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Meerbusch: US-Botschafter im Mataré

Meerbusch : US-Botschafter im Mataré

Eine Woche vor der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten berichtete gestern US-Botschafter Philip D. Murphy Schülern im Mataré-Gymnasium von der Lage in den USA. Bei seinem Auftritt in Büderich zeigte der Repräsentant Entertainer-Qualitäten.

Der Empfang gleicht dem eines Popstars: Mit stehenden Ovationen und lauter Musik wird Philip D. Murphy gestern Vormittag am Mataré-Gymnasium in Büderich begrüßt. Der Botschafter der Vereinigten Staaten ist gekommen, um den Jugendlichen zu erklären, was die USA eine Woche vor der Präsidentschaftswahl bewegt.

Auf der Bühne ist Murphy nur kurz, meist steht er nah bei den Zuschauern. Foto: Dackweiler, Ulli

Dass die Schüler kein langatmiger Vortrag erwartet, wird schnell deutlich. Murphy hat sein Sakko abgelegt, die Hemdsärmel hochgekrempelt und bewegt sich frei durch die Reihen der Zuhörer. Auf ein Mikrofon verzichtet er; sein knappes Skript bleibt während der anderthalb Stunden weitestgehend unbeachtet.

"Es wird eine knappe Wahl werden", prognostiziert Murphy, der vor den 160 Schülern der Englisch-Leistungskurse und des bilingualen Zweigs der Jahrgangsstufe neun auf Englisch spricht. Anhand mehrerer Thesen zeigt er aktuelle Entwicklungen in den USA auf und interagiert dabei viel mit seinem Publikum. Der 55-Jährige stellt den Anwesenden Fragen. Wer richtig antwortet, mit dem posiert der Botschafter direkt für ein Foto — das gilt auch für die Lehrer. Um flotte Sprüche ist der bekennende Fußball-Fan aus New Jersey nicht verlegen. "Du siehst aus wie Lionel Messi", sagt er einem Schüler.

Dass sein Herz auf der politischen Bühne für Amtsinhaber Barack Obama schlägt, offenbart Murphy seinen Zuhörern schnell. Der Demokrat und sein republikanischer Konkurrent Mitt Romney unterschieden sich besonders in der Wirtschafts- und Außenpolitik, erzählt er. Während Romney vor allem den Einfluss des Staates zurückschrauben möchte, setze Obama darauf, die Mittelklasse zu stärken. Und während Romneys außenpolitische Strategie darauf angelegt sei, die Interessen der USA auch ohne Verbündete durchzusetzen, lege Obama Wert darauf, Entscheidungen gemeinsam mit befreundeten Staaten zu fällen.

Seinen jungen Zuhörern erteilt Murphy auch Ratschläge. "Macht Austauschprogramme mit und lebt eine Zeit lang im Ausland", empfiehlt er. Je früher man diese Erfahrung mache, umso besser. Bestimmter im Ton wird Murphy, als er über die Wahlbeteiligung spricht. Es sei ein Muss, in freien demokratischen Ländern zur Wahl zu gehen: "Argumente wie ,Ich mag die Kandidaten nicht' oder , Meine Stimme hat eh kein Gewicht' zählen nicht." Schließlich würden die Politiker Entscheidungen treffen, die vor allem für junge Menschen weitreichende Folgen hätten.

Nach seinem Vortrag sind die Schüler des Mataré-Gymnasiums an der Reihe. Ihre Fragen drehen sich um den Truppenabzug aus Afghanistan, die Besonderheiten des US-Wahlsystems und darum, warum Obama in Deutschland viel beliebter ist als Romney. "Das liegt unter anderem daran, dass viele Deutsche Obamas Art mögen, er verkörpert den amerikanischen Traum", antwortet Murphy. Nach anderthalb Stunden gibt er dem DJ ein Zeichen. Laute Popmusik schallt aus den Boxen, Applaus brandet auf, und der Botschafter verabschiedet sich wieder.

(RP/rl)