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Umweltpreis Meerbusch: Nachbarschaftsoase und Ampelsystem für die Stadt

Nachhaltige Projekte : Zwei Projekte für den ersten Umweltpreis

Beim Wettbewerb der Stiftung Büderich entwickeln Jugendliche teils sehr unterschiedliche Ideen. Bewerbungsschluss ist Ende März.

Zum ersten Mal vergibt die Stiftung Büderich dieses Jahr den Jugend-Umweltpreis. Noch bis Ende März können sich Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 21 Jahren dafür bewerben. Einige Bewerber sind schon mittendrin in ihren Projektideen. Wir stellen zwei von ihnen vor.

Nachbarschaftsgarage Grüne Oase Ein begrüntes Garagendach, in der Garage selbst eine Art Tauschbörse für Gartenzubehör und Spielzeug und vielleicht als Werkstatt für Fahrräder: Beim Projekt von Florian Gerstein ist noch vieles im Fluss. Mit der „Nachbarschafts- Garage Grüne Oase“ will der 19-Jährige zweierlei erreichen: Die Nachbarn zusammenbringen und sie für Nachhaltigkeit begeistern. Dass sein Projekt so offen ist, kann man als seine wesentliche Stärke betrachten. Denn der Osterather will das machen, was in der Nachbarschaft ankommt – und dazu muss man erst einmal einiges ausprobieren.

Das Teilen zieht sich wie ein roter Faden durch die unzähligen Ideen von Florian Gerstein: Ob man Werkzeug zur Verfügung stellt, sich Filme gegenseitig ausleiht oder zusammen an Fahrrädern werkelt. „Es gibt vieles, was wir besitzen, aber nicht regelmäßig benutzen“, sagt er. Es sei nicht effizient, wenn jeder Sachen anhäuft, die nur im Keller herumstehen. Die ersten Tauschgegenstände kommen von Familie Gerstein selbst: ein Lastenfahrrad, eine Tischtennisplatte, das Kettcar von Florians jüngerem Bruder. Und auch die Garage stellte die Familie zur Verfügung. Darüber freut sich Florian – und auch, dass ihm seine Eltern den Freiraum lassen, um seine eigene Idee zu entwickeln.

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„Das Projekt soll Menschen für das Thema Nachhaltigkeit begeistern“, sagt der junge Osterather. Es gehe nicht darum, anderen etwas vorzuschreiben. „Die Idee soll die Nachbarn mitnehmen, ihnen zeigen, dass man von diesem bewussten Umgang auch profitieren kann“. Der Gewinn sei einerseits finanziell, denn nicht jeder müsse ein eigenes Lastenfahrrad kaufen. Aber andererseits sei es auch ökologisch von Vorteil, wenn nicht gleich jeder Gegenstand für jeden Einzelnen hergestellt werden müsse.

Auch auf dem Dach der Garage soll etwas Besonderes entstehen. Die ersten Blumenkästen hat Florian schon aufgestellt. Nach und nach will er dort die „grüne Oase“ für Insekten erschaffen. Nach den besten Pflanzenarten will sich Florian bei Imkern noch erkundigen – und auch die Nachbarn fragen, ob sie nicht zusätzlich ihre Garagendächer zur Verfügung stellen möchten. Es geht um das Teilen. Nicht nur unter den Menschen selbst, sondern auch unter Mensch und Natur.

Florian Gerstein freut sich über Anregungen zu seinem Projekt, persönlich oder per E-Mail an
gersteinflorian@gmail.com.

Grün für Grüne, Algorithmus gesteuerte Ampelanlagen Wettbewerbe sind für Nicolas Lenzmann aus Büderich nichts Neues. Bereits zweimal wurde er beim Regionalwettbewerb Jugend forscht der Beste in seiner Kategorie. Vergangenes Jahr erreichte er das mit einem Sicherheitssystem für Motorsägen, das durch automatisches Ausschalten Unfälle verhindern soll. Für den Umweltpreis denkt der 17-Jährige noch größer. Der Algorithmus, an dem er arbeitet, soll das Ampelsystem der Stadt verbessern.

 Nicolas Lenzmann tüftelt an einem Algorithmus für das Ampelsystem in Meerbusch.
Nicolas Lenzmann tüftelt an einem Algorithmus für das Ampelsystem in Meerbusch. Foto: Viktor Marinov

„Man kennt es, ob als Autofahrer oder Fußgänger – die Ampeln sind rot, obwohl sonst niemand in Sicht ist“, so beschreibt Lenzmann die Situation, die er lösen möchte. Die Ampelflüsse seien nicht auf den Verkehrsfluss angepasst, sagt er. Lenzmann beobachtet das oft an der Bushaltestelle in der Nähe von seinem Haus. Er weiß auch, dass es kein Einzelfall in der Stadt ist. Die Lösung ist aus Lenzmanns Sicht naheliegend: Zwei bis drei Kameras müssten dafür an jeder Kreuzung stehen, sowie ein kleiner Computer. Sie erfassen Fußgänger, Autos, Fahrradfahrer und schalten auf Grün dann, wenn es nötig ist. Wenn der Bus halte, könnte man etwa die Ampelphase verlängern, damit alle sicher und schnell auf die andere Straßenseite gelangen. „Dabei ist jede Kreuzung ein kleiner Baustein.“

Für das System sind viele weitere Einsatzmöglichkeiten denkbar. Es könnte so eingestellt sein, dass Fahrradfahrer bevorzugt werden. Sind viele Straßen damit ausgestattet, könnte man für Feuerwehrautos die Ampeln auf Grün schalten. Oder dafür sorgen, dass möglichst wenige Fahrer Stop-and-Go fahren, also immer wieder abwechselnd auf Gas und Bremse drücken. So würde man CO2 einsparen. „Stadtverkehr ist das Nonplusultra der Energieverschwendung“, sagt der 17-Jährige. Auch über die Kosten hat sich Lenzmann Gedanken gemacht. „Es wären 40 bis 50 Euro pro Modul“, sagt er. Eins hat er schon für seine ersten Tests gebaut und die Software programmiert.

Das Projekt von Nicolas Lenzmann ist sehr ambitioniert. Das passt zu ihm. „Wenn ich was mache, dann mache ich das richtig“. Für andere Projekte, an denen er gearbeitet hat, hat Lenzmann schon Patente angemeldet. Er weiß aber, dass die Veränderung des Ampelsystems von einer Stadt keine einfache Angelegenheit ist. Es gibt vieles zu beachten – wie viel Rechenleistung es für die Verarbeitung der Daten braucht zum Beispiel. Und ob die Stadt bereit wäre, mitzumachen. Lenzmann ist zuversichtlich. Und vielleicht muss es gar nicht der ganz große Wurf sein, vielleicht reicht es, wenn sein Engagement andere in Meerbusch überzeugt.

„Wenn jeder von uns überlegen würde, wie viel Energie wir verschwenden, wären wir schon viel weiter“, sagt der 17-Jährige. Wenn man mit Meerbusch anfange, sei das ein guter erster Schritt.