Ungewöhnliches Kunstwerk in Meerbusch-Nierst

Zur Erinnerung an Kloster Meer : Ein schwebendes Kirchenschiff für Nierst

Heimatkreis Lank und Nierster Bürgerverein weihten neben dem Seisthof das Kunstwerk „Kapelle momentan“ ein.

Pferde grasen auf der Koppel. Die Sonne scheint durch die Blätter der alten Bäume. Nichts erinnert mehr an die Kapelle, die bis 1896 neben dem Seisthof in Nierst stand. Seit Samstag ist das anders. Der Künstler Christian Forsen hat im Auftrag des Heimatkreises Lank und des Bürgervereins Nierst ein Kunstwerk geschaffen, das rund 850 Jahre nach Gründung des Klosters Meer an die „Eigenkirche“ des Gutes der Stifterin Hildegundis von Meer erinnern soll.

Die „Kapelle momentan“ solle den Ort neu wirken lassen und an die Urzelle von Nierst erinnern, sagte Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage  zur Einweihung des Kunstwerks. Denn die damals den Heiligen Cyriakus und Laurentius geweihte Kapelle sei vermutlich älter als das Kloster selbst, so Archäologe  Christoph Reichmann. Sie hätte sogar einen Turm besessen, was damals ungewöhnlich gewesen sei. Auch Gräber habe man in ihrem Umfeld gefunden. Der Seisthof habe zudem eine eigene Gerichtsbarkeit und eine Schule gehabt. Gerne würde er auf dem Gelände eine kleine Grabung vornehmen, sagte Reichmann. Doch am Samstag ging es um das derzeitige Bauwerk, das von Pfarrer Norbert Viertel bei  einer Andacht mit Hilfe des Kommunionkindes Tobias gesegnet wurde.

Die Kapelle momentan stellt den in Beton gegossenen Grundriss eines Kirchenschiffes dar, der auf Stelzen aus Stahl über der Stelle thront, wo vermutlich das ehemalige Kirchlein stand. Das blaue Pigment verweist auf die Verbindung zur Himmelfarbe. „Das Kunstwerk soll etwas sichtbar machen, was phantomgleich irgendwie auch da ist oder in unserer Imagination auftauchen kann“, erklärte Forsen, der bei Tony Craig an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert hat. Es solle allerdings die Landschaft nicht stören, sondern lediglich Fragen aufwerfen.

Er habe die Skulptur schweben lassen, damit die Pferde sich ihr Terrain zurückerobern könnten. Der Seisthof als Mittelpunkt der Freien Herrlichkeit Nierst bot einen schönen Rahmen für das Einweihungsfest. Die heutigen Besitzer, die Familie Mertens,  erhielten als Dank für die Kooperation aus der Hand des ehemaligen Vorsitzenden des Heimatkreises, Franz-Josef Radmacher, einen historischen Druck, der den Rhein bei Nierst vor 350 Jahren zeigt. Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, der laut Radmacher als „Nachfolger des Kölner Kurfürsten“ gekommen war, warb nicht nur dafür, Überliefertes zu bewahren, sondern auch offen für die Zukunft zu sein. Damit verband er einen Aufruf, an der Europawahl am 26. Mai teilzunehmen.

Mehr von RP ONLINE