1. NRW
  2. Städte
  3. Meerbusch

Albert Lopez: "Unsere Kunden helfen Meerbusch"

Albert Lopez : "Unsere Kunden helfen Meerbusch"

Der Chef der Wirtschaftsbetriebe Meerbusch spricht im RP-Interview über die Auswirkungen des Strom-Deals mit RWE, sinkende Gaspreise und den Zustand des Meerbuscher Wasserleitungsnetzes

Der Deal mit RWE, deren knapp 16 000 Meerbuscher Stromkunden zu übernehmen, ist wohl das wichtigste Ereignis für die Wirtschaftsbetriebe Meerbusch in diesem Jahr.

Lopez Definitiv. Es waren langwierige Verhandlungen mit RWE bis hinauf in die Vorstandsebene. Jetzt werden die entsprechenden Verträge ausgearbeitet. Spätestens bis Mitte des Jahres soll die Angelegenheit unter Dach und Fach sein. Und sobald uns RWE die Kundendaten zur Verfügung stellt, werden wir die Kunden auch selbst informieren.

Befürchten Sie Kündigungen von Leuten, die nicht zur WBM wollen?

Lopez Nein. Seitdem wir am Markt sind, hat sich die Anzahl der Kunden, die von einem Drittversorger Strom erhalten, nicht erhöht. Ein Großteil der Meerbuscher RWE-Kunden befindet sich in der Grundversorgung. Denen können wir definitiv bessere Preise anbieten, wenn sie sich an uns binden.

Auf dem freien Markt gibt es aber auch Anbieter, die billiger sind als die WBM...

Lopez Es wird immer jemanden geben, der unsere Preise unterbietet. Wir sind allerdings recht weit vorne dabei. Anders könnten wir auf dem Markt auch nicht bestehen. Der Kunde muss uns als fairen Versorger wahrnehmen. Was uns von den Mitbewerbern unterscheidet, ist unser Service: Wir sind vor Ort erreichbar, haben ein Kundencenter in Osterath, werden noch in diesem Sommer ein zweites Kundencenter in Büderich einrichten. Und: Wer Kunde der WBM ist, hilft auch der Stadt Meerbusch. Wir sponsern nicht nur Vereine vor Ort, seit unserer Gründung haben wir jedes Jahr Geld an den städtischen Haushalt ausgeschüttet.

Über wie viel Geld sprechen wir da?

Lopez Das war in der Vergangenheit immer eine Summe von mehr als drei Millionen Euro. Das peilen wir auch für 2014 wieder an.

Neben Strom liefern die Wirtschaftsbetriebe Meerbusch auch Wasser. Vergangene Woche ist die Büdericher Hauptwasserleitung gebrochen, in der Woche davor gab es nur wenige Meter entfernt einen Wasserrohrbruch. Muss man sich Sorgen um den Zustand des Wassernetzes machen?

Lopez Nein. Das Meerbuscher Leitungsnetz ist im Durchschnitt 25 Jahre alt; das ist zum Beispiel im Vergleich des Willicher Netzes fünf Jahre jünger. Es gibt Leitungen in Meerbusch, die 80 Jahre alt sind und gut funktionieren. Es gibt viele Faktoren, die zu einem Defekt führen können. Neben dem Material der Wasserleitung können das auch äußere Einflussfaktoren sein: Führt eine Straße mit viel Verkehr darüber? Gab es Bauarbeiten in der Nähe, die zu Setzungen geführt haben?

Was passiert jetzt mit der Leitung in Büderich?

Lopez Die Bruchstelle der Hauptwasserleitung haben wir noch am Abend des Bruchs repariert. Wir werden jetzt in einem ersten Bauabschnitt die betroffene Rohrleitung auf einer Länge von 325 Metern, zwischen Hohegrabenweg 81 und 111, sanieren. Im kommenden Jahr werden wir weitere Abschnitte der Leitung sanieren.

Die WBM bieten auch Gas an. In Ihrem Compact-Tarif geben Sie eine eingeschränkte Preisgarantie bis September. Müssen die Kunden danach mit einer Preiserhöhung rechnen?

Lopez Danach sieht es derzeit nicht aus. Im Gegenteil: Ich gehe davon aus, dass wir unseren Kunden künftig günstigere Gaspreise anbieten können.

Die WBM sind ja nicht nur für Meerbusch, sondern auch für Willich zuständig. Stehen in nächster Zeit weitere Fusionen mit anderen Stadtwerken an?

Lopez Das ist in absehbarer Zeit nicht der Fall. Wir sind mit unseren 160 Mitarbeitern gut aufgestellt und gehen eher auf projektbezogene Kooperationen. So sind wir beispielsweise mit vier Prozent am Stadtwerke-Verbund Quantum beteiligt, über den wir unseren Strom an der Strombörse in Leipzig einkaufen. Gemeinsam mit Steag und anderen Stadtwerken überlegen wir, uns an einer Biogas-Anlage zu beteiligen.

MARTIN RÖSE FÜHRTE DAS GESPRÄCH

(RP)