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Vortrag von Meerbuscher Extremsportler Philip Mes

Erfahrungen am Limit : Philip Mes sucht die Herausforderung

„Sehnsuchtsort Berge – Erfahrungen am Limit“: Unter diesem Motto berichtete der Büdericher in der Galerie im Alten Küsterhaus von seinem Leben als Extremsportler. Im Alltag hingegen braucht der Familienvater keine Extreme.

Philip Mes liebt die Extreme. Er bestieg den Kilimandscharo bei minus 30 Grad, lief mehr als 120 Kilometer um den Mont-Blanc und bezwang die Streif in Kitzbühel nicht nur unzählige Male auf Skiern abwärts. Sondern er ist die Strecke beim „Vertical-Up“ als Läufer auch gleich wieder hoch gerannt – in einer Dreiviertelstunde. „Mir macht es einfach Spaß, die eigenen Grenzen zu überwinden Ein menschlicher Geist und Körper sind im Stande viel mehr zu leisten als die meisten denken“, sagt der 42-Jährige.

Grundstein für seine Sportleidenschaft war der Bundeswehrdienst bei den Gebirgsjägern in Berchtesgaden. Dort lernte er als Leistungssportler der Skizug-Einheit diszipliniert, strukturiert und professionell zu trainieren. Eine Alpenüberquerung im Jahre 1997 entfachte endgültig das Feuer in ihm. „Damals wurde ich in den Bann der faszinierenden Bergwelt gezogen. Ich wollte unbedingt mehr solcher Abenteuer erleben“, berichtet Mes. 2009 bewältigte er den Jungfrau-Bergmarathon von Interlaken bis hoch zum Fuß der Eiger Nordwand – es war der Startschuss einer Karriere als Extremsportler.

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„Es war atemberaubend“, erinnert sich Mes, der als Kind die Mauritiusschule und später das Mataré-Gymnasium in Büderich besuchte. Nach seiner Zeit beim Bund schloss er ein Studium zum Grafikdesigner ab, bestand später auch noch den Master in Industriedesign. Doch seine Leidenschaft war immer der Sport. Mes machte sich selbstständig. Als Personal Trainer begleitet er in Büderich inzwischen alle, die ihre Fitness verbessern oder beim Laufen vorankommen wollen.

Für seine Kunden dient er selbst als bestes Vorbild. Die normale Marathonstrecke über rund 42 Kilometer war Mes schon bald nicht mehr genug. Er suchte größere Herausforderungen. 2011 absolvierte er in der Schweiz erstmals einen so genannten Ultra-Trail. Beim Berglauf von Verbier waren 300 Läufer gestartet, als einer von 160 erreichte Mes das Ziel. Er absolvierte die 110 Kilometer und 7000 Meter Höhenunterschied in weniger als 29 Stunden. Danach nahm er gleich dreimal am Ultra Trail Du Mont-Blanc, eine Art Olymp unter den Ultra-Trail-Läufen, teil. Die Route führt die Teilnehmer einmal rund um den höchsten Berg der Alpen – 168 Kilometer mit knapp 10.000 positiven und ebenso vielen negativen Höhenmetern. „So ein Erlebnis ist überwältigend. Alles wird auf ein Minimum reduziert: Atmen, Essen, Trinken und Wärmen – das ist es. Eine solche Erfahrung lässt jedes Alltagsproblem danach viel kleiner erscheinen“, sagt Mes.

Die Teilnahme am Verdon Canyon Xtreme 2014 in Frankreich war ein weiteres solches Erlebnis. „Wir hatten tagsüber 40 Grad und wurden in der Nacht von einem Temperatursturz bis knapp über dem Gefrierpunkt überrascht. Es gab sintflutartige Regenfälle und golfballgroße Hagelkörner. Später sind bei einem Gewitter die Blitze direkt neben uns eingeschlagen. In dieser aufgeladenen Atmosphäre standen einem die Haare buchstäblich zu Berge“, sagt Mes, der damals nach 32 Stunden und 111 bewältigten Kilometern völlig erschöpft ins Ziel kam.

Die Vorbereitung auf die Ultra Trails dauert teilweise bis zu sechs Monate. „Gutes Training ist die Grundlage für alles. Durch meinen Beruf als Personal Trainer kann ich meine Form halten. Aber natürlich muss ich mich darüber hinaus spezifisch auf die Wettkämpfe vorbereiten“, sagt Mes. Dass er das hier am flachen Niederrhein machen kann, überrascht ein wenig. Doch mit Läufen durch Sand oder Geröll am Rhein, Treppenläufen an der Kunstakademie Düsseldorf oder entgegengesetzt auf einer Rolltreppe, findet er auch rund um Meerbusch Möglichkeiten, die Berge zu simulieren. „Was den sportlichen Bereich angeht, brauche ich im Alltag keine Extreme“, sagt der Familienvater Mes, der sich in seinem Privatleben liebevoll um seine beiden Töchter Felicia (6) und Juliana (2) kümmert.

In Zukunft möchte Mes statt organisierter Wettkämpfe wie den Ultra Trails mehr eigene Projekte initiieren und meistern. Konkrete Pläne hat er noch nicht, doch eins steht fest: Die Begeisterung für den Extremsport wird den Büdericher nie loslassen. „Wenn bei mir einmal das Feuer für eine Sache brennt, dann gibt es kein Halten mehr.“