Meerbusch: Stolpersteine erzeugen Skepsis

Meerbusch: Stolpersteine erzeugen Skepsis

Vier Hauseigentümer lehnen es bislang ab, vor ihren Gebäuden Gedenktafeln an deportierte jüdische Osterather verlegen zu lassen. Vier andere haben ihre Zustimmung erteilt.

Sylvia Reinders hat die Zustimmung von vier Eigentümern, vor deren Häusern in Osterath Gedenkplatten an ermordete und verfolgte Juden — so genannte Stolpersteine — verlegen zu dürfen.

Am 10. Dezember soll der Kölner Künstler Gunter Demnig mit seiner Aktion beginnen und sowohl auf der Kaarster Straße als auch auf der Meerbuscher- und der Krefelder Straße kleine Messingplatten mit biografischen Daten der vor 70 Jahren von den Nationalsozialisten nach Riga deportierten Osterathern jüdischen Glaubens in den Bürgersteig einpassen.

"Für die Zustimmung der Eigentümer war zum Teil erhebliche Überzeugungsarbeit nötig", sagte Reinders im Gespräch. Bei vier weiteren Hauseigentümern beißt sie mit ihrem Anliegen bislang noch auf Granit. "Die Vorbehalte sind groß", sagt sie. Die Betroffenen hätten Sorge, dass der Stolperstein sie ins Gerede bringen könnte. Andere haben Angst, dass die Erinnerung an die Verfolgten aus der Zeit des Dritten Reichs Personen mit rechter Gesinnung auf den Plan rufen könnte.

Jürgen Bergert, der als Vorsitzender von Pro Osterath das Projekt finanziert und auch sonst unterstützt, hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die noch skeptischen Eigentümer von Häusern an der Meerbuscher Straße und am Hoterheideweg ihre Zustimmung für die Verlegung von Stolpersteinen doch noch geben. Vielleicht könne Bürgermeister Dieter Spindler den Initiatoren zur Seite stehen und einen Brief an die Hauseigentümer schreiben, denkt Bergert laut nach.

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Einzelheiten dazu sollen hinter verschlossenen Türen im nicht-öffentlichen Teil der Kulturausschusssitzung am 18. Oktober besprochen werden. Dann soll Sylvia Reinders einen Sachstandsbericht liefern. Erzählen wird sie dann auch darüber, dass ihre Recherche über die Nachfahren der jüdischen Osterather sie bis nach Brasilien führte.

Per Mail nahm sie Kontakt mit dem dort lebenden Norberto Scholem auf. "Bis heute habe ich noch keine Antwort bekommen", sagte sie. In der Mail habe die Meerbuscherin das Projekt Stolpersteine und die Intention des Erinnerns beschrieben und vorgestellt.

Sie selbst sei durch die Erzählungen ihrer Oma schon als Kind auf das Thema aufmerksam geworden. "Damals habe ich das nicht verstanden", sagt sie. Nach einem Bericht im Fernsehen habe sie mit ihrem Vorschlag, in Osterath an die Familien Kiefer, Gutmann, Cervelli, Langenbach und Goldberg zu erinnern, bei Pro Osterath offene Ohren gefunden.

Und nicht nur dort: Eine Schulfreundin aus Osterath lebe mit ihrem englischen Mann in Hongkong und sei vor kurzem zu Besuch in Meerbusch gewesen, berichtet Sylvia Reinders. Und natürlich habe sie auch von ihrem Engagement für die Stolpersteine erzählt. Der Mann ihrer Freundin wolle so etwas jetzt auf seiner Heimatinsel Guernsey anstoßen.

(RP)
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