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Meerbusch: Tragödie auf der Trauminsel

Meerbusch : Tragödie auf der Trauminsel

Der 27-jährige Andreas Reiners aus Lank-Latum stürzte in den Tod. Seine Freundin und Lebensgefährtin Heidi Mingers wollte ihm helfen und verletzte sich dabei schwer. Die Staatsanwaltschaft in der Karibik ermittelt.

Es sollte ein Traumurlaub werden, doch er geriet zum Albtraum. Der 27-jährige Lank-Latumer Andreas Reiners stürzte auf Curaçao in der Karibik mitten in der Nacht 20 Meter tief die Klippen hinab, schlug hart auf und war mit schweren Kopfverletzungen auf der Stelle tot. "Dabei wollte er mich nur beschützen", sagt Heidi Mingers mit tränenerstickter Stimme.

Sie selbst verbrachte vier Tage im Krankenhaus, weil sie sich schwere Verletzungen bei dem Versuch zugezogen hatte, ihrem Freund und Lebensgefährten zu helfen. Wie sie gegen Mitternacht den Weg in die Tiefe an den Steinstrand geschafft hat, das weiß sie selbst nicht mehr. "Ich habe für die Zeit keine Erinnerung", erzählt sie im RP-Gespräch. "Ihr könnt uns hier nicht verrecken lassen", habe sie in ihrer Verzweiflung geschrien. "Das weiß ich noch."

Am Donnerstag saß sie mit Markus und Conny Reiners — Bruder und Mutter von Andreas — in deren Wohnung in Lank-Latum, um über die tragischen Ereignisse mit der Rheinischen Post zu sprechen. "Es gibt so viele Gerüchte, das soll ein Ende haben", erklärt Markus Reiners die Motivation, über ihr Schicksal öffentlich zu sprechen.

Andreas Reiners war ein lebenslustiger Typ, hatte sich gerade mit einem Malerbetrieb selbstständig gemacht und über den Erfolg gefreut. "Er hat schon zwei Freunde bei sich beschäftigt", berichtet Markus Reiners. Mit dem einwöchigen Traumurlaub in der Karibik wollte er sich und seine Freundin belohnen und das Leben genießen. Nach wenigen Tagen, so Heidi Mingers, habe ihr Freund das Gefühl gehabt, sie würden beobachtet.

In der Nacht auf den 10. Oktober hörte er dann vor dem Apartment Geräusche. "Ich habe noch im Ohr wie er ruft, ,schließ dich ein und rufe die Polizei'", sagt Heidi Mingers. Sie sei dann ebenfalls heraus gegangen. "Weil ich ihn nicht alleine lassen wollte." Andreas Reiners hatte ein Platzwunde am Kopf und gesagt, er sei geschlagen worden. Irgendwie sei er in Panik geraten, berichtet die Freundin. Sie solle sich verstecken. Dann sei er in Dornen getreten und den Abhang hinunter gestürzt. Leblos habe er halb im Wasser und halb am Strand gelegen.

Die Staatsanwaltschaft auf der Insel vor der Küste Venezuelas, die politisch zu den Niederlanden gehört, hat den Leichnam sofort beschlagnahmt und obduzieren lassen. "Mein Bruder ist an seinen schweren Kopfverletzungen gestorben", berichtet Markus Reiners. Weil aus dem Apartment Bargeld, das Handy und die Kreditkarte gestohlen war, ermittelt die dortige Polizei wegen Diebstahls. "Ein Gewaltverbrechen liegt nicht vor, hat uns die Behörde mitgeteilt", informiert Markus Reiners. Ohne weitere Anhaltspunkte müssten sie ihre Ermittlungen einstellen, heißt es.

Am vergangenen Sonntag sei der Leichnam ihres Sohnes am Flughafen in Amsterdam angekommen, sagt Conny Reiners und bedankt sich für den Zuspruch und Trost von Freunden und Bekannten sowie von Dr. Markus Groteguth und Pfarrerin Heike Gabernig.

Die evangelische Geistliche wird am Mittwoch, 26. Oktober, ab 11 Uhr die Trauerfeier in der Kapelle auf dem neuen Friedhof in Lank-Latum an der Nierster Straße 75 zelebrieren. "Ein tragischer Unfall hat Dich aus dem Leben gerissen. Wir können es nicht fassen und sind sehr traurig. Du fehlst uns." — so heißt es auf der Trauerkarte der Familie.

(RP)