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Meerbusch: U3: Städte schotten sich ab

Meerbusch : U3: Städte schotten sich ab

Meerbuschs Nachbarkommunen wollen keine Kindergartenkinder mehr aus Meerbusch annehmen, um beim U3-Ausbau ihre Quoten zu halten. Jetzt überlegt auch Meerbusch, Kinder von auswärts abzuweisen.

Meerbuscher mit Kindern, die bald in die Kita kommen sollen, werden nicht mehr die Wahlfreiheit genießen, ihr Kind — beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit — in eine Kindertagesstätte in einer anderen Kommune zu bringen. Grund ist der ab 1. August 2013 geltende Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Unter-Dreijährige. Viele Städte und Gemeinden haben Probleme, bis dahin genügend Betreuungsplätze bereitzustellen — und schotten sich jetzt gegen auswärtige Kita-Kinder ab.

In Krefeld beispielsweise werden Kinder bereits seit Monaten abgewiesen, deren Eltern nicht ihren Hauptwohnsitz in der Seidenstadt haben. In Kaarst gibt es zwar keinen expliziten Annahmeausschluss, aber dort wird nach der Regel verfahren: Erst Kinder aus Kaarst, dann auswärtige. "Kinder aus anderen Städten würden auf einer Warteliste ganz unten landen", heißt es bei der Stadtverwaltung. Aus Meerbusch, sagt die Stadt Kaarst, lägen für 2013 allerdings keine Anmeldungen vor. So verfährt auch Neuss: "Wenn Kita-Plätze knapp sind, gilt in den Einrichtungen die Regelung, Neusser Kinder bevorzugt anzunehmen", bestätigt der Neusser Sozialdezernent Stefan Hahn.

Die Düsseldorfer Stadtverwaltung wird für Neuanmeldungen die Aufnahmekriterien verschärfen — die Stadt rechnet bis zum Stichtag 1. August 2013 mit 2000 fehlenden U3-Betreuungsplätzen. "Im Rahmen der Sicherstellung von Plätzen ... ist von der Verwaltung eine Überarbeitung der Regelungen zum Wohle der Kinder mit Wohnsitz in Düsseldorf als erforderlich angesehen worden", heißt es in einer Informationsvorlage, die die Düsseldorfer Politiker vor wenigen Tagen im Jugendhilfeausschuss abnickten. Bislang galt: "In den Tageseinrichtungen für Kinder werden Kinder aufgenommen, soweit freie Plätze vorhanden sind." Die neue Fassung enthält den Zusatz: "Kinder, deren Eltern mit Hauptwohnsitz in Düsseldorf gemeldet sind."

Meerbuschs Politiker haben die Nachricht im Jugendhilfeausschuss mit Befremden aufgenommen. "Jetzt fehlt nur noch, dass Stadtmauern und Stadttore errichtet werden", sagte FDP-Fraktionsvorsitzende Gesine Wellhausen. Sozialdezernentin Angelika Mielke-Westerlage unterstrich, dass die Stadt Meerbusch durch die Abschottungspolitik der anderen Städte ein Problem bekommt und reagieren muss. "Ich bin nicht glücklich darüber, aber wir sind ja selbst in Not."

In Meerbusch haben 42 Prozent der Eltern von U3-Kindern Bedarf nach einer Betreuung für ihr Kind angemeldet. Die Stadt plant deshalb weitere Kita-Neubauten.

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(RP/ila)