50 Jahre Mataré-Gymnasium: Vier Schulleiter und ein Jubiläum

50 Jahre Mataré-Gymnasium: Vier Schulleiter und ein Jubiläum

Über fünf Jahrzehnte haben Wolfgang Gewaltig, Andreas Heumann, Jörg Winterwerb und Christian Gutjahr-Dölls als Schul-Direktoren das Mataré-Gymnasium maßgeblich mitgestaltet. Ein Rückblick auf 50 Jahre Schulgeschichte.

Wolfgang Gewaltig 1968 - 1985

Stellvertretend für Wolfgang Gewaltig, der 2010 starb, ist seine Frau Renate zu dem Gespräch mit unserer Zeitung gekommen. Sie erinnert sich gut an das Jahr, in dem alles begann. Es ist 1968, als ihr Mann Wolfgang mit 33 Jahren Gründungsdirektor einer Schule wird, die noch keinen Namen trägt. "Der Kreis Grevenbroich hatte damals schon länger die Intention gehabt, in Büderich ein Gymnasium zu eröffnen", sagt Gewaltig. Ein Gebäude gab es noch nicht.

Das Gymnasium eröffnete mit zwei Klassen, die in der Kreisrealschule am Weißenberger Weg, der heutigen Gesamtschule, untergebracht werden. "Mein Mann war sehr engagiert, hat sich stark für die Schule eingesetzt und stand immer hinter seinem Kollegium. Er wollte ein gutes Bildungsangebot etablieren", erinnert sich Gewaltig. Die Namensfindung sei nicht leicht gewesen: Zunächst hieß die Schule Kreisgymnasium Büderich. Georg-Büchner-Gymnasium war Wolfgang Gewaltigs Vorschlag. Der Name Mataré-Gymnasium sei schließlich die Idee einer Schülerin gewesen, sagt Gewaltig. 1970 wurde aus dem Kreisgymnasium ein städtisches Gymnasium. Erst im Jahr 1974 konnte der Neubau an der Niederdonker Straße eingeweiht werden.

Teilweise habe es 1500 Schüler am Gymnasium gegeben, sagt Renate Gewaltig. Für diese wurde unter ihrem Mann eine große Bibliothek aufgebaut. "Wir Mütter haben dort dann Dienst gemacht", sagt Gewaltig. Die letzte große Tat ihres Mannes sei die Einrichtung des bilingualen Zweigs gewesen, der bis heute besteht.

Andreas Heumann 1985 - 1997

Andreas Heumann kommt mit dem Fahrrad zum Gespräch zur Schule. "Bin ich ja früher auch", sagt der 85-Jährige, der nach wie vor in Büderich wohnt. "Bis der bilinguale Zweig unter Wolfgang Gewaltig genehmigt war, war es fast sein letzter Arbeitstag", sagt Heumann. "Es war dann meine Aufgabe, dieses pädagogische Konzept mit Leben zu füllen." Das Mataré sei damals eine von zwei Pilotschulen in NRW gewesen. Das erzeugte Aufmerksamkeit. "Wir bekamen häufig Besuch aus Deutschland, aber auch aus Europa", erinnert sich Heumann. Auch das Konzept der offenen Ganztagsschule habe erweitert werden müssen, um den guten Ruf der Schule zu erhalten. Zuvor war Heumann elf Jahre stellvertretender Schulleiter, als Direktor blieb weniger Zeit, selbst zu unterrichten. "Das fand ich schon schade, ich habe immer gerne unterrichtet", sagt er. Sein Steckenpferd: "Ich habe die Lateinklasse eingeführt."

Heute noch gibt Heumann Nachhilfeunterricht aus Leidenschaft für die Sprache. Besonders gerne erinnert er sich an den 100. Geburtstag von Ewald Mataré, als seine Tochter Sonja die Schule besuchte. Außerdem waren ein Besuch mit Schülern beim damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und die vielen Sporterfolge der Schulmannschaften von damals im Hockey, Golf und Tennis denkwürdige Ereignisse. Ein gelungener Abiturstreich ist Andreas Heumann ebenfalls in Erinnerung geblieben: Als er in Sträflingskleidung abgeführt und mit einem echten Polizeiwagen in ein Café in Lank gebracht wurde. "Das war natürlich eine tolle Sache für mich. Ich konnte entspannt Kaffee trinken, während es in der Schule am letzten Schultag der Abiturienten immer recht abenteuerlich zuging."

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Jörg Winterwerb 1997 - 2014

Im Schulleiter-Büro im Erdgeschoss des Matarés waren die vier Männer nie gleichzeitig, trotzdem verbindet sie der Ort. "Sie haben ja ,Die Brücke' hängen gelassen", sagt Jörg Winterwerb zu Christian Gutjahr-Dölls und zeigt auf ein gerahmtes Bild von Claude Monet. "Ich dachte damals, das passt ja: Als Schulleiter muss man ja auch Brücken bauen." Es ist 1997, als Winterwerb die Schule übernimmt. "Das waren aufregende Zeiten, die Schülerzahlen waren eingebrochen, das Städtische Meerbusch-Gymnasium zog viele an", sagt der 70-Jährige.

Eine Kooperation mit der Gesamtschule war damals im Gespräch. "Die Oberstufen sollten zusammengeworfen werden", erinnert sich Winterwerb. Der damalige Schulleiter zog eine Alternative vor: "Wir haben uns geeinigt, uns gegenseitig zu respektieren, aber eigenständig zu bleiben." Stattdessen gab es Kooperationen nur in einigen Kursen, und auch mit dem Meerbusch-Gymnasium in Strümp wurde intensiv zusammengearbeitet.

"Ich habe die Schule damals zeitgemäß umgestaltet, das Sprachprofil geschärft und den Austausch mit den Eltern ausgebaut", sagt Winterwerb. Unter anderem wurden das bilinguale Lernen und der Ganztag erweitert und Spanisch als Fremdsprache eingeführt. So konnte auch der Zusatz "Europaschule" erworben werden.

Christian Gutjahr-Dölls 2014 - heute

Christian Gutjahr-Dölls war eineinhalb Jahre Winterwerbs Stellvertreter, bevor er selbst Schulleiter wurde. Mittlerweile hat er auch seine eigenen Vorstellungen einbringen können. "Wir haben dem musikalischen Bereich einen neuen Stellenwert gegeben", sagt der 46-Jährige, der eine Kooperation mit der Musikschule Meerbusch ins Leben gerufen und eine Singpause etabliert hat. Insgesamt sieben verschiedene Chöre gibt es heute am Mataré. "Das gibt der Schule ein zusätzliches Profil", sagt Gutjahr-Dölls.

Zwei Punkte sind ihm besonders wichtig: Dass das Mataré eine leistungsstarke Schule bleibt, und dass der Europa-Gedanke weitergetragen wird. Ein wichtiger Bestandteil dafür seien die Auslandskooperationen, mit Brighton und den Niederlanden kamen zuletzt zwei neue hinzu. Den ehemaligen Schulleitern ist Gutjahr-Dölls dankbar: "Ich hatte das Glück, ein Haus zu übernehmen, das in einem sehr guten Zustand und breit aufgestellt war und das einen guten Ruf genießt. Dazu hat jeder meiner Vorgänger beigetragen."

(tak)