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Meerbusch: Strümper Berg bleibt offen

Meerbusch : Strümper Berg bleibt offen

Die Anwohnerinitiative Strümper Berg lässt nicht locker. Zum zweiten Mal forderten sie mit einer Bürgeranregung eine Sperrung für Durchgangsverkehr. Es reichte jedoch nur zu Tempo-30-Markierungen auf der Fahrbahn.

STRÜMP Wie gefährlich ist die Straße Strümper Berg? An dieser Frage scheiden sich auch nach einer zweiten Verkehrszählung die Geister. Auf der einen Seite steht die Anwohnerinitiative um Sprecher Henning Ohlsson (Chef von Epson Deutschland): Die Nachbarn können — mit Recht — darauf hinweisen, dass sich kaum ein Autofahrer an das Tempo-30-Gebot hält und dass die als Kompromiss aufgestellten Baumscheiben nichts gebracht haben. Stadt- und Kreisverwaltung argumentieren, dass es sich um eine normale 30er-Straße handele, in der es auch keine besonderen Umstände (schwere Unfälle, ungewöhnlich starker Durchgangsverkehr oder viele "Raser") gibt, die ein Einschreiten rechtfertigen würden.

Die Anwohner hatten im Bauausschuss vorgeschlagen, probeweise ein Durchfahrtsverbot (außer für Anlieger) auszusprechen. Eine Mehrheit aus CDU, FDP und SPD lehnte dies ab. Lediglich Grüne und UWG waren dafür. Zumindest sollen nun große Tempo-30-Zeichen auf die Fahrbahn gepinselt werden, um an die Geschwindigkeitsbegrenzung zu erinnern.

Schneller als 50 in der 30er-Zone

Aus der Verkehrszählung des Kreises (an zehn Tagen vom 6. bis 21. Dezember) geht hervor, dass sich 85 Prozent der Fahrer am Strümper Berg nicht an Tempo 30 halten. Die meisten sind nicht schneller als 40 km/h. Regelrechte Raser sind selten: Von den täglich etwa 985 bis 1150 Autos waren zwischen zehn und 19 mit mehr als 50 km/h in Richtung der Straße Bergfeld unterwegs. In Gegenrichtung waren es ein bis sieben Fahrzeuge. Im gesamten Messungs-Zeitraum wurden zehn Autos mit mehr als 60, eins davon mit mehr als 70 km/h gemessen. Wären diese zehn Fahrer erwischt worden, hätten sie einen Monat lang ihren Führerschein abgeben müssen und drei bis vier Punkte in Flensburg bekommen.

"Das sind bedenkliche Zahlen. Im Vergleich zur ersten Zählung hat der Verkehr um 4,7 Prozent zugenommen. Einige Fahrer sind mit 80 bis 90 Sachen unterwegs. Kinder, die zum Spielplatz laufen, werden gefährdet", sagte Ohlsson.

"Diese Verstöße können wir nicht hinnehmen. Die Straße wird als Durchgangsstraße missbraucht", meinte auch Guido Fliege (Grüne).

"Für eine Einzelstraße ist das kein unzumutbarer Zustand", so das Fazit von Christian Bromm vom Straßenverkehrsamt des Kreises. Er verwies auf die Straßenverkehrsordnung. Diese schreibe vor, dass Schilder nur dort anzuordnen sind, "wo dies auf Grund der besonderen Umstände zwingend geboten ist". Für Henning Ohlsson keine befriedigende Antwort: "Mit Paragrafen kann man alles niederreiten".

CDU-Ratsherr Mike Kunze unterstrich, dass eine Sperrung dazu führen würde, dass andere Straßen mehr belastet werden. Eine Tempo-30-Markierung sei hingegen eine gute Idee.

(RP)