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Meerbusch: Strafprozess beginnt

Meerbusch : Strafprozess beginnt

Ab heute müssen sich unter anderem der frühere Chefarzt der St.-Mauritius-Therapieklinik und deren erster Geschäftsführer wegen des Verdachts der Bestechlichkeit in Stuttgart verantworten.

Osterath/Stuttgart Heute beginnt vor der 14. Großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Stuttgart der Prozess gegen den früheren Chefarzt und den ersten Geschäftsführer der St.-Mauritius-Therapieklinik sowie den baden-württembergischen Bauunternehmer Josef Wund und zwei weitere Angeklagte. Wund und die beiden früheren leitenden Angestellten der Meerbuscher Rehaklinik sollen 1996 eine "Unrechtsvereinbarung getroffen haben". Wund habe laut Anklageschrift den beiden ehemaligen Führungskräften der Klinik über die Jahre mehr als zwei Millionen Euro Bestechungsgeld gezahlt. Darüber hinaus müssen sich Wund und zwei weitere Angeklagte wegen Steuerhinterziehung und Beihilfe zur Steuerhinterziehung verantworten.

Wund, der schon viele Jahre als möglicher Investor für Europas größtes Badeparadies mit Standort Meerbusch im Gespräch ist, bestreitet alle Vorwürfe. Bei den zwei Millionen Euro habe es sich um Entschädigungszahlungen an Unternehmen gehandelt, die zunächst den Zuschlag für den Kauf des Klinikgrundstücks und den Bau des Gebäudes gehabt hätten, erklärte Wund gegenüber der "Kölnischen Rundschau". "Das ist durchaus üblich und hat mit Bestechung nichts zu tun", erklärte Wund weiter. Erst später sei seine Gruppe ins Gespräch gekommen, weil sie ein deutlich günstigeres Angebot habe abgeben können.

Die Verteidigung des vor Wochen fristlos entlassenen Chefarztes (RP berichtete) und des ehemaligen Geschäftsführers wollen heute offenbar die Ereignisse ab Mitte der 90er Jahre präsentieren und die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft damit entkräften.

Zur Chronologie in der Rheinischen Post: Die Lokalredaktion berichtete im November 1993 exklusiv über die Pläne der gemeinnützigen Gesellschaft Neurologisches Therapiecentrums (NTC), Institut an der Heinrich-Heine Universität, in Meerbusch eine Klinik für Rehabilitation zu bauen. Gelder in dreistelliger Millionenhöhe stünden zur Verfügung, hatte Meerbuschs Planungsdezernent Berthold Loskant seinerzeit erklärt. Die Beteiligung von Josef Kürten, Ex-Oberbürgermeister in Düsseldorf, unterstreiche die Seriosität des Vorhabens, betonte Loskant. 1994 stellte die Planungs AG Köln in einem Ratsausschuss erste Entwürfe vor. 1996 wurden überarbeitete Pläne für das 70-Millionen-Mark-Projekt präsentiert. Zwei Jahre später schrieb der neue Grundstückseigentümer Josef Wund die Arbeiten für die Gewerke zum Bau der Klinik aus.

Im März 1999 trat dann die Krankenhaus Mörsenbroich Rath GmbH mit ihrer 100prozentigen Tochter Mauritius GmbH erstmals in Meerbusch als zukünftiger Investor und Betreiber öffentlich in Erscheinung. Der erzbischöfliche Justiziar Wilhelm Meller erläuterte die Zusammenhänge. 13 Monate später konnte die Klinik bezogen und in Betrieb genommen werden.

(RP)