Meerbusch Trauungen werden immer aufwendiger

Meerbusch · In Meerbusch haben 2017 insgesamt 278 Paare standesamtlich geheiratet. Der Trend geht dabei zu immer größeren Gesellschaften und einem immer festlicheren Ambiente. Samstagstermine sind für 2018 fast alle ausgebucht.

Die Standesbeamten in Meerbusch beobachten einen eindeutigen Trend: Immer mehr Paare heiraten auch standesamtlich im großen Rahmen, wünschen sich viele Gäste und ein sehr festliches Ambiente. Auch deutlich aufwendigere, schicke Hochzeitskleidung sieht Standesbeamtin Gabriele Höfges immer häufiger im Trauzimmer am Alten Kirchweg in Büderich. Früher habe die Trauung öfters nur im kleinen Kreis stattgefunden, weil die kirchliche Hochzeit noch bevorstand, die größer gefeiert werden sollte, sagt die Standesbeamtin. Doch die Zahl der kirchlichen Trauungen ist seit Jahren rückläufig. Der Trautermin beim Standesamt gewinnt dann oft an Bedeutung.

Insgesamt 278 Paare haben sich in Meerbusch im Jahr 2017 das Ja-Wort gegeben. Im Vergleich mit 2016 erscheint das zunächst wenig: Damals hatten 312 Paare standesamtlich geheiratet. Die Gründe dafür waren jedoch ein Personalwechsel - eine Standesbeamtin musste durch eine neue Kollegin ersetzt werden - und eine siebenwöchige Umbauphase ab November, in der unter anderem eine behindertengerechte Toilette eingebaut wurde. Nach der Einführung der "Ehe für alle" im Oktober 2017 ließen insgesamt sechs Paare ihre eingetragene Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln.

Der Kalender ist auch für dieses Jahr schon gut gefüllt: 78 Paare haben bis jetzt Vormerkungen für das erste Halbjahr. Wer in diesem Jahr standesamtlich an einem Samstag heiraten möchte, und noch kein Datum vereinbart hat, muss sich beeilen. Denn die Termine an den Wochenenden sind bis auf wenige Ausnahmen bereits ausgebucht, lediglich an jeweils einem Samstag im Juni, Oktober und Dezember gibt es noch freie Termine. "Wir machen das nach dem Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst", sagt Höfges. Nur etwa einmal im Monat bietet die Stadt Trautermine am Wochenende an, und die kosten mehr. Eine Extragebühr von 66 Euro wird erhoben. Davon abgesehen ist der Freitag der beliebteste Tag. "Es gibt aber auch Ausnahmen: Für Freitag, den 13. April, hat sich bisher niemand angemeldet", sagt Höfges.

Seit 31 Jahren ist Gabriele Höfges als Standesbeamtin im Dienst. Noch immer macht es ihr Spaß, ein Teil des Tages zu sein, der für das Hochzeitspaar ein wichtiger ist. Der Vorbereitungsmarathon für die Paare sei dann erledigt, die meisten seien gut gelaunt, oft auch etwas aufgeregt. Im Trauzimmer rücke der Stress und alles andere in den Hintergrund.

Um jeden Termin zu etwas Besonderem zu machen, fragen die Standesbeamten nach, ob die Paare für die Rede persönliche Details aus ihrer gemeinsamen Geschichte angeben möchten. Manche Paare reichen außerdem Musik ein, die dann bei Einzug, Ringtausch und Ausklang gespielt werden kann, oder engagieren Live-Sänger. Besonders bewegend sei es, wenn Paare sich vor dem Ja-Wort noch etwas sagen möchten, sagt Höfges. Die Standesbeamtin freut sich über die aufwendigen, großen Hochzeiten genauso wie über kleine, einfach gehaltene Trauungen. Vor allem liegt ihr eines am Herzen: "Ich finde es wichtig, dass jeder nach seiner Fasson heiraten kann." So hat es in Meerbusch auch schon Paare gegeben, die sich mit ihrem Freundeskreis aus dem Motorradclub nach dem Termin auf die Maschinen schwangen und davon düsten. Oder viele Paare, die zu zweit zur Trauung kamen, und anschließend auch nur ein Essen zu zweit geplant hatten.

Die Trauungen finden in Meerbusch hinter historischen Mauern statt: Das Standesamt befindet sich in der unter Denkmalschutz befindlichen Alten Schule, und diese ist ein Stück Büdericher Geschichte: Das Gebäude wurde in den Jahren 1823 bis 1846 als Dorfschule errichtet und mehrfach erweitert. Auch die Dorfpolizei hatte einst ihre Wachstube hier - sogar mit angebauter Zelle für Kriminelle. Bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts diente das Haus noch schulischen Zwecken. Seit 1992 ist das Standesamt ansässig und zieht auch Hochzeitspaare von außerhalb an: Von den 278 Paaren, die im vergangenen Jahr getraut wurden, stammten 196 aus Meerbusch, 82 kamen aus anderen Städten.

(tak)
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