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Tina Knoll aus Meerbusch verkauft Koordinatenkissen

Besondere Geschenkidee : Einzigartige Kissen mit Herz aus Ilverich

Seit Anfang 2019 bietet Tina Knoll ihre sogenannten Koordinatenkissen an. Diese Deko-Objekte mit persönlichem Charakter sind ein Geheimtipp in Meerbusch. Denn hinter jedem Kissen steckt eine Geschichte. Doch die 48-Jährige hat inzwischen auch weltweit Abnehmer.

Das Wohnzimmer in Tina Knolls Haus in Ilverich ist über und über mit Kissen dekoriert. Sie sind schwarz, grau, blau, grünlich und braun. Mal steht Büderich drauf, mal Lank-Latum oder Strümp. Die Schriftfarben variieren zwischen weiß, schwarz und blau. Darunter ist jeweils eine Kombination aus Zahlen und Buchstaben gedruckt. „Als ich vor zehn Jahren nach Ilverich gezogen bin, wollte ich das Haus mit einem individuellen Charakter gestalten“, erzählt Tina Knoll, die ursprünglich aus Stuttgart stammt. Seit insgesamt 20 Jahren lebt sie inzwischen in Meerbusch, vor ihrem Umzug nach Ilverich war sie in Büderich zu Hause. In Ilverich lebt sie gemeinsam mit ihrem Lebenspartner und ihrem Hund.

 In ihrer Werkstatt fertigt Tina Knoll alle Kissendrucke in Handarbeit an.
In ihrer Werkstatt fertigt Tina Knoll alle Kissendrucke in Handarbeit an. Foto: RP/Mirjam Ratmann

Um dem Haus einen besonderen Hingucker zu geben, entschied sie sich, die Koordinaten ihres Hauses inklusive des Ortsnamens als Wandtattoo an die Wand zu machen. „Als Freunde von mir das sahen, waren sie begeistert und fragten, ob man so etwas nicht auch auf Textilien drucken könnte.“ Und so war die Idee der „Koordinatenkissen“ geboren.

 Bevor sie die Möglichkeiten des digitalen Drucks nutzte, stempelte Tina Knoll die Koordinaten mit Moosgummistempeln auf die Bezüge.
Bevor sie die Möglichkeiten des digitalen Drucks nutzte, stempelte Tina Knoll die Koordinaten mit Moosgummistempeln auf die Bezüge. Foto: RP/Mirjam Ratmann

Für ihr erstes Kissen brauchte die 48-Jährige eine gute Stunde. Mit Moosgummi-Stempeln, die sie in einem Kreativladen kaufte, stempelte sie jeden Buchstaben, jede Zahl und jedes Satzzeichen einzeln auf den Kissenbezug. „Das war eine sehr fehleranfällige Arbeit“, erzählt Knoll rückblickend. Danach ruhte die Kreativschmiede für längere Zeit.

Erst im Januar in diesem Jahr nahm die Bürokauffrau die Produktion der Koordinatenkissen wieder auf. Als Geschenk für Marika Bolten, Inhaberin des Kiebitzmarktes in Ilverich, gestaltete sie ein Kissen. „Sie war davon so begeistert, dass sie mich bat, eine größere Auflage zum Verkauf im Laden zu produzieren“, erzählt Knoll.

Inzwischen kann sich Knoll, die hauptberuflich als Assistentin der Hauptgeschäftsführung der IHK NRW in Düsseldorf arbeitet, vor Anfragen kaum noch retten. Von den beliebtesten zehn Modellen hat die Wahl-Ilvericherin eine Kollektion mit Standardkissen auf Lager. Die Aufträge kommen vor allem aus der näheren Umgebung rund um Meerbusch und Düsseldorf.  „Da sind dann oft Orte dabei, die jeder kennt und die eine gewisse Identifikation für die Menschen bedeuten“, so Knoll. Als Beispiel nennt sie den Marktplatz in Lank-Latum.

Ansonsten kann sich jedoch jeder Kunde einen individuellen Ort wünschen, der auf das Kissen kommen soll. Um die Koordinaten dieses Ortes zu ermitteln, braucht Knoll lediglich die Adresse. „Dann gebe ich diese bei Google Street View ein und finde die richtigen Koordinaten heraus“, erklärt sie. Wenn jemand ein Kissen bestellen will, kann er zwischen acht Hüllenfarben und zehn Schriftfarben wählen. Den Druck hat Knoll inzwischen professionalisiert. „Mit dem Stempeldruck kam ich irgendwann an meine Grenzen, da die Nachfrage so groß wurde.“ Darunter habe nicht nur die Flexibilität, sondern auch die Qualität gelitten.

Nun druckt sie digital – mit einem Heißtransfer-Verfahren. Dazu wird der Schriftzug zunächst mit einem Layoutprogramm am Computer zusammengebaut. Jeder Buchstabe gleicht dabei den alten Stempelbuchstaben, ist jedoch auf dem PC als Grafik hinterlegt. „Die alte Stempelschrift war sehr beliebt, weil sie nicht so perfekt ist“, erklärt Knoll. Die Buchstaben setzt sie jedes Mal wieder neu auf. „Dadurch ist kein Kissen wie das andere.“ Anschließend werden die Buchstaben auf eine Poliflex-Folie gedruckt, herausgetrennt und dann mit einer Heißtransferpresse auf den gebügelten Kissenbezug gedruckt. Für den gesamten Prozess braucht Knoll eine halbe bis ganze Stunde.

Die 48-Jährige sieht in dieser Arbeit einen gelungenen Ausgleich zu ihrer hauptberuflichen Tätigkeit. „Ich wollte immer kreativ arbeiten und hätte gerne einen Handwerksberuf gelernt“, sagt Knoll. „Die Arbeit an den Kissen ist für mich Spaß, Entspannung und Meditation zugleich.“ Vor allem der Kontakt mit den Menschen macht das Hobby für sie zu etwas ganz besonderem. „Hinter jedem Kissen steckt eine Geschichte.“

So habe sie beispielsweise einmal ein Kissen mit Koordinaten von einem Taubenschlag in Lank bedruckt und dazu Tauben auf die Buchstaben gesetzt. Ein anderes Mal kamen die Koordinaten eines Ortes auf das Kissen, an dem ein Heiratsantrag gemacht wurde. Einige Kunden schickten, nachdem sie das Kissen erhalten haben, Fotos, die zeigen, wo das Kissen einen Platz gefunden hat. Knolls Handy ist voll damit. „Es macht mir immer wieder großen Spaß zu sehen, wie sich die Leute über die Kissen freuen.“

Besonders aus Lank-Latum werden viele Kissen bestellt. „Da habe ich wohl eine Fangemeinde“, sagt Knoll und lacht. Doch auch aus Kasachstan, Polen, den USA oder Japan habe sie bereits Aufträge erhalten. Ein japanisches Pärchen, das in Büderich gelebt hatte, ließ sich ein Kissen mit den Koordinaten ihres alten Wohnorts in Büderich und des neuen in Tokio bedrucken. Oft seien die Kissen auch Mitbringsel in neue Wohnungen oder Häuser. Auch Urlaubsorte wie Sylt würden immer häufiger angefragt.

Über Knolls Website www.stadtteil-liebe.de können Interessierte sowohl die Standardkissen als auch individuelle Kissen bestellen. Außerdem hat der Kiebitzladen Bolten in Ilverich einige auf Lager. Tina Knoll ist nun gespannt auf ihr erstes Weihnachtsgeschäft, das gerade anläuft. Ihre Druckwerkstatt im Keller hat sie vorsorglich renovieren lassen, um mehr Platz zu schaffen.