen abgebrochen und zum Teil auch ausgerissen.

Der Halter erhielt damals eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz.

(RP/EW)