Umweltausschuss informiert sich über Lärmschwerpunkte in Meerbusch

Gutachten vorgestellt : Meerbusch leidet unter Lärm

Ein Lärm-Experte hat im Umweltausschuss ein Gutachten vorgestellt, das die Lärmschwerpunkte im Stadtgebiet erfasst. Der Fachmann aus Bayern betonte jedoch: „Vieles ist in einem Ballungsraum wie Meerbusch leider normal.“

Autos, Lastwagen, Bahnen, Flugzeuge. Viele Meerbuscher leiden unter Lärm. In der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses am Dienstag hat nun der Lärmgutachter Markus Petz von der Firma Accon in Oberbayern eine Methode vorgestellt, um die Lärmsituation im Stadtgebiet zu ermitteln. Das Ergebnis: In Meerbusch gibt es zahlreiche Lärmschwerpunkte.

Etwa in Büderich an der Dorfstraße, an der Düsseldorfer und der Necklenbroicher Straße. Hinzu kommt in Büderich als Besonderheit „on top“ der Fluglärm. Dazu sagt der Fachmann: „Fluglärm wird von den Menschen bei gleichem Lärmpegel als belastender empfunden als etwa Straßenlärm.“ Auch in anderen Ortsteilen gibt es sogenannte Brennpunkte der Betroffenheit. Als solche bezeichnet der Lärmgutachter Gebiete, in denen der Lärmpegel hoch ist und gleichzeitig viele Menschen wohnen. Solche Brennpunkte befinden sich etwa an der Uerdinger Straße in Lank und entlang der Bahnlinie. Petz: „An den Schienen ist die Belastung durch Lärm generell hoch.“

Die neuen Auswertungen haben bestätigt, was die Politiker im Umweltausschuss schon lange beklagt hatten: In Meerbusch ist es an vielen Stellen zu laut. Deshalb hatten sie im vergangenen Jahr zusätzlich zur gesetzlich vorgeschriebenen Lärmkarte, die das Land Nordrhein-Westfalen alle fünf Jahre erstellen muss, eigenständig ein erweitertes Gutachten in Auftrag gegeben.

Während das NRW-Gutachten nur Hauptverkehrsstraßen mit mehr als drei Millionen Fahrzeugen pro Jahr, Haupteisenbahnstrecken und die Großflughäfen untersucht, kartiert das erweiterte Gutachten zusätzlich das restliche Straßennetz von Meerbusch, also auch Kreisstraßen und kommunale Straßen. „Denn der Straßenverkehr an den Hauptachsen ist ein großes Problem in der Stadt“, bestätigt Detlev Horn, Fachbereich Umwelt und Klimaschutz.

Um den Lärm in den Griff zu bekommen, gibt es in Meerbusch bereits einen Lärmaktionsplan, den der Rat beschlossen hat. Eine Forderung daraus: Tempo 30 auf der Düsseldorfer und der Moerser Straße. „Tempo 30 bringt schon eine Menge in Sachen Lärmreduzierung“, betont Technischer Dezernent Michael Assenmacher. Straßen NRW als zuständige Behörde kennt die Meerbuscher Forderung, hat aber bislang nicht reagiert. In wenigen Wochen soll das erweiterte Gutachten aus Bayern mit den endgültigen, konkreten Ergebnissen vorliegen und könnte der Stadt neues „Argumentationsmaterial“ für solche Forderungen liefern.

Michael Assenmacher schränkte im Ausschuss allerdings ein: „Wir haben als Verwaltung nur in Sachen Straßenlärm Einfluss.“ So könne die Stadt Meerbusch beispielsweise auf Straßen NRW zugehen und vorschlagen, auf den Autobahnabschnitten rund um Meerbusch zwischen 22 und 6 Uhr Tempo 100 einzuführen. Assenmacher: „Das wurde bislang immer abgelehnt, vielleicht haben wir nun einen neuen Ansatz.“

„Im Umweltausschuss gab es jetzt einen ersten Überblick“, erklärt Horn. „Die endgültige Präsentation macht es dann sogar möglich, einzelne Gebiete heran zu zoomen und gebäudescharf die jeweiligen Lärmbelästigungen zu ermitteln.“ Den Abschlussbericht sichten und beraten die Politiker erst einmal in ihren Fraktionen. Detlev Horn: „Die Politik entscheidet dann, welche Schlüsse daraus gezogen und welche Maßnahmen möglicherweise geplant werden.“

Lärmgutachter Markus Petz gab den Ausschussmitgliedern bereits am Dienstagabend mit auf den Weg: „Jedes Dezibel weniger bringt den Bürgern Erleichterung.“ Er schränkte jedoch ein: „Aber vieles ist in einem Ballungsraum wie Meerbusch leider normal.“

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