Meerbusch: Uerdinger Straße: Bürger "blitzen" selbst

Meerbusch : Uerdinger Straße: Bürger "blitzen" selbst

Die Anwohner in Lank-Latum fotografieren Lkw-Fahrer, die eigentlich nicht durch den Ort fahren dürfen. Stadt und Polizei wirken ratlos.

Jahrelang haben sie zugesehen, wie kaum etwas passiert. Alles, was die Anwohner der Uerdinger Straße in Lank-Latum an ihren Fenstern vorbeifahren sahen, waren Lkw um Lkw um Lkw. Bis vor zwei Wochen. Da griffen die Anwohner zur Selbstjustiz — und begannen, Fotos von den Transportern zu machen und die Fahrer anzuzeigen. Denn die dürften hier gar nicht lang. Zwischen der Robert-Bosch-Straße und In der Loh gilt für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen Fahrverbot. Sie sollen durch das Gewerbegebiet fahren.

"Seitdem wir die Fotos machen, ist der Lkw-Verkehr deutlich zurückgegangen", sagt Norbert Kals. Sein Hotel liegt in dem 250 Meter langen Teilstück am Kreisverkehr. Zusammen mit vier anderen Anwohnern wechselt er sich ab. "Wir fotografieren auch schon mal um 5 Uhr morgens", sagt er. Dann wirke das Blitzlicht noch ein bisschen besser.

Die Uerdinger Straße ist für die Lkw-Fahrer eine Abkürzung. Wer von der anderen Rheinseite über die Autobahn 44 zum Krefelder Hafen muss, der spart ab der Anschlussstelle Lank-Latum bis zu sieben Kilometer pro Strecke. "Bei den Benzinpreisen kann ich das gut nachvollziehen", gibt Kals zu.

Dass die Blitz-Aktionen auf eigene Faust aber kein Dauerzustand sein werden, ist ihm auch klar. "Sie zeigen Wirkung — aber das ist nicht nachhaltig", sagt er. Darum fordert er die Stadt auf, etwas zu unternehmen. Der Technische Beigeordnete, Just Gérard, klärte die Mitglieder des Bauausschusses darüber auf, dass er von den Bürgern "das regelwidrige Verhalten der Lkw-Fahrer minutiös mitgeteilt bekommen" hat. Daraufhin sprach er mit der Polizei des Rhein-Kreises Neuss. "Dort hieß es, dass es ein strukturelles Problem sei."

Die Sprecherin der Polizei, Diana Drawe, erklärte, dass die Behörde keine Statistik über die Maßnahmen der Kollegen an der Uerdinger Straße führe. "Wir kontrollieren dort zwar sporadisch, aber es ist schwierig", sagt sie. Denn weder sei die Strecke ein Unfallschwerpunkt, noch liegen regelmäßige Tempoverstöße vor. "Das Problem liegt darin, dass die Beschilderung Ausnahmen zulässt." Nämlich für Anlieger unter den Lkw-Fahrern mit mehr als 7,5-Tonnen-Gefährt.

Genau das prangert Norbert Kals an. "Wenn die von der Polizei angehalten werden, sagen die nur, dass sie eben am Kiosk eine Schachtel Zigaretten kaufen wollten, und schon sind sie Anlieger", sagt er. "Da kann die Polizei auch nichts machen."

Sein Vorschlag an die Stadt sieht vor, Lank-Latum nur noch für den Lieferverkehr zuzulassen. "Mit dem habe ich ja gar kein Problem", sagt er. "Aber wir sollten uns nicht gefallen lassen, dass die Krefelder ihren Durchgangsverkehr auf Meerbuscher Stadtgebiet abwickeln."

(RP/ac)