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Meerbusch: Stromtrasse: Kreis für Erdkabel

Meerbusch : Stromtrasse: Kreis für Erdkabel

In einer Sondersitzung hat sich der Planungsausschuss des Kreises mit der geplanten Höchstspannungsleitung beschäftigt. Die Politiker haben Bedenken, können aus formalen Gründen jedoch keinen Einspruch einlegen.

Der Rhein-Kreis erhebt Bedenken gegen die geplante Verlegung der 380-kV-Höchstspannungsfreileitungen, von der auch Osterath betroffen wäre. Einstimmig formulierten die Mitglieder des Planungs- und Umweltausschusses des Kreises in einer Sondersitzung die Forderung, in sensiblen Bereichen — vor allem im Raum Kaarst — eine Erdverkabelung als alternative Variante zu prüfen.

Und sie pochen in dem laufenden Genehmigungsverfahren auf eine Verschwenkung der Leitungen und die Konzentration auf eine Trasse, die den Abstand zur Wohnbebauung vergrößert. Letzteres bot Carsten Spieker vom Netzbetreiber Amprion erneut an. Während aber im Falle Neuss-Reuschenbergs ein Abrücken der Leitungen von den Wohnhäusern um 140 Meter im Vergleich Ist-Zustand möglich ist, könnte für die betroffenen Kaarster nur eine Verbesserung von 15 Metern erreicht werden.

Kreis-Widerspruch nicht möglich

Wert legen alle Fraktionen darauf, dass Gesundheitsgefahren für die Bürger entlang der 30 Kilometer langen 380 000-Volt-Trasse auf Kreisgebiet geachtet und Beeinträchtigungen des Eigentums minimiert und gegebenenfalls ausgeglichen werden. Das Positionspapier, das nach Anhörung von drei Bürgerinitiativen entwickelt wurde, wird als Stellungnahme in das Verfahren einfließen. Formal Widerspruch einlegen kann der Kreis nicht. Er besitzt in der Trasse keine Flächen und ist daher nicht direkt betroffen.

Die Amprion-Pläne lagen bis vorgestern einen Monat lang auch im Technischen Dezernat in Lank-Latum aus (RP berichtete). Bürger haben noch zwei Wochen Zeit, dagegen Einspruch einzulegen. Die Trasse für die Höchstspannungsleitung verläuft in Osterath über landwirtschaftlich genutztes Gebiet und würde vorhandene Leitungen mit 220 kV und 110 kV ersetzen.

Demzufolge würden zwischen Gohr und Osterath 53 neue, bis zu 55 Meter hohe Masten errichtet und 81 Masten von bis zu 33 Meter Höhe wegfallen. Übrigens: Zwischen Osterath Fellerhöfe im Nordwesten Meerbuschs und der Umspannanlage im Südwesten des Stadtgebiets existiert bereits seit vielen Jahren eine 380-kV-Leitung parallel zur Westumgehung.

Südlich des Umspannwerks beginnt dann der Abschnitt (in der Grafik gestrichelt) gegen den sich der energische Widerstand der Kaarster Bürgerinitiative "Pro Erdkabel" wendet, die auch Unterstützung aus Osterath erhält. Die Initiative kämpft dafür, die Leitung zwischen Kaarst und Osterath unterirdisch zu verlegen. Eine Erhöhung des Abstands zu den nächstgelegenen Häusern um 15 Meter reicht den Leitungs-Kritikern nicht aus. Sie fürchten Elektrosmog.

38-Millionen-Euro-Projekt

Amprion plant, die neue Leitung bis 2015 in Betrieb zu nehmen. Das Unternehmen will etwa 38 Millionen Euro in den Leitungsbau investieren.

(RP/rl)