Vortrag über Friedhofskultur in Meerbusch

Meerbuscher Kulturkreis : Geschichtsbücher aus Stein

Ludwig Petry referierte über Friedhofskultur. Auf der Homepage des Meerbuscher Kulturkreises kann sich jeder Bürger informieren.

Auf Entdeckungsreise zu gehen, sich umzusehen oder auch auf einer Bank zu meditieren – das lohnt sich auf Meerbuschs Friedhöfen. Wa­rum das so ist, erklärt Ludwig Petry: „Friedhöfe und ihre Grabsteine und -denkmäler erzählen ganz viel über die Geschichte der einzelnen Stadtteile. Sie sind gewissermaßen ein Blättern im steinernen Geschichtsbuch.“ Petry, Mitglied des Ortskuratoriums Meerbusch der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Vorstandsmitglied des Meerbuscher Kulturkreises (MKK) und Heimatkreis-Mitglied, hat aber auch ein Ansinnen: „Wir müssen diese Beerdigungskultur festhalten.“

Das sogenannte Prinzengrab des Grafen von Hallberg auf dem Lanker Friedhof. Foto: Ludwig Petry

Vor diesem Hintergrund hat sich seit 2014 eine Heimatkreis-Projektgruppe, bestehend aus Elisabeth Janssen, Margot Klütsch, Regina Spoerle, Lothar Beseler, Michael Hündgen, Mike Kunze und Falk Neefken unter der Leitung von Ludwig Petry, des Themas historischer Grabsteine und -anlagen angenommen. Ergebnisse aus den Recherchen trug Petry jetzt in der Teloy-Mühle vor. Technische Unterstützung bekam er von Joachim Beeck; initiiert hatte den Vortrag der Heimatkreis.

Die Vorderseite des alten Grabsteins „Arma Christi“  vom ehemaligen Kirchhof in Lank. Foto: Theo Haefs, Heimatkreis Lank

Mit Unterstützung des Kulturausschusses der Stadt entschlossen sich die Beteiligten, diese Bestandsaufnahme digital für alle Bürger zugänglich zu machen. Wie das aussieht, wurde erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert. Georg Neuhausen, Arbeitskreisleiter des Heimatkreises und Kulturausschuss-Vorsitzender, sagte einleitend: „Wir widmen uns heute einem selten besprochenen Thema und stellen fest, dass wir auf Friedhöfen die Geschichte wiederfinden.“

Die Rückseite des Grabsteins „Arma Christi“. Foto: Theo Haefs, Heimatkreis Lank

Anhand der auf der Website des Meerbuscher Kulturkreises allgemein zugänglichen, bebilderten Seiten gab Ludwig Petry einen beeindruckenden Überblick über die geschichtlichen Aussagen der Steine und Denkmäler auf allen Meerbuscher Friedhöfen: „Einige sind unter Denkmalschutz gestellt.“ Aber Petry empfiehlt weitere Unterschutzstellungen und auch bürgerliches Engagement: „Grabmalpatenschaften könnten dafür sorgen, dass diese geschichtlichen Zeugen zumindest gesäubert und gepflegt würden.“

Einzelne Fotos, wie beispielsweise der von Theo Haefs vom Heimatkreis kniend fotografierte zugewachsene Grabstein „Arma Christi“ vom ehemaligen Kirchhof in Lank oder das sogenannte Prinzengrab des Grafen von Hallberg auf dem Lanker Friedhof, die Hochkreuz-Galerie in Büderich oder die sogenannte Magistrale in Osterath beweisen, „dass eine Unterschutzstellung einzelner Steine oder eine Bereichsunterschutzstellung größerer Flächen dringend notwendig“ wäre. „Das ist keine Forderung, aber eine Empfehlung, um dieses Kulturgut zu erhalten“, mahnt Ludwig Petry.

Mit Beispielen von Grabsteinen von oder für Künstler – wie dem von Karl Franke in Strümp, dem Grabstein von Will Brüll für seine Ehefrau Anneliese Holte in Osterath oder einem Stein als eine der ersten Arbeiten von Erwin Heerich in Büderich – machte er deutlich, welche Bedeutung dieses Friedhofs-Kulturgut für Meerbusch hat. Detaillierte Angaben unter www.meerbuscher-kulturkreis.de, Stichwort Kunst & Kultur, Grabmale und Mahnmale in Meerbusch.

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