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Meerbusch: Starkes Bündnis gesucht

Meerbusch : Starkes Bündnis gesucht

Die CDU muss sich einen starken Partner suchen, wenn sie die Politik in Meerbusch weiterhin bestimmen will. Eine Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen war schon einmal gescheitert.

Selten und nicht ganz neu war die Situation gestern — am Tag nach der Wahl — für die Meerbuscher Christdemokraten. Vor 20 Jahren hatte die CDU ebenfalls die absolute Mehrheit verloren. Parallelen sind durchaus vorhanden. Damals wie heute hatte sich die CDU durch politische Alleingänge in der Bürgerschaft und im Stadtrat wenig Freunde gemacht.

1989 war es die Affäre um das umstrittene städtische Museum für den Tiermaler Manfred Schatz. Diesmal waren es Pannen in der Einschätzung, wie das beabsichtigte Fällen der Platanen entlang der Düsseldorfer- und Moerser Straße, der Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Langst-Kierst und die Umgestaltung des Strümper Marktplatzes beim Wähler ankommen.

1989 setzte die so genannte Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grüne mit der Einrichtung einer Gesamtschule einen Meilenstein. Das war's aber auch schon. Nach nur einem Jahr waren die Gemeinsamkeiten aufgezehrt. Die SPD wandte sich dem Wahlverlierer CDU zu und trat mit ihr zur "Elefantenhochzeit" vor den Traualtar.

Im Hier und Jetzt steht erneut die Eröffnung einer Gesamtschule zur Diskussion — die zweite. Doch die Mehrheitsverhältnisse sind mit dem Einzug von Zentrum und Unabhängiger Wählergemeinschaft (UWG) noch schwieriger geworden. Ob die CDU als stärkste Fraktion gemeinsam mit dem Wahlsieger FDP die Meerbuscher Politik gestalten wird, scheint zweifelhaft. Zu groß sind die Unterschiede. Außerdem hat die FDP durch ihre konsequente Oppositionspolitik die CDU nur allzu oft gescholten. Das hinterlässt Befindlichkeiten. Eine erneute Elefantenhochzeit mit einer nunmehr schwachen SPD wäre möglich. Doch Vorbehalte in der CDU sind nicht zu leugnen. Zu unbeständig und ziellos seien die Genossen im Gefolge von Fraktionschefin Ilse Niederdellmann.

Bleiben noch die Grünen: Jürgen Peters und seine Kollegen werden wegen ihrer Sachlichkeit und vielen pragmatischen Ansätzen vielerorts geschätzt. Und selbst in der Kritik fanden die Grünen in der Vergangenheit einen Weg, kein zerschlagenes Porzellan zu hinterlassen. Wahlverlierer und Wahlgewinner waren am Sonntag die Kandidaten im Bezirk Strümp-Nord: FDP-Vorsitzender Jörg Schleifer legte um 14,02 Prozent zu, und Carsten Herlitz (CDU) büßte 17,2 Prozent ein. Die CDU verlor übrigens in allen 24 Wahlkreisen Stimmen, während die SPD sogar zweimal zulegte: Marius Luciano und Margret Abbing. Und der langjährige frühere Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Winfried Schmitz-Linkweiler, zieht mit 7,32 Prozent erneut in den Rat.

(RP)