Meerbusch: Strom-Station für 390 Millionen

Meerbusch: Strom-Station für 390 Millionen

Im Zuge der Energiewende ist südlich Osterath das größte und teuerste Bauprojekt in der Geschichte Meerbuschs geplant: eine doppelte Konverterstation auf bis zu 36 Hektar. Die Stadt zweifelt am Sinn des Mega-Projekts.

Die Felder südlich von Osterath könnten schon bald zu einer gigantischen Baustelle werden. Die Netzbetreiber planen dort das flächenmäßig größte und mit möglicherweise mehr als 390 Millionen Euro teuerste Bauprojekt in der Geschichte Meerbuschs: Entstehen soll eine so genannte doppelte Konverterstation — das zentrale Verbindungsglied der Stromautobahn zwischen der Nordsee und Süddeutschland. Das Projekt hat im Zuge der Energiewende bundespolitisch höchste Priorität. Die Stadt konnte sich darüber bislang nur auf den Seiten des Netzentwicklungsplans der Bundesnetzagentur im Internet informieren, der jedoch schon am 12. Oktober in Kraft treten soll. Die Verwaltung hat dort nun eine Reihe kritischer Fragen gestellt.

Hintergrund: Um Strom möglichst verlustfrei über hunderte Kilometer quer durch die Republik leiten zu können, soll das Höchstspannungs-Gleichstrom-Verfahren (HGÜ) genutzt werden. Das erfordert jedoch neue Leitungen und aufwendige Konverterstationen, die den Strom in den gebräuchlichen Wechselstrom umwandeln — und umgekehrt. Bislang hat man in Deutschland wenig Erfahrung mit der HGÜ-Technologie. Netzbetreiber Amprion, der die Osterather Anlage bauen würde, nennt das Beispiel einer Konverterstation in China, die 390 x 475 Meter (18,5 Hektar, ungefähr 25 Fußballfelder) groß ist. In Osterath ist eine doppelte Konverterstation geplant, die nach einer Amprion-Rechnung 36 Hektar Platz verbrauchen und 390 Millionen Euro kosten könnte (plus Leitungs- und Grundstückskosten). Angesichts des beim Betrieb entstehenden Lärms soll ein Teil der Anlage "eingehaust" werden.

In Osterath entstünde der wichtigste Knotenpunkt der Nord-Süd-Stromautobahn. Dort soll der Leitungsstrang aus Richtung Nordsee (Emden) ankommen und die Trasse nach Philippsburg (Baden-Württemberg) beginnen. Strom soll nicht nur durchgeleitet, sondern auch eingespeist werden.

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Grundsätzliche Fragen

Die Verwaltung stellt nun die Frage nach dem Sinn der Station: Bislang fehle die Begründung, warum man den Strom über die hoch effizienten neuen Leitungen nicht direkt von Emden nach Philippsburg leiten könne. Bei der Stadt kursiert der Verdacht, dass die Station vor allem dazu dienen soll, Strom der Braunkohlekraftwerke ohne Verluste nach Süddeutschland zu leiten. Die nach Süden führende Leitung ist fast fertig. Von der Nordtrasse fehlen hingegen noch 320 Kilometer. Außerdem fragt die Stadt, wieso die Station nicht näher an den Braunkohlekraftwerken entstehen soll — schließlich würde die Kohle dort vor Ort "verstromt".

(RP/ac)
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