Erziehung Osterath Tagespflege auf dem Gemüseacker

Osterath · Die Tagesmütter Angelika Schumann und Kirsten Wilken pflanzen mit ihren Pflegekindern auf einem Feld eigenes Gemüse an. Das Geerntete landet dann zum Mittagessen auf dem Tisch.

Das Gemüse, das die Kinder auf dem Acker von Bauer Hörschgens ernten, wird auch für das eigene Mittagessen verwendet. Die Tagesmütter pflanzen an, was die Kinder mögen.

Das Gemüse, das die Kinder auf dem Acker von Bauer Hörschgens ernten, wird auch für das eigene Mittagessen verwendet. Die Tagesmütter pflanzen an, was die Kinder mögen.

Foto: male

Die Ernte passt kaum auf das Lastenfahrrad und in den Kinderbus. Eine dicke Stange Lauch, lila Kohlrabi und Grünkohl haben die Tagespflegekinder von Angelika Schumann und Kirsten Wilken heute auf ihrer Parzelle von Bauer Georg Hörschgens in Osterath geerntet. Nur die Tomaten für die Soße, die nachher noch zubereitet werden soll, fehlen. Die sind allesamt im Mund von „Tomaten-Paul“ gelandet. Immer wenn er eine rote Frucht ins Erntekörbchen legen sollte, war die Versuchung groß und der Weg zum Mund näher.

„Naschen gehört dazu“, sagt Tagesmutter Angelika Schumann, die sich mit dem Bus mit ihren fünf Schützlingen auf den Weg zu ihrer Parzelle gemacht hat. Einmal in der Woche trifft sie sich auf dem Feld von Bauer Hörschgens, Bommershöfe 3, um mit den Kleinen zu gießen, zu ernten, Schmetterlinge, Schwalben und Bienen zu beobachten. Bauer Hörschgens hat ein Feld eingezäunt und sein Angebot „Ackergemüse“ genannt. Hier können Interessierte für eine Saison von Mai bis Oktober eine zwei Meter breite Parzelle mieten und eigenständig beackern. 200 Euro kostet die Miete in der Saison.

Aber Angelika Schumann und Kirsten Wilken mussten in dieser Pflanzsaison noch nicht bezahlten. „Da ein Mieter vor gut drei Monaten ausgefallen war, bot der Bauer uns an, mit unseren Kindern die kostenfreie Patenschaft für das Feldstück zu übernehmen“, erinnert sich Kirsten Wilken. Viele Gemüsesorten waren schon vom Vornutzer gepflanzt: Spitzkohl, Bohnen, Brokkoli, Zwiebeln und Kartoffeln haben die beiden Frauen mit den Kindern bereits abgeerntet und dafür auch schon wieder nachgepflanzt. Die Kinder sind begeistert von ihren wöchentlichen Ausflügen in den Gemüsegarten. Leonhard gießt mit Hingabe die Kürbisse, die noch etwas wachsen müssen, und der dreijährige Georg kümmert sich um die roten und grünen Tomaten. Von den Roten ist schnell nichts mehr zu sehen, als „Tomaten-Paul“ das Beet betritt und alle Roten aberntet.

Gemüse, das nicht sofort verzehrt werden kann, nehmen die beiden Tagesmütter mit nach Hause und verarbeiten es für das Mittagessen für die Kinder. Auch hier ist ihnen die Hilfe der Jungen und Mädchen gewiss. „Erbsen puhlen ist eine meditative Tätigkeit für die Kinder, die sie sehr genossen haben“, sagt Schumann. Die gekochten Erbsen waren dann natürlich beim Mittagessen der Renner. Schnell haben Wilken und Schumann gemerkt, dass der von den Vormietern angepflanzte Salat nicht so gut bei den Kindern ankam. Deshalb haben sie Bohnen und Erbsen nachgepflanzt, die mehr Anklang finden.

Den berühmten grünen Daumen haben beide Tagesmütter. Kirsten Wilken hat schon Erfahrung mit ihren Hochbeeten aus dem heimischen Garten und liest gerne fehlendes gärtnerisches Wissen nach. „Ganz klar ist, auch Unkraut wächst hier sehr gerne“, sagen beide lachend. Deshalb fahren sie wöchentlich zusätzlich ohne die Kinder abends zum Feld, um Unkraut zu jäten und um bei der Hitze noch einmal zu gießen. Denn die kleinen Hände kommen mit den Mini-Gießkannen auch nicht überall hin. Große Wassertanks hat Landwirt Hörschgens für die Mieter bereitgestellt.

 Die Feldarbeit soll auch ein Bewusstsein für Nahrungsmittel schulen.

Die Feldarbeit soll auch ein Bewusstsein für Nahrungsmittel schulen.

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 Naschen gehört beim Ackern dazu – vor allem die Tomaten sind beliebt.

Naschen gehört beim Ackern dazu – vor allem die Tomaten sind beliebt.

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Aber die kleinen Gießkannen und die Eimerchen bringen die Kinder bei jedem Besuch in ihrem Gemüsegarten selber mit. Für Schumann und Wilken steht schon jetzt fest, dass sie die Parzelle im nächsten Jahr auf eigene Kosten mieten werden. „Für die Kinder ist es ein nachhaltiges Erlebnis in der Natur. Den Lernort wollen wir ihnen weiter bieten“, sagen beide übereinstimmend. Bepackt mit Riesen-Zucchini, Lauch und Kohlrabi macht sich die fröhliche Gruppe nach rund einer Stunde „Feldarbeit“ wieder auf den Heimweg. Dabei schläft die eine oder der andere von der anstrengenden Arbeit auch schon einmal gerne im Lastenrad oder im Kinderbus ein.

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