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Mein Verein: Ulli Wetter: "Wir sind die Revoluzzer"

Mein Verein : Ulli Wetter: "Wir sind die Revoluzzer"

Der 72-jährige Vorsitzende des Vereins Wasserturm möchte das kulturelle Leben in Meerbusch und vor allem in Lank-Latum beleben: Konzerte, Kindertheater, Schauspiel. Heute feiert der Verein sein 20-jähriges Bestehen.

In einer Nacht- und Nebelaktion sind Ulli Wetter, Vorsitzender des Vereins Wasserturm und seine Stellvertreterin Barbara Bredelin auf die Straße gegangen. Sprühkreide und eine große Schablone im Gepäck. Sie wollten den Titel des damaligen Stücks auf die Straße sprühen: "Die weiße Rose" stand mitten in Meerbusch auf der Straße. Der 72-jährige Wetter erzählt: "Die Stadt war richtig sauer. Zwei Tage später mussten die Worte weg sein vom Asphalt." Da mussten die beiden schrubben — aber mit tatkräftiger Unterstützung: "Die umliegenden Geschäftsinhaber haben uns alle geholfen. Wasser geschleppt und mit dem Besen Hand angelegt." Aber auch solche Aktionen gehören dazu: "Wir möchten auf uns aufmerksam machen. Wir sind halt Revoluzzer," so Bredelin

Seit 20 Jahren gibt es den Verein Wasserturm jetzt. Er blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Es hat angefangen mit der ehemaligen Celluloid-Fabrik. Sie stellte in den 80er Jahren die Produktion ein. Der Wasserturm war ein Teil davon. Oliver Keymis, Landtagsvizepräsident der Grünen, wollte aus dem Wasserturm ein exklusives Theater machen. Ulli Wetter sagt aber: "Für solche Dinge fährt man dann doch nach Düsseldorf — hier wäre das untergegangen." Supermarkt und Restaurants hielten zunächst Einzug. Dann hatte die Stadt zwei Millionen Mark für den Umbau zugesagt, von der Stadt sollte noch eine Million dazu kommen. "In letzter Sekunde haben wir das Projekt dann auf den Weg gebracht. Hätte da jemand gezögert, wäre es zu spät gewesen," erzählt Wetter. Jetzt ist der Wasserturm ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Meerbusch: "Musik, Theater für Kinder und Jugendliche, klassisches Schauspiel — wir machen und können alles."

Auch das Buretheater spielt jedes Jahr in dem Theater. Seit langem gibt es nun schon Figurentheater für Erwachsene. Man denkt an die Augsburger Puppenkiste: "Aber das hat wirklich etwas sehr Ernsthaftes," so der 72-Jährige. In Kooperation mit dem Puppentheater Seifenblasen sind auf der Bühne schon tragische Helden umgekommen: "Hannes und Paul war ein erfolgreiches Stück. Es ging um zwei Jugendliche am Ende des Zweiten Weltkrieges. Beide waren homosexuell und sind ein Paar geworden, entgegen der Konventionen. Am Ende hat sich einer umgebracht." Man sieht: "Wir machen nicht nur Entertainment, es gibt tiefgründige und traurige Geschichten — das ist auch unser Anliegen."

Wetter ist im Ruhestand. Früher gehörte ihm ein Bekleidungsgeschäft, das es auch heute noch gibt. Jetzt nutzt er seine freie Zeit für Dinge, die ihm wichtig erscheinen: "Jeder Mensch braucht eine Aufgabe. Ich habe mir halt kulturelle Förderung auf die Fahnen geschrieben." Dafür haben er und die ungefähr 35 anderen Mitglieder alles ausprobiert: "Varietés, Zirkus und Rock am Turm haben wir ins Leben gerufen damals." Hoher Besuch war schon da: "Ein Bischof aus Guatemala hat hier über Gerechtigkeit und Wirtschaft in Südamerika gesprochen," erzählt der Lanker. Eigentlich solle man so weitermachen, man bereue jedenfalls keine einzige Veranstaltung. Das Steckenpferd ist aber das klassische Schauspiel: "Wir wollen eben nicht nur Spaß machen. Mit Berliner und Wiener Theatern können wir vielleicht nicht konkurrieren aber trotzdem sind wir echt gut." Das sehen auch Freunde, Weggefährten und Künstler so: Heute kommen alle zu einer Feier zusammen, um dem Wasserturm viel Erfolg für die weitere Zukunft zu wünschen. Und bei dem Engagement der beiden Vorsitzenden kann das eigentlich gar nicht schief gehen.

www.wasserturm-ev.de

(RP)