Meerbusch: Therapie mit Pferdefieber

Meerbusch : Therapie mit Pferdefieber

Daniela Dzieia bietet in der ehemaligen Halle der Polizeireiterstaffel eine Reittherapie an. Durch die spielerische Arbeit mit dem Pferd sollen die Körperwahrnehmung, Koordination und das Selbstwertgefühl gefördert werden.

Es ist der Traum eines jeden Kindes. Lauter buntes Spielzeug ist in der Reithalle ausgebreitet, und Pony Schnippe bedient sich nach Lust und Laune: ein roter Plastikkegel, ein Schaumstoffwürfel und dann eine Mini-Verkehrshütchen. Das neunjährige Pony ist ebenso verspielt wie die Kinder. Durch die Spielsachen gehen die Kleinen unbewusst eine Bindung zum Tier ein, die im Laufe der Reittherapie die Entwicklung des Kindes fördern soll. "Nach und nach baut der Nachwuchs Ängste ab, entwickelt eine sehr gute Körperwahrnehmung und wird selbstbewusster", erläutert Heilpraktikerin Daniela Dzieia. Die 43-Jährige mietete jetzt die ehemalige Halle der Polizeireiterstaffel am Hülsenbuschweg. Dort trainiert sie mit Schnippe und ihrem Haflinger Stacy vor allem Kinder und Jugendliche in Zweiergruppen, aber auch Erwachsene in Einzelsitzungen.

"Es ist eine so tolle Arbeit", schwärmt die Büdericherin. "Es hat wenig mit einer klassischen Therapie zu tun, sondern etwas mit der Liebe zu Tieren — es entsteht ein Pferdefieber. Das Reiten steht dabei allerdings nicht im Vordergrund." Stattdessen geht es vielmehr um koordinative Übungen, den Aufbau von Vertrauen und Abbau von Ängsten. "Zunächst steht das Putzen des Pferdes auf dem Programm, um eine Bindung aufzubauen, bevor das Kind anschließend auf dem Pferd sitzend etwa Bälle fängt, freihändig reitet oder sogar Voltigier-Turnübungen ausübt", erläutert Dzieia. "Die Kleinen lernen, sich zu trauen loszulassen. Stille Kinder lachen öfter, Hyperaktive konzentrieren sich auf die Übung und werden plötzlich ruhig." Das Pferd gibt ihnen keine negative Reaktion, so dass das Selbstwertgefühl automatisch gesteigert wird. "Zudem entwickeln sie durch das Reiten einen aufrechten Gang, der dieses neue Selbstbewusstsein ausstrahlt", sagt die Therapeutin.

Vor drei Jahren wagte Daniela Dzieia den Schritt, sich als Heilpraktikerin selbstständig zu machen. Die gelernte technische Zeichnerin wollte schon immer als Psychotherapeutin arbeiten, doch für ein Psychologie-Studium hatte es damals nicht gereicht. Nach einem mehrjährigen Erziehungsurlaub entschloss sich die gebürtige Düsseldorferin 2008 jedoch als psychologische Beraterin zu arbeiten. Sie selbst hatte am eigenen Leib erfahren, wie man durch Tiere Ängste überwinden kann. Diese Erfahrung wollte Dzieia weitergeben und gründete vor anderthalb Jahren ihre Praxis an der Herman-Unger-Allee.

Zunächst trainierte sie die Kinder in einer engen Reithalle in Bovert, doch diese wurde schnell zu klein. Um so glücklicher war die 43-Jährige, als sie in die ehemalige Reiterstaffelhalle zurückkehren konnte. "Denn hier bin ich bereits als 17-Jährige eigene Turniere geritten", erinnert sie sich. Jetzt ist die Büdericherin froh, ihr Hobby zum Beruf gemacht zu haben. "Es ist ein Traumarbeitsplatz, und es macht mich sehr stolz zu sehen, wie das Pferdefieber bei anderen wirkt", sagt Daniela Dzueia. "Das macht mich jedes Mal selbst stärker."

(RP)