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Vor einem Jahr wurde die Anakonda in einem Meerbuscher See gefunden

Erinnerung an den Schlangenfund vor einem Jahr : Vor einem Jahr tauchte die Gelbe Anakonda auf

Freitag ist es genau ein Jahr her, dass Meerbusch durch den Fund einer Schlange in die Schlagzeilen kam.

Es war der 23. August 2018, fast 17 Uhr. In der Redaktion lagen wir mit dr Ausgabe für den nächsten Tag in den letzten Zügen, waren schon fast im Feierabend, als plötzlich mein Telefon klingelt. „Ich wollt’ mal fragen, warum Sie mich nicht anrufen“ hieß es am anderen Ende. „Warum sollte ich Sie anrufen, liebe Frau Mielke-Westerlage?“ „Na, wegen der Schlange.“ Erstaunte Rückfrage: „Wegen welcher Schlange?“ Antwort: „Ja, wir haben doch eine Schlange am Latumer See.“ Was? So schnell hatte ich noch nie einen Hörer aufgelegt, so schnell saß ich noch nie im Auto – und so schnell war ich noch nie am Latumer See.

 Der Hobbyangler Eugen Janischweski hatte in dem Latumer See die Gelbe Anakonda entdeckt.
Der Hobbyangler Eugen Janischweski hatte in dem Latumer See die Gelbe Anakonda entdeckt. Foto: dpa/Marius Becker

Dort war erst mal nichts. Ein profanes Hinweisschild, das ich laut meinem Handy-Eintrag um 17.21 Uhr schoss. Der See war gesperrt, Tina Scholten und Arnd Römmler vom Ordnungsamt liefen umher und hielten Ausschau nach der Schlange beziehungsweise nach Spaziergängern, die sie warnen wollten. Die Schlange ließ sich natürlich nicht blicken. Ich zurück ins Büro, hab geschrieben, Kollegin Tanja Karrasch hatte mittlerweile mit Aquazoo und Feuerwehr gesprochen. Der erste Artikel ging blitzschnell online und stand am nächsten Tag in der Zeitung. Wir freuten uns: Wir waren die ersten, die über diesen Schlangenfund im Sommerloch berichteten. Journalistenglück (dank der Informantin natürlich).

 Sebastian Schreiner  hat die Schlange letztendlich gefangen.
Sebastian Schreiner  hat die Schlange letztendlich gefangen. Foto: Anke Kronemeyer
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Was danach passierte, haute dann alle um: Meerbusch, der Latumer See, die Schlange – wir waren fast weltweit in den Medien. Am Tag drauf tummelten sich 30 Teams von Hörfunk- und Fernsehsendern, von Zeitungen und Internetredaktionen am Latumer See und hofften auf einen Blick auf das Tier. Im Laufe der folgenden Tage wurde es immer mal wieder gesichtet, verschwand aber auch genauso, wie es aufgetaucht war.

Bis dann am 29. August Sebastian Schreiner, der Reptilien-Experte der Düsseldorf Feuerwehr, kam, sich ins Boot setzte, am Ufer guckte – und um 13.34 Uhr wieder zu uns wartenden Journalisten kam. Er grinste, öffnete sein blau-weiß kariertes Betttuch und präsentierte uns die Schlange. Später erzählte er die Geschichte vom Betttuch (das er sich einfach in der Feuerwache gegriffen hatte, weil kein anderes Behältnis so schnell zur Hand war) und wurde damit fast ebenso berühmt. Meerbusch hatte sein Sommerloch-Thema und war in allen Schlagzeilen. Besseres spontanes Stadtmarketing kann man gar nicht machen.

„Wir waren von der medialen Aufmerksamkeit, die die Schlange im See innerhalb weniger Stunden ausgelöst hat, total geplättet,“ erinnert sich auch Arnd Römmler vom Ordnungsamt. „Der Journalistenandrang war unglaublich. Nach der ersten Sichtung des Tieres meldeten sich Redaktionen aus ganz Deutschland und eine sogar aus Österreich bei uns.“ Dabei lobt er heute noch mal die Zusammenarbeit mit allen beteiligten Einrichtungen, Behörden und Einsatzkräften. Auch der Angelverein Lank habe sich super verhalten. Dort hielten sich die meisten Journalisten und Feuerwehrleute während der Suche  auf. Es war übrigens ein Mitglied dieses Vereins, der die Schlange entdeckt hatte: Eugen Janischewski war dann einer der meist-interviewten Menschen in der Woche. Römmler: „Ich denke, wir alle haben in dieser turbulenten Woche viel gelernt  – von Fangmethoden, vom Fluchtverhalten von Schlangen bis hin zu den üblen Gerüchen, die ein solches Reptil versprüht, wenn es gefangen und in einen Bettbezug gesteckt wird.“