Meerbusch: Strümper kämpfen um ihr Pfarrheim

Meerbusch: Strümper kämpfen um ihr Pfarrheim

Noch wohnen Flüchtlinge im Pfarrheim St. Franziskus. Bis Mitte Juni ziehen sie aus. Danach, so fordern es Gläubige, soll das Gemeindehaus wieder Treffpunkt für die Strümper werden. Jetzt haben sie eine Initiative gegründet.

Bisher haben mehr als 250 Bürger unterschrieben: Sie wollen ihr Pfarrheim St. Franziskus zurück. Dort leben aktuell noch 15 Flüchtlinge, doch deren Auszug steht kurz bevor. Die Strümper wünschen sich, dass sie das Haus dann wieder selbst nutzen können - für Pfarrfeste, Jubelkommunion- oder Schützen-Feiern, Chorproben, Kfd-Veranstaltungen. "Das Pfarrheim war das Herzstück unserer Gemeinde", sagt Gemeindemitglied Gerd Vasen. Und das soll es auch wieder werden, wünscht sich die Initiative um Vasen.

Möglich wäre das: Die Stadt, die das Pfarrheim seit 2015 von der Großpfarrei Hildegundis von Meer als Flüchtlingsunterkunft mietet, möchte den Vertrag schon Ende Juni dieses Jahres beenden - zwei Jahre früher als geplant. Stadt und Pfarrei besprechen bereits eine passende Folgenutzung, "die allen Beteiligten entgegenkommt", sagt Stadtsprecher Michael Gorgs.

Viele Strümper sind deshalb alarmiert. Sie fühlen sich weder einbezogen, noch ausreichend informiert. Sie befürchten, dass ihr Pfarrheim verloren ist, dass der Kirchenvorstand sich aus finanziellen Gründen dafür entscheidet, das Gemeindehaus auch künftig zu vermieten oder gar zu verkaufen. Sie vermuten, dass möglicherweise sogar schon mit potenziellen Interessenten verhandelt werde. Mit ihnen habe indes niemand geredet, kritisieren sie. Bei Gesprächen über die Zukunft ihres Pfarrheims hätten Kirchenvorstand und der GdG-Rat (Gemeinschaft der Gemeinden) der Pfarrei sie nie "ins Boot geholt", ärgert sich Vasen.

17 Gemeindemitglieder haben daher eine Initiative gegründet, mit der sie sich für ihr Pfarrheim einsetzen. Bis Mittwoch sammeln sie Unterschriften: "Wir wollen deutlich machen, dass die Strümper dahinterstehen", sagt Gemeindemitglied Klaus Mock. Danach will die Initiative mit dem Kirchenvorstand über mögliche Wege sprechen, wie das Pfarrheim erhalten bleiben kann. Die Strümper Gemeindemitglieder denken etwa darüber nach, einen eigenen Träger- oder Förderverein zu gründen. Denn auch sie wissen wissen um die knappen Kassen der Kirche. Pfarrer Norbert Viertel erläutert die Situation: "Die Sparvorgaben des Bistums Aachen, die zum KIM-Prozess (Kirchliches Immobilienmanagement) geführt haben, sind bekannt. Ein Drittel der Instandhaltungskosten musste eingespart werden." Hervorzuheben sei, dass es dem Kirchenvorstand dennoch bisher gelungen ist, alle sechs Kirchen der Pfarrei zu erhalten. "Und ich hoffe, dass das auch in weiter Zukunft so bleiben wird." Irgendwo müssten die Einsparungen aber erfolgen.

Pfarrer Viertel erklärt, dass der Kirchenvorstand bisher kein Konzept zum Erhalt des Pfarrzentrums vorgelegt habe. Als Gremium hat dieser die Verantwortung für Immobilien innerhalb der Pfarrei. Kirchenvorsteher Max Tjaben-Stevens beteuerte auf Nachfrage unserer Redaktion, man sei daran interessiert, den Betrieb aufrecht zu erhalten: "Unter der Bedingung, dass es wirtschaftlich sein muss." Sollten sich im Zuge der Initiative viele Freiwillige finden, die sich für den zukünftigen Betrieb einsetzen möchte, sei man bereit, dieses bei der Entscheidung zu berücksichtigen.

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Ob es tatsächlich bereits Verhandlungen über eine externe Vermietung oder gar einen Verkauf der Immobilie gibt, ließ Tjaben-Stevens offen: "Ich möchte nicht vorgreifen. Es werden Verhandlungen über verschiedene Möglichkeiten geführt."

Pfarrer Viertel unterstützt indes das Engagement innerhalb der Gemeinde: "Ich begrüße es, wenn sich Initiativen gründen. Je mehr Menschen sich Gedanken machen, desto besser ist hinterher vielleicht die Lösung." Geht es nach ihm, sollen möglichst alle Pfarrzentren der Gemeinde erhalten bleiben: Außer in Strümp gibt es Häuser in Osterath, Lank und Bösinghoven. Es sei wichtig, dass die Gemeinde Versammlungsräume habe. "Ohne diese Orte können wir kein Gemeindeleben aufrecht erhalten und unseren pastoralen Aufgaben nachkommen." Gerade in Strümp sei das Zentrum ein Identifikationspunkt, weil der Ortskern nicht so ausgeprägt sei.

Die Initiative freut sich über den Zuspruch des Pfarrers, bleibt aber skeptisch. "Seit wir den GdG-Rat haben, wird viel über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden", sagt Klaus Mock. "Es deutet sich aber an, dass es eine Veränderung im Kommunikationsverhalten gibt und somit die Chance auf ein intensives und offenes Miteinander."

Am Wochenende liegen die Unterschriftenlisten unter anderem in den Kirchen der Pfarre und in Strümper Kindergärten und Geschäften aus. Die Initiative hofft, dass bis Mittwoch viele Meerbuscher mit ihrer Unterschrift ein Zeichen setzen.

(tak)