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Meerbusch: Übung auf dem Eis

Meerbusch : Übung auf dem Eis

Feuerwehr und DLRG wählten den Latumer See aus, um verschiedene Möglichkeiten durchzuspielen, wie Menschen aus lebensbedrohlichen Situationen gerettet werden können.

Bislang hat es trotz der arktischen Kälte, die zahlreiche Gewässer zufrieren ließ und damit auch immer wieder Unvernünftige auf die mitunter tückischen Eisflächen lockte, keinen Einsatz für die Meerbuscher Feuerwehr zur Eisrettung gegeben. Um unter realistischen Bedingungen zu üben, trafen sich am Wochenende 25 Aktive der Feuerwehr Meerbusch, 30 Freiwillige der Wasserrettung verschiedener DLRG-Gruppen aus dem Kreis Neuss sowie die Johanniter-Unfall-Hilfe Meerbusch am Latumer See.

"Zuletzt hatten wir diese Temperaturen 2009 als wir ebenfalls hier eine ähnliche Übung durchführen konnten", sagte Frank Mohr, Sprecher der Feuerwehr. Um den Ernstfall simulieren zu können, traten zunächst die Kettensägen der Feuerwehr in Aktion. Gut 30 Meter vom Ufer entfernt wurden zwei rechteckige Löcher ins Eis gesägt, in denen dann Freiwillige in Spezialanzügen als Unfallopfer ein Bad nehmen mussten. "Wir haben eine Eisdicke von 18 Zentimetern gemessen, das verspricht eine akzeptable Tragfähigkeit, allerdings kann man nicht davon ausgehen, dass die Eisfläche des Sees überall über diese Dicke verfügt", warnt Mohr und weist darauf hin, dass deswegen noch alle Gewässer in Meerbusch für das Betreten offiziell gesperrt sind.

Feuerwehr als auch DLRG-Retter übten dann mehrere Rettungsaktionen. "Im realen Fall ist es meistens so, dass die Feuerwehr zwar schneller vor Ort ist, wir von der DLRG jedoch über geeigneteres Rettungsmaterial und im Ernstfall für die Eisrettung speziell ausgebildete Taucher verfügen", erklärt DLRG-Sprecher Jörg Dittmar. Die Feuerwehr demonstrierte zunächst die Rettung mittels Leitern, die das Gewicht der Retter über eine größere Fläche verteilen und so ein Einbrechen verhindern können.

Auch die Rettung mit Hilfe eines Schlauchboots klappte dank zahlreicher Helfer problemlos, die mit Seilen das Boot samt "Gerettetem" in weniger als 20 Sekunden ans Ufer zogen. Ungleich aufwändiger agierten die DLRG-Retter. Hilfsgeräte wie das Spine-Board, das eigentlich zum Transport von Rückgrat-Verletzten benutzt wird, über ein spezielles Eisrettungsschlauchboot, das über zwei Aussparungen im Boden verfügt, durch die der Verunglückte einfacher geborgen werden kann, bis hin zum Wasserrettungsboot auf Rädern, mit dem ansonsten bei Hochwasser Evakuierungen vorgenommen werden, kamen zum Einsatz.

Immer wieder wurde Marcel Hellingrath aus seinem Eisloch gerettet. "Ich fühl' mich prächtig, in diesem Anzug machen die Wassertemperaturen einem nichts aus, und ich bin mir sicher, dass die da an Land mehr frieren als ich", scherzt der "Eingebrochene". Zur Eigensicherung, die bei allen Rettungsaktionen — ob Ernstfall oder Übung — erste Priorität besitzt, beobachten zwei Taucher die Szenerie. Jörg Schulze und Hans-Peter Keusen würden sofort in Aktion treten, wenn aus der Übung ein Ernstfall würde. Lediglich die Hündin Gypsy darf alles noch spielerisch erleben, denn sie ist als "Azubi" dabei. Nach ihrer Ausbildung als Suchhund wird sie auch bei der Eisrettung wertvolle Dienste leisten können.

(RP)