Meerbusch: Über den roten Teppich zum Film

Meerbusch : Über den roten Teppich zum Film

Jeder Gast ein Star, jeder Star ein Gast: Über den roten Teppich kamen die Besucher zur ersten Filmnacht des Vereins "Rock am Turm" in den Kinosaal. Popcorn und Softdrinks gab's zur Begrüßung, bevor die Filme auf der Leinwand erschienen.

Westernhagen in Frauenkleidern, aus dem Nähkästchen plaudernde Musikgrößen und über fünf Stunden Leinwandunterhaltung der etwas anderen Art – die erste Meerbuscher Rockfilmnacht wartete am Samstagabend mit einem vielfältigen Angebot auf. Mit vier künstlerisch anspruchsvollen Filmen und interessanten Interviewgästen lockte der veranstaltende Verein Rock am Turm rund 140 Besucher ins Lank-Latumer Forum Wasserturm.

"Wir sind sehr zufrieden. Es sollte ein ganz lockerer Abend werden und das haben wir erreicht", freute sich Christian Olejnik, der neue erste Vorsitzende von Rock am Turm. Locker bis lustig war auch der Beginn. Es waren noch nicht alle Besucher über den eigens ausgerollten roten Teppich flaniert, da flimmerte bereits der Kurzfilm "Harakiri Whoom" über die Leinwand. Wer gerade noch damit beschäftigt war, das frisch hergestellte Popcorn oder eine Limonade zu besorgen, der verpasste Marius Müller-Westernhagen in seiner Jugendzeit.

Im Konflikt zwischen Wehrdienst und der Leidenschaft zur Musik durchlebt der heutige Star so manch ulkig anmutende Situation. Doch 1969 konnten viele über Westernhagen in Frauenkleidern auf dem Kreiswehrersatzamt noch nicht lachen. "Der Film wurde wegen Wehrkraftzersetzung verboten", erzählte Bodo Staiger, der als 18-Jähriger mit Westernhagen zusammen in dessen Band spielte und erster Gesprächsgast des Abends war.

Kontakt zu Westernhagen habe er nicht mehr, damals habe er den Musiker aber als lustigen und charmanten Menschen empfunden. "Nur seine Musik sagt mir heute nicht mehr so zu", verriet Staiger. Der zweite "Promi" im Forum war Robert Goerl, der mit seiner Band "D.A.F." Anfang der 80er internationale Erfolge feierte und unter anderem an der Seite von Annie Lennox auf Tournee ging. "Ich habe sie 1984 kennen gelernt, wir waren auch ein Jahr zusammen", verblüffte der Schlagzeuger das Auditorium sogar mit einem intimen Geständnis. Extra aus München für die Filmnacht eingeflogen plauderte Goerl munter drauf los. An Düsseldorf habe er sowieso gute Erinnerungen, da er hier Ende der 70er "D.A.F." gegründet habe. "Aber auch an Meerbusch, hier hatte ich damals meine Freundin." Thematischen Bezug zur Filmnacht bekam Goerl durch den Quabeck-Film "Verschwende deine Jugend", in dem "D.A.F." eine zentrale Rolle zukommt. Auch für die potentiellen Nachwuchsmusiker im Publikum hatte Goerl noch einen Rat auf Lager. "Geht keine Kompromisse ein und zieht euer eigenes Ding durch", so Goerl. Für den Dokumentarfilm "Full Metal Village" war Thomen Strauch der richtige Ansprechpartner. Schließlich konnte der ehemalige Schlagzeuger von "Blind Guardian" über das in dem Film behandelte Wacken-Festival eigene Erlebnisse schildern. "Wir waren dort zwei Mal Headliner", sagte Strauch. Den filmischen Abschluss des Abends bildete "Dorfpunks" nach dem Roman von Rocko Schamoni.

(RP)
Mehr von RP ONLINE