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Meerbusch: Unfalltod: Staatsanwalt ermittelt

Meerbusch : Unfalltod: Staatsanwalt ermittelt

Nach dem Unfalltod einer Meerbuscher Ärztin nach einer 24-Stunden-Schicht ermittelt die Staatsanwaltschaft. Anlass ist ein anonymer Brief mit Insiderinformationen. Helios hat gegen den Verfasser Strafanzeige gestellt.

Mit dem tragischen Unfalltod der Meerbuscher Ärztin Olena L. in Krefeld am Mittwoch vergangener Woche befasst sich jetzt auch die Staatsanwaltschaft. Das bestätigte gestern ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Krefeld. Die 56-Jährige war nach einer 24-Stunden-Schicht am Helios-Klinikum Hüls auf der Nieper Straße in die Gegenfahrbahn geraten, dort gegen den Wagen einer 82-Jährigen geprallt und tödlich verunglückt.

Eine Helios-Sprecherin bestätigte unserer Zeitung, dass sich die Leitung der Helios-Klinik Krefeld am Montag mit der Staatsanwaltschaft Krefeld bei Helios treffen wolle, um gemeinsam das Unglück aufzuarbeiten. Anlass ist ein anonymes Schreiben, das sowohl der Staatsanwaltschaft als auch der Presse zugesandt wurde. Der Verfasser macht einer Vorgesetzten der verstorbenen Ärztin in dem Schreiben schwere Vorwürfe. Die Klinikleitung will sich dagegen wehren: "Helios hat Strafanzeige wegen Verleumdung gestellt", sagte eine Sprecherin von Helios.

Der anonyme Schreiber behauptet, dass die Ärztin vor ihrem Unfall nicht 24 Stunden, sondern sogar 26,5 Stunden gearbeitet habe. Die Dienstzeit gehe für Ärzte an Werktagen von 9 Uhr bis 9 Uhr des Folgetages. Der Unfall auf der Nieper Straße in Krefeld-Verberg, zehn Autominuten von Hüls entfernt, geschah um 11.40 Uhr. Dies habe er auch der Staatsanwaltschaft und der Berufsgenossenschaft gemeldet, teilt der anonyme Schreiber mit. Er gibt außerdem an, an der Frühbesprechung im Helios-Klinikum Hüls einen Tag nach dem Unfall teilgenommen zu haben. Der Vorgesetzen von Olena L. wirft er vor, Ärzte in Hüls massiv unter Druck zu setzen, "mehr leisten zu müssen, als sie sich selbst zutrauen". Die verunglückte 56-jährige Ärztin aus Meerbusch habe mehrfach betont, dass sie nicht in der Lage sei, einen Bereitschaftsdienst über 24 Stunden zu verrichten. Darüber hinaus habe sie mehrfach vor Zeugen darauf hingewiesen, dass sie kaum Erfahrung in der Erwachsenenmedizin habe, weil sie in ihrer fast gesamten medizinischen Karriere Kinder behandelt habe. Auch habe sie mehrfach gesagt, dass es ihr bisher nicht ermöglicht wurde, sich in Wiederbelebungsmaßnahmen ärztlich weiterzubilden.

Kein Kommentar der Klinik

Helios will den eigentlichen Vorfall nicht kommentieren, gleichzeitig aber juristische Schritte gegen den anonymen Schreiber unternehmen. "Der Schreiber kann sich bis kommenden Montag bei uns melden", sagte eine Helios-Sprecherin. Dann würde die Anzeige zurückgenommen. Der Krefelder Helios-Geschäftsführer Walter Singer wolle das Gespräch mit dem Verfasser suchen. Der Helios-Betriebsrat wollte gestern keine offizielle Stellungnahme abgeben.

(RP/ila)