1. NRW
  2. Städte
  3. Meerbusch

Meerbusch: Streit um Förderschüler am Mataré

Meerbusch : Streit um Förderschüler am Mataré

Die Bezirksregierung hat angewiesen, dass das Mataré-Gymnasium in Büderich ab dem nächsten Schuljahr eine Gruppe Förderschüler aufnehmen muss. Meerbuschs Schulpolitiker sind über den kurzen Vorlauf entsetzt

Das für seinen Leistungsansatz bekannte und von vielen Eltern darum geschätzte Mataré-Gymnasium in Büderich wird ab dem kommenden Schuljahr eine integrative Lerngruppe von fünf Förderschülern aufnehmen. Gestern Abend erteilte der Schulausschuss einstimmig die Zustimmung — wenn auch nur widerwillig. Die Bezirksregierung Düsseldorf hatte die Einrichtung angeordnet. Die Stadt Meerbusch als Schulträger hätte nur ablehnen können, wenn beispielsweise nicht genügend Räume vorhanden wären. Das ist aber nicht der Fall.

Die Politiker sind vor allem über zwei Dinge verärgert: den kurzen Vorlauf. Und: dass Förderschüler an weiterführenden Schulen im Stadtteil Büderich konzentriert werden. Eine integrative Lerngruppe gibt es seit gut drei Jahren auch an der Maria-Montessori-Gesamtschule in Büderich. Dort ging der Einrichtung aber eine lange Vorlaufphase voraus.

Die bekommt das Mataré-Gymnasium nicht: Erst vor den Weihnachtsferien informierte die Bezirksregierung die Stadt, erst vor zwei Tagen erhielt Direktor Jörg Winterwerb die Namen der Förderschüler. "Natürlich müssen diese Kinder versorgt werden", sagt Winterwerb. "Aber bislang haben wir es an unserer Schule so gehalten: Wenn wir etwas machen, dann machen wir es vernünftig." Das sei angesichts der wenigen verbleibenden Monate, in die auch noch der doppelte Abiturjahrgang fällt, unmöglich.

"Einen derartigen Eingriff in meine Schule habe ich überhaupt noch nicht erlebt", erklärte Winterwerb, seit 1997 Schulleiter am Mataré-Gymnsium. "Wir müssen uns jetzt auf den Weg machen, etwas zu lernen, von dem wir keine Ahnung haben. Zeit dafür haben wir nicht." Welche Auswirkungen die Aufnahme der Förderschule auf den normalen Unterricht hat, konnte er nicht sagen. "Ich weiß es wirklich nicht."

Hintergrund der Entscheidung der Bezirksregierung sind zwei Dinge. Zum einen wollen immer mehr Eltern von Förderschülern ihre Kinder nicht an einer Förderschule unterrichten lassen, sondern an einer allgemeinen Schule. Zum anderen ist die ursprünglich geplante Sekundarschule in Meerbusch nicht zustandegekommen: Sie hätte eine Gruppe Förderschüler aufnehmen sollen. Die Realschule sei mangels Raumangebot nicht infrage gekommen, erklärte Schuldezernentin Angelika Mielke-Westerlage.

"Warum wird nicht am Meerbusch-Gymnasium in Strümp eine integrative Lerngruppe eingerichtet?", fragte Jürgen Eimer (SPD). "Am Meerbusch-Gymnasium soll eine Vorbereitungsklasse für zugewanderte Schüler ohne ausreichende Deutschkenntnisse eingerichtet werden", erklärte Christa Banisch von der Schulaufsicht. Bislang gebe es solch eine Klasse kreisweit nur am Quirinus-Gymnasium in Neuss.

Da das Mataré-Gymnasium örtlich sehr dicht am Quirinus-Gymnasium liege, sei die Einrichtung der Vorbereitungsklasse für das Meerbusch-Gymnasium angeordnet worden. Damit blieb nur noch das Mataré-Gymnasium für die integrative Lerngruppe. Gabriele Pricken (CDU) erklärte: "Es ist den betroffenen Kindern nicht dienlich, einer Schule so etwas überzustülpen." Und Ausschussvorsitzende Renate Kox fasste zusammen: "Das Verfahren können wir absolut nicht gutheißen."

(RP/rl)